Montag, 6. Februar 2017

Hat man bei chronischen Erkrankung wirklich die Wahl?

Guten Morgen :)

Oft habe ich schon den Satz von anderen zu hören bekommen, dass man selbst die Wahl trifft in wiefern einen eine chronische Erkrankung einschränkt.
Zu einem ganz kleinen Teil stimmt diese Aussage auch. Man hat zum Beispiel die Wahl zu kämpfen oder sich der Krankheit geschlagen zu geben. Oder man hat die Wahl sein Leben der Krankheit anzupassen oder eben nicht.

Aber die Krankheit setzt einem auch teils sehr enge Grenzen in denen man sich bewegen kann. Und man hat nicht immer die Möglichkeit diese Grenzen vollkommen auszunutzen oder diese zu durchbrechen. Auch gesunde Menschen haben ihre Grenzen, jedoch sind die dadurch entstehenden Einschränkungen in der Regel nicht so gravierend wie bei chronischen Erkrankungen.
Man kann immer hingehen und diese Einschränkungen leugnen, jedoch verschwinden diese nicht einfachso dadurch. Leider ist das oft für den gesunden nicht nachvollziehbar.
Wenn ich zum Beispiel Migräne habe, dann setze ich mich vor allem nachts sehr ungern hinters Steuer. An den Grenzen kann ich natürlich rütteln, aber es wäre einfach grob fahrlässig an manchen Tagen sich trotzallem hinters Steuer zu setzen.

Diese Einschränkung habe ich akzeptiert und auch die anderen Einschränkungen habe ich alle akzeptiert. Das heißt nicht zwangsläufig, dass ich diese Einschränkungen mag. Ich habe nur festgestellt, dass ein ständiges ankämpfen dieser einen nicht weiterbringt und einem einfach unglaublich viel Kraft kostet.

Diese Akzeptanz hat laut einigen in meinem Umfeld viel mit Aufgabe zu tun. Aber hat es das? Ich kann nach wie vor an diesen Einschränkungen arbeiten und ich bin in der Regel einer, der bis zum Schluss kämpft. Die Akzeptanz hat für mich auch die Folge, dass ich allgemein eher ruhiger geworden bin und Niederlagen besser wegstecken kann. Ich hatte zum Beispiel in der Oberstufenzeit 2-3 Migräneattacken pro Woche und klar hätte ich dann immer bei Klausuren/Tests daheim bleiben können, aber teils hatte ich dann auch beim Nachschreibetermin Migräne. Da musste ich mich auch durchbeißen und schlechte Noten akzeptieren. Einem Menschen ohne chronische Erkrankung verlangt man ja auch nicht 100% ab, wenn er gerade Schnupfen oder ähnliches hat in der Regel.

Es gibt noch andere Sprüche, die glaub ich den Grundgedanken dahinter widerspiegeln: “Ich habe Krankheit x, aber Krankheit x hat mich nicht” und “Ich bin nicht Krankheit x”. Das Leben besteht nun einmal nicht nur aus der Krankheit und an schlechten Tagen ist es wirklich schwer den Blick von all den Einschränkungen abzuwenden und wirklich wichtig ist sich dieses immer wieder vor Augen zu führen! Ich musste zum Beispiel tanzen wegen einer Erkrankung aufgeben und auch auf das Hobby malen/basteln musste ich bisher immer wieder für ziemlich lange Zeit verzichten. Während der Zeit habe ich mir immer das Ziel gesetzt wieder an diese Punkt hinzukommen und habe es auch irgendwie hinbekommen. Wichtig ist einfach nur sich kleine und realistische Ziele zu stecken.

Es ist ja auch vollkommen absurd zu behaupten, dass jeder gesunde Mensch Raumfahrer oder Profisportler werden kann. Und nur weil einer kein Langstreckenläufer mit Goldmedaille ist, ist er ja noch nicht zwangsläufig krank. Was ich damit aussagen will ist einfach, dass man auch nicht von chronisch Kranken ständig das unmögliche verlangen sollte. Es ist doch teils ganz schön verletzend, wenn einem ständig die Schuld zugewiesen wird. Mag sein, dass manche tatsächlich gerne im Mitleid oder auch Selbstmitleid baden und einfach ihre Krankheit als Ausrede nutzen. Jedoch gibt es erstaunlich viele, die jeden Tag um ein kleines Stückchen Normalität kämpfen müssen. Und manchmal bedeutet dieses auch einfach einmal eine Zeit lang eine Pause zu machen, um wieder Kraft zu sammeln für den weiteren Kampf.

Also bitte bevor ihr solch einem Satz zu einer Person mit einer chronischen Erkrankung sagt, denkt bitte auch daran was zu den jeweiligen Entscheidungen geführt hat. Die Einschränkungen sind teils wirklich alles andere als angenehm und vor allem ich bin es Leid zu hören, dass ich die Krankheit als Ausrede nutze.

An alle die auch mit dieser Behauptung konfrontiert wurden: Macht euch nichts draus. Solche Sätze tun weh, aber leider ist halt nicht von jedem Verständnis zu erwarten.

Wenn ihr noch Fragen habt, dann fragt gerne nach :)

Liebe Grüße

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