Sonntag, 10. September 2017

Normalität



Guten Tag!

Heute wird das Ganze wieder etwas persönlicher um das Thema Trauer um ein altes Leben und die Akzeptanz von chronischen Nervenschmerzen bzw. chronischen Erkrankungen hervorzuheben. Eigentlich mache ich mir keine Gedanken darum, da ich schon so lange damit lebe. Jedoch hat sich die letzte Zeit viel getan und deshalb geht es heute um dieses Thema.

Man geht davon aus, dass man nach der Diagnose gewisse Stadien verläuft. Als erstes verleugnet man mit unter die Diagnose und hofft darauf, dass diese falsch ist. Danach trifft einen die Wut auf sich selbst, die Erkrankung und vielem anderen. Anschließend trifft einen die Trauer/Depression und man betrauert quasi alles was man durch die Erkrankung verloren hat oder verlieren wird. In der letzten Phase akzeptiert man sein neues Ich und versucht die Kontrolle zurück zu erlangen.

Wenn ich mich so in meinem Bekanntenkreis umschaue, dann haben die letzte Zeit viele geheiratet, Kinder bekommen oder ein Haus gebaut. Manche von denen klettern fleißig die Karriereleiter hoch und wenn ich so auf mein Leben schaue, dann stimmt mich das nachdenklich.
Ich weiß nicht wie glücklich meine Bekannten sind, schließlich ist es leicht zu sagen: "Es ist alles in bester Ordnung". Und wahrscheinlich würde es mir in Sachen Haus und Heirat gerade genauso gehen, aber ich war noch nie einer der sesshaft werden wollte. Deshalb möchte ich es einmal so formulieren: Ich beneide meine Bekannten nicht wegen den Erfolgen, sondern wegen der Normalität. Ich weiß nicht wie groß deren Probleme sind, aber ich hätte gerne wieder weit aus normalere Entscheidungsfragen, die keinen Arzt oder ein Krankhaus beinhalten.
Mit dem Ganzen kommt einher auch die Trauer um ein Stück Leben was ich gar nicht kenne. Wenn man sich selbst als Erwachsener nur mit den Nervenschmerzen kennt, wie soll man sich dann ein Leben ohne diese vorstellen? Als Kind habe ich immer gedacht, dass ich jetzt in dem Alter viele Abenteuer erleben werde und vor allem Spaß haben werde. Das Thema habe ich noch nicht abgehakt, aber durch die Schmerzen muss man so viel berücksichtigen, was halt ein Gesunder nicht berücksichtigen muss. Ich mein was macht man beim Bergsteigen oder im Dschungel, wenn der Fuß(Nervenschmerzen) nicht mehr will? Und auch bei ganz normalen Dingen muss ich Abstriche machen und das fällt mir vor allem in der kälteren Jahreszeit auf wegen den chronischen Gesichtsschmerzen. Für nächstes Jahr habe ich mir auf alle Fälle klettern vorgenommen.

Die Nervenschmerzen habe ich nicht erst seit gestern oder wenigen Jahren. Eigentlich müsste ich diese schon längst mit all ihren Facetten akzeptiert haben. Aber ist das überhaupt möglich? Kann man so etwas tatsächlich vollkommen in sein Leben lassen? Ist es nicht vollkommen normal auch einmal traurig darüber zu sein, dass man halt nicht gesund ist? Es ist schwer jeden Tag wie ein Löwe zu kämpfen, ich kämpfe zwar nicht gegen die Krankheit aber ich kämpfe darum mit der Erkrankung zusammen durch den Tag zu kommen. Und an manchen Tagen finde ich das äußerst schwer.

Liebe Grüße

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