Dienstag, 19. Juni 2012

Schatten

wo es Liebe gibt, da gibt es auch Hass.

Wir waren die besten Freunde.
Wir waren wie Schwestern.
Aber eines Tages, da hast du angefangen mich zu hassen.
Warum?
War es wegen den Dingen, die ich hatte?
War es deshalb gerecht mir mein Leben zu nehmen?
Du sagtest allen, dass ich dich jeden Tag verprügelen würde.
Aber warst du es nicht, der meistens zu erst zugeschlagen hatte?
Warst nicht du es, der Gerüchte über mich verbreitete?
Warst nicht du es, der mein Leben zur reinen Hölle machte?
Ich war 10, als das alles anfing.
Ich war 11, als ich auf einmal vollkommen alleine da stand.
Ich war 11, als ich es erste Mal fast von der Schule verwiesen wurden bin.
Ich war 11, als ich die ganzen Morddrohungen bekam.
Fremde wollten mich am liebsten tot sehen, obwohl sie die Wahrheit nicht kannten.
Ich ging jeden Tag zur Schule, durfte niemanden die Wahrheit wissen lassen.
Meine Mutter erfuhr von dem ganzen, als es schon zu spät war.
Ich wurde zum Direktor gerufen und ich hatte Angst.
Sie hatte die Maske auf, sagte ihm es wäre vorbei.
Wir wären wieder Freunde.
Doch das stimmte nicht.
Wir wurden nicht der Schule verwiesen.
Aber das Mobbing hörte nicht auf.
Und ich lernte das Leben kennen, was ich nie führen wollte.
Einmal Opfer, immer Opfer.
6 Jahre lang war ich der Spielball.
Ich konnte nicht aufs Gymnasium, denn da war sie.
Ihre Eltern schickten sie zum Psychiater, sie musste die Schule wechseln.
Sie wussten wahrscheinlich, dass ihre Tochter nicht das Opfer war.
Aber entschuldigt haben sie sich nie.
Sie versuchte lange mir nahe zu sein.
Sie versuchte zu lange mir wieder alles nehmen zu können.
Mit 14 hatte ich den ersten Selbstmordversuch hinter mir.
Obwohl SIE weg war, machten mir die anderen weiterhin das Leben zur Hölle.
Ich war alleine, so verdammt alleine.
Ich hatte nicht viele Freunde, denn alle hatten sie Angst vor ihr.
Ich war immer der Außenseiter.
Ich war immer die, die bei Gruppenarbeiten alleine gearbeitet hatte.
Ich war immer die, die nie gut sein durfte.
Obwohl ich nach all den Jahren in der Hölle wieder Licht im Dunkeln sah, konnte ich so nicht weiter leben.
Ich wollte das Ende.
Egal wie.
Laut der Lehrerin ist es meine eigene Schuld.
Das Mobbing.
Das alleine sein.
Das Außenseiter sein.
Alles ist laut ihr meine Schuld.
Freitags wollte ich es beenden, aber der Wille war zu schwach.
Montags ging ich in die Schule, mit einem Lächeln.
Niemand sollte merken, dass ich schon wieder versagt hatte.
Niemand sollte merken, dass ich schon wieder neue, tiefere Wunden trage.
Ich wollte kein Opfer mehr sein.
Ich wollte nicht mehr Leben.
Das Mobbing nahm mir damals alles.

Aber eins weiß ich...
Sie war nicht stark genug, um mir wirklich alles zu nehmen.
Nach fünf Jahren habe ich aufgehört zu zweifeln.
Ich habe gelernt weiter zu leben.
Ohne Depressionen, ohne Angst.
Ich habe gelernt, dass Menschen nicht nur böse sind.
Ich habe gelernt, dass selbst ich liebenswert bin.

Bei Leuten wie ihr muss ich lachen.
Denn nicht ich bin bemitleidenswert, sondern sie.
Warum muss man anderen das Leben zur Hölle machen?
Warum haben es andere nicht verdient glücklich zu sein?
Kann es einen selbst glücklich machen, wenn man das Leben anderer zerstört?
Oder es ist wie eine Sucht, man will mehr und immer mehr zerstören?

Für mich ist Mobbing ein Zeichen der Schwäche. Ein Zeichen von extremer Charakterschwäche.
Und Cybermobbing ist in meinen Augen noch erbärmlicher, als Mobbing an sich.
Ich weiß nicht, warum mich manche Leute so sehr hassen.
Ich will es auch gar nicht wissen.
Aber warum muss man diese Person so behandeln?
Ist es nicht erbärmlich, was sich manche für Feigheiten erlauben?
Warum werden solche Menschen toleriert?
Können solche Leute überhaupt nachempfinden, was es heißt Opfer zu sein?


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