Mittwoch, 11. Juli 2018

Langzeitfolgen





Hallo :)

Vor 11 Jahren erlitt ich ein mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma und noch heute schütteln die Ärzte den Kopf, wenn sie meine Akte durch lesen. Laut den Ärzten dürfte ich kein Abitur haben, aber man kann nun einmal nicht vorhersagen wie so etwas verheilt. Und vor allem kann man nicht vorhersagen was für Einschränkungen im einzelnen bleiben.
Und aus dem Grund möchte ich euch etwas über das Hauptproblem schreiben: Solche Verletzungen sind unsichtbar. Nicht in allen Fällen bleiben Narben zurück und obwohl ich Narben habe, sieht man diese nicht. Folglich wird oft vergessen, dass ich dieses Schädel-Hirn-Trauma hatte.

Viele Bedenken leider nicht, dass eine solche Verletzung einen Menschen vollkommen verändert. Betroffene müssen mit dieser Tatsache leben, was aber nicht nur sie selbst sondern auch ihr Umfeld immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Am Besten umschreibt das alles ein Satz: "Auf einmal ist alles anders".
Nachfolgend habe ich einmal 5 Sachen herausgepickt, die relativ häufig nach Hirnschädigungen auftreten. Nicht jeder Betroffene hat diese und sie sind meist sehr unterschiedlich ausgeprägt und von der Tagesform abhängig.

1)  Kognitive Defizite: Das Nachdenken an sich dauert länger und funktioniert nicht mehr so gut. Das betrifft nicht nur das Erinnerungsvermögen, sondern auch solche Bereiche wie das Planen oder die Orientierung und andere.

2) Fatigue oder auch Neurofatigue: Wegen dem Narbengewebe werden mehrere Teile vom Gehirn benutzt um die toten Zellen quasi zu überbrücken. Dadurch ist der Betroffene schneller erschöpft selbst einfache Aufgaben sind an manchen Tagen einfach nicht machbar. Man kann sich das alles so vorstellen: bei einem Gesunden Menschen füllt sich die Batterie/Energie nahezu vollständig über die Nacht, während bei jemanden mit Hirnschädigungen die Battiere nie ganz voll wird egal wie viel oder wenig er schläft.

3) Konzentrationsprobleme: Den Betroffenen fällt es schwer ihre Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken bzw. die Aufmerksamkeit lange genug aufrecht zu erhalten. Das macht sich nicht nur im Alltag bemerkbar zum Beispiel beim Kochen, sondern auch bei Unterhaltungen oder beim Einkaufen.

4) Aphasie: Ganz simpel ausgedrückt: Der Betroffene sieht eine Ampel und weiß das es eine Ampel ist, aber er kommt nicht auf das Wort Ampel. Nicht nur das sprechen, sondern auch das schreiben und verstehen von gesprochener Sprache wird zu einer Herausforderung. Ganz wichtig: Das hat absolut gar nichts mit Intelligenz zu tun! Betroffene haben oft Probleme mit dem Satzbau, der Aussprache oder sie verwechseln Worte.

5) Reizüberflutung: Normalerweise kann ein gesundes Gehirn störende Nebengeräusche ausblenden. Viele mit Hirnschädigungen haben diesen Filter nicht und deshalb wird zum Beispiel ein gut besuchtes Einkaufszentrum zu einer Herausforderung. Aber auch die tickende Uhr oder der tropfende Wasserhahn können schnell zu viel werden. Alles ist zu laut, zu hell und einfach zu viel.


An manchen Tagen habe ich schon ziemlich mit den Langzeitfolgen zu kämpfen, vor allem wenn ich mehrere Tage am Stück wach bin. Und es ist dann schon sehr nervig, wenn man anderen erklären muss woran das liegt und man nicht betrunken oder dumm ist. Für mich ist das einfach schon seit Jahren Alltag, aber andere irritiert das immer noch egal wie lange sie mich schon kennen.


Weitere Beiträge zu dem Thema:
Hirnverletzungen - Anzeichen für SHT und Schlaganfall
5 Vorurteile/Mythen zum Thema SHT
Überlebenswille

Wenn ihr noch Fragen habt, dann könnt ihr die gerne stellen :)

LG

Kommentare:

  1. Hallo Pea,
    danke für die Erklärung. Ja, solche Beeinträchtigungen sind unsichtbar und die Menschen kommen eben auf die naheliegenste Erklärung für das anderssein, dass sie irgendwie wahr nehmen. Umso wichtiger, sich immer vor Augen zu führen, dass es einen guten Grund gibt, warum eine Person so reagiert, auch wenn wir den nicht immer kennen.

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    1. Hallo :)
      Erst einmal danke für deinen Kommentar.
      Ich fnde es halt einfach ganz schlimm, wenn Menschen einen dann direkt verurteilen und solche Erklärungen wie Alkohol-/Drogenkonsum einem unterstellen und das dann Dritten auch noch mitteilen. Oder es dann auch nicht verstehen wollen, dass man nicht aus purer Absicht/Faulheit eben nicht so belastbar ist wie ein Mensch ohne eben diese Verletzung. Deshalb schreibe bzw. blogge ich auch darüber, da das Thema ja leider immer mehr Menschen betrifft.
      LG

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