Mittwoch, 26. Juni 2019

Fanfiction



Hallo :)

Heute möchte ich mich einmal dem Thema "Fanfiction" zu wenden, da ich selbst schon ziemlich viele geschrieben habe und auch gerne welche lesen. Etwas was mich absolut stört daran ist, wenn sensible Themen missbraucht werden nur um Klicks zu generieren.

Da ich jetzt ungern eine fremde Fanfiction rauspicke nehme ich einfach einmal meine eigene. "Spiel der Liebe" hat zur Zeit ganze 44 Kapitel und knapp 118.000 Wörter. Das heißt sie hat ungefähr 380 Buchseiten(bei um die 1.800 Zeichen pro Seite samt Leerzeichen). Sie ist eine meiner ersten Geschichten und mittlerweile würde ich vieles anders machen. Die Fanfiction handelt von einer japanischen Band.
Ich werde jetzt einfach nur einmal die Hauptthemen in chronologischer Reihenfolge auflisten: Beziehungsende -> Susbstanzmissbrauch(Alkohol)/Depression -> sehr langsam neue Beziehung -> Unfall -> Vergewaltigung vom 2. Hauptprotagonisten(Presse bekommt das mit) ->  Depression von 2. Charakter/PTBS. Wahrscheinlich würde ich nur noch halb so viele Themen/Ereignisse verwenden, auch wenn die Geschichte über Jahre spielt und nicht nur über ein paar Monate. Somit relativiert sich das alles am Ende wieder und man hat dann zwar wenige schwerwiegende Ereignisse, aber trotzdem erscheint es mir als ein bisschen zu viel. Vor allem da diese Themen alle in der 1. Hälfte der FF auftauchen und danach geht es nur noch darum, wie die einzelnen Charaktere damit umgehen. Hier hätte ich wenigstens die Vergewaltigung später ansetzen sollen.
Man muss auch dazu sagen, dass die Fanfiction nie geplant war. Das heißt rein theoretisch hätte schon nach spätestens 30 Kapiteln Schluss sein sollen, aber dann konnte ich die Charaktere nicht loslassen und es fühlte sich noch nicht fertig an. Folglich folgten noch 14 weitere Kapitel, die halt zeigen wie das Leben mit psychischen Erkrankungen ist.



Was habe ich beim Schreiben davon gelernt? 

Solche Themen brauchen Platz. Vor allem solche Themen wie Vergewaltigung oder Stalking mit Gewaltandrohung sollten nicht mit wenigen Worten runter gerattert werden. Natürlich handelt es sich um Fiktion, aber hier sollte man möglichst nah an der Realität bleiben. Lest Betroffenen-Berichte, wenn ihr so etwas noch nie selbst erlebt habt. Und hier kann man gar nicht genug recherchieren.
Als Betroffener finde ich es nämlich richtig abartig, wenn bestimmte Themen auf die leichte Schulter genommen werden und suggeriert wird, dass sie vollkommen harmlos sind! Natürlich hat nicht jeder nach einer Vergewaltigung zum Beispiel eine Posttraumatische Belastungsstörung oder anderes, aber es kann passieren. Und das alles so zu schreiben als läge die komplette Schuld beim Opfer oder als wäres es nur ein kleiner Zwischenfall empfinde ich als blanken Hohn gegenüber demjenigen.
Auch wenn es ums Thema Stalking geht erwarte ich wenigstens eine halbwegs realistische Darstellung. Das heißt es sollte nicht nur wie ein "Liebesbeweis" aussehen sondern explizit auch behandeln wie sehr es den Betroffenen auch zerstören kann. Es ist nun einmal absolut nichts harmloses und auch die vermeintlich 1.000 SMS ohne Rückantwort hat absolut nichts liebesvolles an sich. Und es ist auch nicht niedlich, wenn der Stalker sich bei Dritten über die Person erkundigt. Oder einfach mal Geschenke sendet oder einen ständig ungefragt kontaktiert. Das kann alles das Opfer verängstigen, zu Alpträumen, zu Paranoia und vielem mehr führen. Manche öffnen dann auch aus Angst keine Briefe/Mails mehr oder gehen nicht mehr ans Telefon! Deshalb kann ich es auch nicht verstehen, wenn so etwas in Geschichten verharmlost oder romantisiert wird.
Auch was Erkrankungen betrifft habe ich die absurdesten Sachen von Leuten gelesen, die selbst nicht betroffen waren. Unter anderem kamen dann so Sachen wie: "Hoffentlich stirbt die Person bald und muss nicht Jahrzehnte leiden. Es wäre besser gewesen, wenn sie Krebs gehabt hätte und schnell verstorben wäre". Es liegt am Betroffenen selbst ein Leben als nicht lebenswert einzustufen. Und zu schreiben Krankheit X wäre besser als Krankheit Y, weil man bei X schneller stirbt ist auch vollkommen absurd und an der Realität vorbei. Manche haben vielleicht nur Wochen nach der Krebsdiagnose zu leben, andere werden damit über 80. Und es wirft auf manche Krankheiten ein völlig falsches Bild. Ich frage mich was das für eine Shitstorm auslösen würde, wenn das ein berühmter Autor machen würde? Ich weiß von einigen, dass sie genau aus dem Grund nie "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes lesen werden, da es dort ja explizit um Sterbehilfe geht und es quasi als einziger Ausweg gesehen wird. Ich finde so etwas immer grenzwertig, wenn Leute quasi mit solchen Geschichten nur das Stigma rund um bestimmte Krankheiten bestätigen. Und manche neigen dazu Krankheiten zu romantisieren und vergessen dabei völlig, dass so etwas nicht romantisch nicht. Es ist nicht romantisch, wenn eine geliebte Person an Krebs stirbt. Oder wenn sich Leute um sie kümmern und nach und nach der Freundeskreis wegbricht, weil viele damit nicht umgehen können.

Vor längerem hatte ich mal eine ähnlich lange Fanfiktion wie meine gefunden. Und wer gedacht hat beim Lesen ich hätte viele Themen gefunden um Drama zu generieren täuscht sich. Da war wirklich alles dabei: Beziehungsstress, Entführung(vermeintlich), Erpressung/Gewalt, Krankheit, Metoo, Stalking, Unfall, Vergewaltigung und vieles mehr. Und da wurde sich gefühlt überhaupt nicht mit dem Themen befasst. Die beiden Hauptprotagonisten waren trotzdem ekelhaft verliebt ineinander und alles las sich wie eine sehr schlechte Fetisch-Fanfiktion. Das war dann zeitweise echt wie ein Unfall und weggucken war nicht drin. Ich wollte einfach nur noch wissen was für ein Thema sie als nächstes nimmt um es für ihre Fanfiktion zu missbrauchen. Leider war es keine Parodie, sondern eine ernst gemeinte FF.

Mittlerweile ist es ja auch wirklich leicht ein Buch auf den Markt zu bringen und ich habe das Gefühl, als würden diese wirklich fragwürdigen FF-Varianten mittlerweile öfters Einzug auf den E-Book-Markt finden. Natürlich mit abgeänderten Namen und nicht als FF, aber der Inhalt bleibt der gleiche. Es ist echt erschreckend was für Bücher man mittlerweile findet!

LG

Textauszug aus "Lass mich mein Leben beenden(häusliche Gewalt)"
Tetauszug aus "Spiel mit mir - Bis zum Tod"(Stalking)
Schreiben(allgemein)

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