Freitag, 17. September 2021

#405 Bücherregal - Super und dir?

 

  




TitelSuper und dir?
AutorKathrin Weßling
VerlagUllstein Verlag
GenreRoman/
Seiten256 Seiten
Meine Bewertung
3/5


 Inhalt


Endlich hat es Marlene Beckmann geschafft eine Stelle in ihrem Traumberuf zu ergattern. Sie ist zwar nur befristet, aber es ist besser als nichts. Nach außen hin scheint sie alles erreicht zu haben und sie selbst möchte sich nicht eingestehen, dass nicht alles so super ist wie es erscheint. Sie hatte sich so auf den gemeinsamen Urlaub mit ihrem Freund gefreut, jedoch bekommt sie ausgerechnet dann nicht frei. Und ihr fällt es immer schwerer dem Druck auf der Arbeit standzuhalten.

Review

TW: Alkoholismus, Sucht, Co-Abhängigkeit

Was ich wirklich erschreckend fand war die Darstellung der Familiengeschichte und wie nah an der Realität das alles ist. Oft weiß man gar nicht ob das Umfeld derjenigen das alles tatsächlich einfach nicht mitbekommt oder ob sie es nicht sehen wollen. Immerhin sollten sie dann agieren und müssten sich mitunter mit ihren eigenen Problemen auseinandersetzen. Man meint ja immer niemand könnte den Elefanten im Raum übersehen, aber dem ist ja nicht so. 

Hauptsächlich geht es im Buch um den immer größeren Leistungsdruck unserer Gesellschaft, der in manchen Branchen richtig zerstörerische Ausmaße angenommen hat. Je nach Beruf muss man immer performen, perfekt sein und vor allem alles im Griff haben. Nicht umsonst heißt es, dass in diesen Sparten leistungssteigernde Drogen etwas völlig normales sind. Marlene selbst hält dieser Last auf den Schultern nicht mehr stand und versucht alles mit noch mehr Tabletten in den Griff zu bekommen. Und obwohl sie dringend eine Pause oder Veränderung nötig hat, fällt es ihr unheimlich schwer diesen Schritt zu gehen. Sie sieht keine Möglichkeit aus dem Hamsterrad zu entfliehen, welches sich sich von Tag zu Tag schneller dreht. 

Einerseits fand ich das offene Ende wirklich gut, schließlich kann man sich so selbst ausmalen was das Leben für Marlene noch bereiten halten wird. Andererseits ärgert es mich total, da ich kein großer Fan von solchen Enden bin und gerne wüsste was die Autorin für ein Ende gewählt hätte. Natürlich weiß man von vielen Betroffenenberichten wie so etwas meist endet und nicht alle es schaffen die Sucht in den Griff zu bekommen. Und halt auch viele Beziehungen genau an dem zerbrechen. Jedoch hoffe ich bei so etwas immer auf ein gutes Ende, egal wie unrealistisch und naiv das sein mag, schließlich zeigt ja die Realität oft genug wie gnadenlos die Sucht Leben zerstören kann. Auf vielen Seiten geht es nur noch um den nächsten Kick, die nächste Line und man merkt einfach, wie dieser Klammergriff Marlene die Luft zum Atmen nimmt. 

Mir fehlt es der Handlung einfach an Tiefe und oft hatte ich mir gewünscht, dass ein paar weniger Klischees auftauchen würden. Alles ist streng nach Schema F aufgebaut und so überrascht es wenig, dass Marlene genau den Lebenslauf hat und gewisse Entscheidungen trifft. Und eben dann bei den Drogen landet, weil sie nie gelernt hat sich mit ihrer Kindheit auseinanderzusetzen. Mir war Marlene als Erzählerin einfach zu egozentrisch und versank zu sehr in ihrem Selbstmitleid. Oft hatte ich das Gefühl als wolle sie gar nicht, dass sich was ändert und wenn andere ihr helfen wollten, war es ihr auch nicht recht. Das ist jetzt nichts ungewöhnliches, jedoch hätte man all dem ein bisschen mehr Inhalt schenken könnten anstatt direkt danach wieder seitenweise über die nächste Line zu schreiben.


Fazit

An sich ist es ein wirklich tolles Buch über das Leben einer Anfang 30jährigen, jedoch war es mir zu wenig Handlung. Und Marlene war mir an vielen Stellen einfach zu melodramatisch und man hatte das Gefühl, als wäre sie eher Anfang 20 und müsste erst lernen Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen.

Mittwoch, 15. September 2021

#003 Light Novel und Manga - Weathering with you

 








Hodaka fühlt sich zu einengt und abgeschnitten von der Außenwelt in seinem Heimatdorf, welches auf einer Insel liegt. Deshalb rennt er von zuhause weg und auf dem Weg nach Tokio begegnet er auf der Fähre einem Mann, der ihm ein Jobangebot macht. In der Stadt selbst versucht er Arbeit zu finden, doch niemand möchte einen Schüler ohne Ausweise einstellen. Und so nimmt er Kontakt zu dem Mann auf, der ihn als Redakteur bei seiner okkulten Zeitung einstellt. Zu allem Überfluss will es einfach nicht aufhören zu regnen und da ist da noch diese Hina, die angeblich das Wetter beeinflussen kann.



TitelWeathering with you
AutorMakoto Shinkai
VerlagYenPress
GenreFantasy
Bände1
Meine Bewertung
4/5


Die Handlung bleibt bis zum Schluss spannend und ich habe richtig mitgefiebert, ob die Charaktere es schaffen werden oder eben nicht. Sie ist an einigen Stellen ziemlich traurig.

Wie bei "your name." taucht wieder einiges aus dem japanischen Aberglaube auf und genau das liebe ich hier an der Novel. Es gibt zum Beispiel den Aberglaube, dass manche Menschen vom Regen verfolgt werden und es immer regnet, wenn sie da sind(Ameonna/Ameotoko). Aber es gibt auch Menschen, die vom Sonnenschein begleitet werden und genauso eine soll Hina sein.  

Mir fiel es leicht mit den Charakteren mitzufühlen und mir alles vorzustellen. Man kann erahnen warum sie so handeln und mir tat es oft einfach nur Leid, wenn bestimmte Dinge einfach nicht klappen wollten. Vor allem fand ich es schön wie viele unterschiedliche Charaktere vorkommen und was für ein genaues Bild von diesen gezeichnet wird. 

Das einzige was mich gestört hatte waren die Perspektivenwechsel, die nicht immer anständig gekennzeichnet wurden.

So ganz verstehe ich nicht warum einige das als Light Novel bezeichnen, schließlich gibt es keine Illustrationen u.ä. Es ist einfach nur eine ganze normale Novel und genau das bekommt man auch geliefert. Bei Gelegenheit werde ich definitiv noch den dazugehörigen Film schauen. Makoto Shinkai hat es einfach einmal wieder geschafft ein Geschichte zu schreiben, die sich wie ein modernes Märchen liest.






TitelWeathering with you
AutorMakoto Shinkai
ZeichnerWataru Kubota
VerlagEgmont Manga
GenreFantasy
Bände3
Meine Bewertung
4/5


Nach knapp 1 1/2 Jahren habe ich es geschafft die Mangadaption zu dieser wundervollen Light Novel zu lesen. Der Veröffentlichungstermin wurde ja leider immer weiter nach hinten verschoben und somit kann ich jetzt nicht beurteilen, inwiefern die Handlung verändert wurde. Mich hat es auf jeden Fall überrascht wie sehr mich diese Mangareihe mitgerissen und wie schnell ich die drei Bände durch hatte. Das passiert mir in der Regel wirklich selten, dass ich eine Reihe in einem Rutsch durchlese und genau das war hier der Fall. 

Die Zeichnungen sind wirklich grandios und vor allem die Hintergründe fand ich atemberaubend. Man merkt einfach wie viel Zeit und wie viele Gedanken sich um die einzelnen Panels gemacht wurde. Sie ergeben ein wirklich sehr stimmiges Gesamtbild und stecken voller lieber Details. Vor allem die Teru Teru Bozu(jap. Regenpüppchen) tauchen wirklich oft, die ja als Talisman gegen Regen helfen sollen.
Rückblickend ist es wirklich faszinierend zu sehen mit wie wenig Dialog die komplette Reihe auskommt. Und trotzdem hat mich die Geschichte total berührt, besonders weil das Gezeigte oft für sich selbst gesprochen hat.

Wie zu erwarten hatte die Handlung jetzt nicht viel Tiefe und einiges war wirklich kitschig und vorhersehbar, was ich eigentlich total schrecklich finde. Trotzdem hat mich mich die Reihe richtig nachdenklich gestimmt und ich bin froh darüber sie gelesen zu haben, während es gefühlt nicht mehr aufhören will zu regnen. Es werden wie in der Light Novel wirklich spannende Fragen gestellt und die passenden Antworten muss jeder für sich selbst finden.




Am liebsten würde ich mir direkt die Verfilmung angucken, aber ich glaube damit lasse ich mir lieber noch etwas Zeit. Ich liebe es einfach wenn die Mythologie eine so große Rolle einnehmen darf und somit freut es mich immer wieder, wenn ich auf Mangareihen über dieses Thema stoße. Alles in allem ist es eine melancholische Handlung, die mich zum Nachdenken angeregt hat. 

Sonntag, 12. September 2021

#404 Bücherregal - Todeswall(Kurzrezension)

 

  


TitelTodeswall(Emam Klar 5. Fall)
AutorKatharina Peters
VerlagAufbauverlag
GenreKrimi/Lokalkrimi/Ostseekrimi
Seiten352 Seiten
Meine Bewertung
4/5


 Inhalt


Als die private Ermittlerin von dem Unfalltod einer jungen Frau in Wismar erfährt macht sie sich Sorgen. Denn vor etlichen Jahren wurde die Mutter von Anna Bohn ermordet und der Täter konnte nie gefasst werden. Seit dem schottet der Vater die komplette Familie ab. Hat Anna eventuell etwas in Erfahrung bringen können, was sie zu einer Gefahr für den Mörder macht? Oder war es letztendlich der Sturz vom Balkon doch nur ein tragischer Unfall?

Review

Man kann diesen Teil ruhig ohne Vorwissen lesen, da alle relevanten Informationen über die Figuren im Laufe der Handlung erwähnt werden.


Immer wieder hatte ich beim lesen das Gefühl, als wäre die Auflösung des Falles zum greifen Nahe. Nur um dann festzustellen, dass die Spur in die komplett falsche Richtung lief und der alles viel komplizierter ist als anfangs vermutet. Aus dem Grund ist dieser Teil in meinen Augen auch bisher der beste der kompletten Reihe, da der Fall so komplex ist und es einfach spannend ist die einzelnen Ermittlern bei ihrer Arbeit zu begleiten. Wobei wenn man aufmerksam liest hat man recht schnell raus wer nun der Täter ist, aber letztendlich muss man dessen Schuld beweisen und das ist nicht ganz so einfach. 

Man merkt immer wieder, dass Emma Klar endlich in ihrem Beruf angekommen ist und sich nun voll und ganz auf ihre Aufgaben als Privatermittlerin konzentriert. In den vorigen Teilen hatte ich immer das Gefühl als würde sie diesen Schritt bereuen und sei es auch nur, weil sie als BKA-Beamtin andere Befugnisse und finanzielle Mittel hatte um an Informationen zu kommen. Und dann kommt ja noch erschwerend hinzu, dass sie dort ein Team hatte und nicht ständig gucken musste, wie sie nun über die Runden kommt.

Mich wundert es immer wie schnell man die Bücher von Katharina Peters durchgelesen hat. Hauptsächlich ist das wahrscheinlich den vielen Dialogen geschuldet, die sich aufgrund der Teambesprechungen und Vernehmungen ergeben. An manchen Stellen haben mir dabei die Begleitsätze gefehlt, die ja auch einiges über die Person an sich verraten. 

Was mir jedoch so gar nicht gefallen hatte an dem Fall waren die ganzen Klischees, die hier wie eine Liste abgehakt wurden und einen fast schon erschlagen. Hier wäre ein bisschen weniger deutlich angebrachter gewesen und hätten den Fall glaubwürdiger gemacht.


Fazit

Alles in allem ist das Buch ein guter, kurzweiliger Krimi für zwischendurch ohne blutige Tatortbeschreibungen. 

Freitag, 10. September 2021

#403 Bücherregal - The Black Flamingo

 





Titel(Deutsch)-
Titel(Englisch)The black Flamingo
AutorDean Atta
VerlagBalzer+Bray
GenreJugendroman
Seiten416 Seiten
Meine Bewertung
4,5/5






 Inhalt


Michael lebt in London und ist Zyperngrieche und Jamaikaner. Und immer wieder stellt er sich die Frage, ob er überhaupt wirklich einer dieser Gruppen angehört. Erst an der Universität lernt die "Drag society" kennen und dort lernt er sich selbst und seine Vorlieben zu kennen. Denn bisher hatte er sich immer gefragt, ob es wirklich okay ist als Junge bestimmte Sachen zu machen bzw. zu mögen. 

Review

TW: Homophobie(auch internalized), Rassismus

Die komplette Handlung wurde im Versstil erzählt, was anfangs ziemlich gewöhnungsbedürftig war. Dadurch hat man das Buch auch unglaublich schnell durch gelesen und mich hatte es im Endeffekt verwundert wie viele Seiten es letztendlich waren. Was den Erzählstil betrifft bin ich nach wievor sehr zwiegespalten und so lange ich nur ab und an mit diesem konfrontiert werde, finde ich ihn gar nicht so schlecht. Man muss halt wirklich sehr aufmerksam lesen, da das meiste in Metaphern und zwischen den Zeilen versteckt ist und eben sehr komprimiert erzählt wird.

Da alles von Michael selbst erzählt wurde bekommt man einen recht tiefen Einblick in seine Gefühlswelt und Gedanken. Man erlebt quasi hautnah mit wie er nach und nach realisiert, dass er eben sehr gerne bestimmte Kleidungsstücke tragen würde. Oder eben Spielzeuge haben möchte, welche für einen Jungen in der Gesellschaft als nicht typisch angesehen wird. All das merkt er schon als kleines Kind und erst nach und nach realisiert er warum seine Mutter so dahinter her ist, dass er eben all das eben nicht macht. Leider wird dieses Thema relativ selten in der Literatur und in den Medien aufgegriffen und es war auch eine der Hauptgründe warum ich überhaupt Interesse an diesem Buch hatte. Es ist nun einmal leider immer noch so, dass man komisch beäugt wird wenn man eben nicht Kleidung entsprechend seines Geschlechts trägt oder eben nicht heterosexuell ist. Und oft bleibt es ja nicht nur bei Blicken. 

 Seine Sexualität war eher nebensächlich und es ist schön zu sehen, wie realistisch all das dargestellt wurde. Hier wird nichts unnötig romantisiert und es wird gezeigt wie verankert heteronormative Vorstellungen nach wie vor in unserer westlichen Gesellschaft sind.

Was mich richtig überrascht hatte war, dass auch die internalisierte(Internalized) Homophobie angesprochen wurde. Diese wird ja eher selten thematisiert, dabei kann diese für denjenigen auch ein überaus großes Problem darstellen. 

An vielen Stellen wird die Frage gestellt, ob man einer marginalisierten Gruppe zu viel angehören kann. Leider wird einem das viel zu oft suggeriert und deshalb ist es umso wichtiger, dass dieses angesprochen wird.


Fazit


Wie zu erwarten ging es in diesem Buch viel um das Finden der eigenen Identität und das akzeptieren dieser. Und wie schwer es nun einmal ist sich selbst zu finden, wenn man in keine Schublade passt und immer wieder damit konfrontiert wird, dass genau das für die nähere Umgebung ein Problem zu sein scheint. Die Illustrationen war nicht Teil des eBooks, weshalb ich sie an dieser Stelle nicht bewerten kann. Es ist auf jeden Fall schön, dass das Thema "Drag" immer mehr Einzug in die Literatur findet. Und es endlich auch einmal mehr Jugendromane darüber gibt.