Freitag, 30. August 2019

#233 Bücherregal - Die Macht der Verzweiflung







TitelDie Macht der Verzweiflung
AutorHendrik Falkenberg
VerlagEdition M
GenreKrimi/Ostseekrimi
Seiten377 Seiten
Meine Bewertung
4,5/5



Ich bedanke mich hiermit recht herzlichst bei Netgalley.de für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares.

 Inhalt

Eigentlich wollte der Sportpolizist Hannes nur das Mittsommerfest mit seiner Freundin in Schweden genießen. Scheinbar hat da jedoch jemand andere Pläne für sie, denn per Anruf erfahren sie von einem Brandanschlag auf ihre Wohnung. Ehe sie es wirklich realisieren können geschieht auch schon der nächste Anschlag und es macht allen Anschein, als wolle der Täter möglichst viele Personen in Hannes Umfeld schädigen. Plötzlich muss sich der Polizist mit dem Gedanken befassen, dass jemand möglicherweise nach seinem oder dem Leben seiner Liebsten trachtet. Kann der Täter gestoppt werden bevor noch schlimmeres passiert?

Review

Hannes ist nach wie vor ein sehr sympathischer Ermittler. Man möchte einfach wissen wer hinter ihm her ist und leidet richtig mit. Dieses Mal ist er der gejagte und kann deshalb kaum in die Ermittlungsarbeit eingreifen und muss seinem Team vertrauen.

 Immer wieder fragt man sich wer hinter den Taten stecken könnte und auch seine Kollegen tappen sehr lange im Dunkeln. Es erscheint alles wie ein persönlicher Rachefeldzug gegen Hannes und die Taten nehmen nach und nach an Grausamkeit zu. Deshalb und wegen dem zunehmenden Handlungstempo nimmt die Spannung immer weiter zu und der Krimi gleicht dadurch etwas mehr einem Thriller. Zu dem fand ich die Wendung sehr gut platziert, denn diese rückt all die Taten noch einmal in ein ganz anderes Licht. Und die Wendung kommt auch ganz überraschend, was die Spannung noch einmal erhöht.

Positiv möchte ich auch hervorheben, dass der Fokus auf den Ermittlungen liegt und nicht auf den grausamen Taten. Es gibt auch genügend Nebenhandlung, die die Hauptprotagonisten lebendig und interessant machen, aber diese drängt sich nicht in den Vordergrund.

Somit erfährt man auch wieder ziemlich viel aus Hannes Privatleben und auch Fritz ist wieder mit von der Partie. Es ist spannend ihm dabei zuzuschauen wie er an den einzelnen Fällen wächst und somit auch in die Rolle des Ermittlers hinein wächst. Er ist nach wie vor noch nur Teilzeitermittler, was wahrscheinlich den langsamen Wachstumsprozess erklärt.

Es gibt typisch für einen Ostseekrimi auch das nötige Lokalorit in Form von Landschaftsbeschreibungen, wobei ich mir stellenweise ein bisschen mehr ortstypische Merkmale gewünscht hätte. Aber im Vergleich zum 1. Band ist es wirklich gut.

Das Cover passt prima zu der Reihe und man sieht scheinbar die Bucht um die es des Öfteren geht. Der Titel hebt sich farblich(gelb) vom Hintergrund ab und wird dadurch gut lesbar. Die gelbe Farbe taucht auch wieder in der Boje auf. Die abgetrennte Kette und die dunklen Wolken lassen nichts gutes vermuten und passen somit auch perfekt zur Handlung. Nur das Meer ist mir etwas zu blau und passt nicht ganz zum Rest. Mir gefällt der Lichtstreifen am Horizont, der einen prima Kontrast zu den Felsen und den dunkeln Wolken darstellt.

Der einzige Kritikpunkt sind die viel zu langen Kapitel, die gefühlt nie enden wollen. Diese hätte man ruhig an einigen Stellen unterbrechen können. Es macht jetzt das Buch nicht schlecht, aber mir waren die Kapitel einfach einen Ticken zu lang.



Fazit


Bisher hatte ich ja nur den ersten Teil der Reihe gelesen und deshalb fehlt mir auch einiges an Hintergrundwissen bezüglich der Charaktere. Beim Lesen habe ich dann festgestellt, dass das alles kein großes Problem darstellt und man sich locker ohne Vorwissen zurechtfindet. Trotzdem möchte ich auch noch die fehlenden Teile der Reihe lesen, da ich diese Art von Krimis liebe. Der Fall aus dem 9. Band baut auf dem aus dem 1. auf, das heißt dort findet man mehr Informationen dazu wenn nötig.

Alles in allem hat mich der Krimi wieder einmal gut unterhalten. Die Charaktere handeln immer noch authentisch und man erfährt einiges neues über sie.

Rezension zu Hannes Niehaus 1. Fall

Mittwoch, 28. August 2019

#001 Top10 - Dystopische Romane



Hallo,

Wie man schon an der Überschrift erkennen kann geht es heute um die Top10 meiner bisher gelesen dystopischen Romane. Ich habe schon wirklich viele Dystopien gelesen und mittlerweile bin ich es einfach nur Leid, dass gefühlt jede zweite von der Handlung her komplett gleich klingt. Es gibt so viele mögliche Szenarien, also warum müssen es immer Zombies sein?  Heute möchte ich mich deshalb einmal mit meinen Lieblingsdystopien auseinandersetzen um mich noch einmal bewusst daran zu erinnern, dass nicht alle Bücher in dem Genre schlecht sind.
Wichtig bei einer Dystopie ist für mich ein realistisches Szenario. Die Handlung muss logisch aufgebaut sein und die Protagonisten dürfen keine Superkräfte haben(außer es sind keine Menschen, aber das erklärt sich ja von selbst). Es sollte nicht nur um Totschlag, Vergewaltigungen und Liebe gehen und Bücher über Prepper habe ich auch schon zu oft gelesen. Und ich finde es immer befremdlich, wenn die Tiere vollkommen vernachlässigt werden im Buch.



1) Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky

Selbst 20 Jahren nach dem Atomkrieg spielt sich das Leben der Menschen unterirdisch ab. Nur wenige in Russland haben es geschafft sich rechtzeitig in die teils zerstörte Metro in Moskau zu flüchten. Immer wieder versuchen Mutanten in die Stationen einzudringen. Es scheint so als stünde die endgültige Vernichtung der Menschheit bevor, weshalb sich Artjom dazu entschließt dieses zu verhindern. 

Das Buch hat mich einfach total mitgerissen und auch noch so viele Jahre danach erinnern mich bestimmte Lieder an das Buch und ich kann mir die Handlung ziemlich gut ins Gedächtnis rufen. Ich habe es 2012 gelesen und ich denke es spricht einfach für das Buch, wenn es einem so positiv im Gedächtnis bleibt. Es hat über 700 Seiten und hat drei Teile, also kann man einige Zeit in dieser Dystopie verbringen. Zudem haben auch noch andere Autoren Bücher dazu raus gebracht.

Rezension zu Metro 2034

2) The Hunger Games(Die Tribute von Panem) von Suzanne Collins

In Panem herrscht das reiche Kapitol über die 13 Distrikte, in denen Armut und Hunger vorherrscht. Durch den großen Unmut der Bevölkerung über die Ausbeutung durch das Kapitol kam es zu einem Aufstand, bei dem Distrikt 13 vollkommen zerstört wurde und viele Menschen starben. Um die Bevölkerung an die Folgen eines erneuten Aufstandes zu erinnern wurden die Hungerspiele eingeführt. Jedes Jahr kämpfen ein Junge und ein Mädchen(12-18 Jahre) aus jedem Distrikt kämpfen so lange gegeneinander, bis nur noch einer lebt. Diese Kämpfe werden auf Leinwänden in den jeweiligen Distrikten übertragen.

Und wieder ein Buch, was ich schon 2012 gelesen hatte. Eigentlich hatte ich mich etwas dagegen gesperrt, da 2012 auch der 1. Teil in die Kinos kam und ich den Hype darum nicht wirklich verstanden habe. Mir hatten mehrere die Bücher empfohlen, da sie von der Verfilmung nicht so angetan waren und um ehrlich zu sein geht es mir genauso. Ich schaffe es mal gerade den 1. Film bis zur Hälfte zu schauen, denn im Buch geht es um Kinder(!) und im Film kommt es komplett anders rüber.
Aber zurück zum Buch, denn dieses kann ich wirklich nur empfehlen. Es ist ein durchaus realistisches Szenario. Ich habe alle drei Bücher kurz hintereinander gelesen und finde sie nach wie vor klasse. Sie lassen sich leicht lesen und man kann sich alles gut vorstellen.

3) Never Let Me Go(Alles was wir geben mussten) von Kazuo Ishiguro

Kathy H. war eine der Schülerinnen im Internat "Hailsham", welches auf den 1. Blick wie jedes andere Internat in England aussieht. Doch in Wahrheit gehen dort nur Klone zur Schule, die nur eine Bestimmung haben: Sie dienen als lebendes Organreservoir bis derjenige von dem sie ein Klon sind die Organe braucht. 

Das Buch hatte ich 2012 gelesen, da eine Klassenkameradin so davon schwärmte. Es ist wirklich ein sehr ergreifendes Szenario und ich hoffe einmal, dass es nie so weit kommen wird. Das alles wurde auch verfilmt und ich finde es ist eine durchaus gelungene Buchverfilmung.

4) Fahrenheit 451 von Ray Bradbury

Die Bevölkerung nimmt Drogen und schaut Filme, damit sie nicht nicht auf die Idee kommt gegen die eigene Regierung vorzugehen. Guy Montag ist Feuerwehrmann und ist genauso wie seine Kollegen dazu angehalten Bücher zu verbrennen. Immer wieder fragt er sich warum er das machen muss und nimmt illegal Bücher mit nachhause um diese zu lesen.

Rein von der Handlung hat mich das Buch definitiv nicht vom Hocker gehauen und ich kann auch jeden verstehen, dem das alles zu sehr in den Himmel gelobt wurde. Jedoch gefällt mir vor allem die Idee hinter dem Buch wirklich gut und es wirft einige gute Fragen auf. Man kann es kontrovers diskutieren und es regt zum Nachdenken an. Das Thema Bücherverbrennung ist ja nichts neues und vieles in dem Buch ist ja heute Realität. Kriege werden zur Notiz genommen, aber sie sind halt weit genug weg. Wozu andere Menschen treffen, wenn man stattdessen daheim Filme schauen kann?

5) Brave New World(Schöne neue Welt) by Aldous Huxley

Die Menschen sind in 5 verschiedene Kasten eingeteilt und leben in einen totalitären System. Sie werden mit Hilfe von Gehirnwäsche, Drogen und Konditionierung ruhig gestellt. Ihre Pflicht ist es möglichst viel zu konsumieren. Soma dient dazu jegliche Art von Nachdenken zu unterdrücken, weshalb dieses in Unmengen konsumiert wird.

Und ein Buch, welches ich 2013 in der Schule lesen musste. Es wurde 1932 veröffentlicht und ist eine Vorlage von vielen neueren dystopischen Romanen. Mir gefällt einfach die Idee und ich finde es einfach Wahnsinn, was der Autor alles auf so wenigen Seiten nieder geschrieben hat. Alles in allem kann man nur hoffen, dass diese Welt nie Realität wird. Allein das Kapitel über die Konditionierung der Kinder ist mir noch sehr gut im Gedächtnis geblieben.

6) 1984 von George Orwell

Winston Smith ist dafür zuständig die Vergangenheit umzuschreiben, damit diese den Vorstellungen der Partei entspricht. Eigentlich ist ihm vollkommen bewusst, dass jegliche Form von Rebellion bestraft wird. Denn Big Brother ist überall und bekommt auch alles mit. Trotz all der Verbote hat er eine Affäre und geht damit ein großes Risiko ein.

Ein Buch welches ich definitiv gerne in der Schule gelesen hätte. Auch hier kann ich jeden Kritiker verstehen, aber man muss immer bedenken wie neu die Idee hinter dem Buch 1948 war. Heutzutage ist das ja in vielen Ländern Realität: Die totale Überwachung, die Propaganda und die Unterdrückung von jeglicher Rebellion(jede Systemkritik wird sofort bestraft). Nach dem Lesen des Buches mir einige Zitate erst klar geworden, die man ständig hört. Es liest sich teilweise sehr langatmig und unterscheidet sich auch ziemlich von heutigen Dystopien, aber das ist nicht weiter schlimm.

Hier geht es zum Booktalk

7) Animal Farm von George Orwell

Nachdem der Bauer mehrfach vergessen hat sich um seine Tiere zu kümmern, übernehmen die Schweine kurzerhand die Macht auf dem Hof. Beim Versuch ein neues System aufzubauen erschaffen sie eines, das grausamer ist als das vorige. 

Da Buch ist einfach nur genial. Es ist eine Fabel, die man recht schnell durch gelesen hat. Wenn man sich immer wieder vor Augen hält für was die einzelnen Tiere und das System stehen, dann wird einem auch erst richtig bewusst wie grausam das alles war. Es wird vermutet, dass der Autor die Sowjetunion als Vorlage für den Roman nahm. Nach der Februarrevolution gegen die Zarenherrschaft folgte kurz darauf die diktatorische Herrschaft von Stalin.

8) Tekhnotma - Zeit der Dunkelheit von Aleksei Bobl und Andrei Levitski

Der Söldner Jegor Rasin versucht im radioaktivverseuchten Russland herauszufinden wieso das Land in Schutt und Asche liegt. 

Auch hier das Buch hatte ich 2012 gelesen und ich brauche nur die ersten Töne von manchen Liedern zu hören um mich direkt wieder in diese Welt hineinversetzen zu können. Der Schreibstil lässt sich leicht lesen und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, als wäre es wirklich kalt und trostlos. Es gibt hier von drei Bücher und leider habe ich bisher nur den 1. Teil gelesen, da ich bisher gar nichts von der Fortsetzung wusste.

9) Cell(Puls) von Stephen King

Über das Mobilfunknetz breitet sich der Puls aus, der jeden Handybenutzer äußerst gewaltätig werden lässt und ihnen jegliche Menschlichkeit nimmt.

Auch ein Buch von 2012, dass mir sehr gut in Erinnerung geblieben ist. Ich bin ein großer Fan von Stephen King und finde das Buch einfach nur faszinierend. Es ist ein durchaus realistisches Szenario und absolut beängstigend wenn man mal bedenkt was für Auswirkungen das heutzutage hätte.

10) Wool von Hugh Howey(Silo-Trilogie)

Ein Leben außerhalb der Silos ist nicht mehr möglich. Jeder der von einem Leben außerhalb träumt oder dessen Zeit gekommen ist muss das Silo verlassen um das einzige Außenfenster zu putzen. Bisher kam noch nie jemand zurück. Ist es wirklich nicht möglich außerhalb des Silos zu überleben?

Hier habe ich bisher nur Teil 1 gelesen, aber der hatte es wirklich in sich. Leider schrecken mich die schlechten Kritiken vom Kauf der beiden anderen Teile ab, aber ich werde sie gewiss auch noch lesen. Es gibt halt viele Längen und an hat das Gefühl als könnte man die Handlung um die Hälfte kürzen und käme aufs gleiche Ergebnis, aber mir gefällt die Idee hinter dem Ganzen und deshalb habe ich es in die Liste aufgenommen.




Was sind eure Favoriten? Ich bin immer auf der Suche nach neuen Bücher in dem Genre. Mein Ziel für 2020? Definitiv mehr Dystopien zu lesen. Dieses Jahr habe ich das Genre ziemlich vernachlässigt, was ich wirklich schade finde.

Lg Peanut


Sonntag, 25. August 2019

#232 Bücherregal - Hostile Witness(Kurzrezension)


Titel(Englisch)Hostile Witness
AutorRebecca Forster
VerlagSilent C Press
GenreThriller/Justizthriller
Seiten420 Seiten
Meine Bewertung
 2,5/5

 Inhalt

Die 16-jährige wird beschuldigt ihren Stiefopa, den obersten Richter von Kalifornien, ermordet zu haben. Trotz ihres Alters wird sie nach dem Erwachsenenstrafrecht angeklagt. Ihre Mutter ist überzeugt von der Unschuld ihrer Tochter und wendet sich an eine ehemaligen Bekannte namens Josie Sheraton. Doch diese ist schon längst keine Strafverteidiger mehr, aber trotzdem beschließt sie nach kurzer Zeit den Fall zu übernehmen. Je tiefer die Anwältin in den Fall vordringt, desto mehr beschleichen sie Zweifel. Soll sie wirklich das Mädchen verteidigen und dann bei ihre eigene Karriere und ihren Job aufs Spiel setzen?

Review

Oft hat man das Gefühl als wüsste man was genau passiert ist in dieser Nacht, nur am Ende festzustellen wie falsch man lag. Durch diese Wendungen wird die Spannung konstant oben erhalten und man will einfach nur wissen wie das alles ausgeht.
Vor allem das Ende hat mich überrascht, auch wenn ich ein anderes vorgezogen hätte. So gab es am Ende einen ziemlich Wow-Effekt.

Es gibt einige Protagonisten, die mit liebevollen Details und interessanten Charakterzügen ausgestattet sind.

Vor allem die Hauptprotagonisten Josie hat es in sich, denn eigentlich ist sie gar nicht so begeistert davon diesen Fall zu übernehmen. Sie hatte schon einmal jemanden verteidigt und diejenige ermordete nach ihrer Freilassung ihre eigenen Kinder. Und Josie möchte nicht noch einmal so etwas verantworten, aber trotzdem übernimmt sie den Fall. Genau dieser Gewissenskonflikt wird gut dargestellt, vor allem da die Beschuldigte psychisch krank ist und Josie nicht weiß ob sie ihr trauen kann. Wobei ich mich während dem Lesen immer wieder gefragt habe warum sie ausgerechnet den Fall übernimmt, denn die Mutter der Angeklagten war lediglich Josies Mitbewohnerin während ihrer College-Zeit. Und nur deshalb diesen Fall zu übernehmen fand ich ziemlich fragwürdig, denn eigentlich hat sie ja einen Grund dafür eben nicht mehr solche Menschen zu verteidigen.

Die Idee hinter der Handlung ist durchaus interessant und da hätte man wirklich viel rausholen können. Auch die Beziehung zwischen Josie und ihrem Freund hatte viel Potential, aber so ist sie gefühlt ein einziges Klischee. Und genau das fand ich halt störend, da es oft ziemlich aufgesetzt wirkte. Auch einige anderen Nebenhandlungen hätte man einfach weglassen oder kürzen können.
Leider schwankt der Schreibstil der Autorin stark, was den Lesefluss oft ziemlich ins stocken bringt. Es scheint teilweise sogar so als hätte jemand anderes das Schreiben für sie übernommen, was ich sehr schade finde. Genau der Punkt hatte mich fast dazu geführt das Buch eben nicht fertig zu lesen. Hier hätte man die einzelnen Abschnitte aneinander angleichen müssen und dann wären einem wahrscheinlich auch die Plotholes aufgefallen. Da frage ich mich, ob das Buch überhaupt jemand Korrektur gelesen hat. Auch die Szenen im Gericht wären realistischer gewesen, wenn mehr Arbeit in die Recherche gesteckt wurden 

Fazit

Leider konnte mich das Buch nicht überzeugen, ansonsten hätte ich durchaus Gefallen an dieser Art von Reihe gehabt. Hierbei handelt es sich um einen Justizthriller, das heißt es dreht sich hauptsächlich um die Arbeit einer Anwältin.
Das Buch ist wahrscheinlich nichts für Zartbesaitete oder für jemanden, der mit psychischen Erkrankungen ein Problem hat. Es geht hier unter anderem um eine Zwangsstörung und auch um Missbrauch.
Ich hatte das eBook kostenlos erhalten und bin im Nachhinein froh darüber kein Geld dafür ausgegeben zu haben.

Freitag, 23. August 2019

#231 Bücherregal - Träume aus Silber


TitelTräume aus Silber
AutorMina Baites
VerlagTinte und Feder
GenreHistorischer Roman
Seiten301 Seiten
Meine Bewertung
3,5/5

 Inhalt

Erst 1963 findet Lilian Morrison ihren Vater in Kapstadt endlich wieder. Dieser hatte sie und ihre Schwester während dem II. Weltkrieg nach England geschickt, jedoch war es ihm nicht möglich nachzureisen oder den Kontakt aufrecht zu erhalten. Zusammen mit ihm macht sie sich auf die Suche nach ihrer angeblich verstorbenen Schwester Emma. Ihre Großmutter Lotte flüchtete damals auch nach Südafrika. Während ihr Sohn und Lilian nach Europa reisen setzt sich Lotte für die Rechte von Dede(POC) ein und begibt sich somit samt ihrer Familie in Lebensgefahr. Denn Dede setzt sich ganz klar gegen die Apartheid ein und trotzdem nimmt Lotte sie bei sich auf und stellt sie obendrein noch bei sich ein.

Review

Hier in dem Buch geht es hauptsächlich um die Zeit nach den II. Weltkrieg, aber trotzdem wird noch einmal explizit darauf eingegangen warum die Familie Blumenthal fliehen musste und wie sie versuchte sich der Judenverfolgung durch das Naziregime zu entziehen. Unter anderem nahm sie neue Identitäten an und schickte ihre Kinder nach England(Kinderverschickung). Dort wurden die beiden Schwestern getrennt und laut den Akten starb eine von ihnen bei einem Bombenangriff auf London. Doch Lilli glaubt nicht daran und macht sich zusammen mit ihrem Vater auf die Suche nach ihrer Schwester.

Ein anderer Handlungsstrang dreht sich rund um die Apartheid in Südafrika. Hier hatte ich mir ein wenig mehr Informationen erhofft. Wobei man der Autorin definitiv auch zu Gute halten muss, dass der Handlungsstrang an sich zum Buch passt und zeigt wie viele Parallelen es zu Nazi-Deutschland gab. Man erfährt unter anderem wie konsequent die Rassentrennung durchgezogen wurde und es spezielle Ärzte und Krankenhäuser für POC gab. Für Lotte ist es unvorstellbar und sie setzt sich für Dede(POC) ein, obwohl es sie selbst in Gefahr bringt. Es ist wirklich ein beklemmendes Gefühl etwas darüber zu lesen wie mit den Menschen umgegangen wurde zu der Zeit. Und ich finde es gut, dass die Autorin das aufgegriffen hat immerhin spielen Teile des Romans in Südafrika.

Was mich gestört hat war der Epilog bzw. das Ende. Es gibt einen Zeitsprung in die 90er Jahre und es wird ganz kurz erzählt wie das Leben der Kinder weiterging. Für mich wirkte das alles sehr lieblos und hätte ruhig weggelassen werden können.

Ein weiterer Handlungsstrang dreht sich rund um die junge Frau Ceara. Auch den hätte man weglassen können, denn  genau diese Kapitel waren oft eher langatmig und waren wenig spannend. Zudem tauchen deshalb noch mehr Namen auf, die einen leider zusätzlich verwirren. Es hätte wahrscheinlich gereicht wenn Ceara das alles in wenigen Sätzen erklärt hätte und nicht ganze Kapitel aus ihrer Sicht einem ihren Standpunkt nahe gelegt hätten. Hier hätte man sich besser wirklich nur Lilli und Lotte konzentriert, auch wenn Ceara an sich eine wichtige Rolle spielt. Diese ständigen Ortswechsel die dadurch zustande kamen waren doch recht verwirrend und auch störend.
Zudem wirkt es beim Lesen wie eine doch recht aktuelle Geschichte, denn der Schreibstil legt genau das Nahe.

Fazit

Ich habe jetzt nur den 2. Teil gelesen und bin mir noch unschlüssig darüber, ob ich den 1. Teil lesen soll. Mir fehlt bei dem Buch einfach das gewisse etwas und die emotionale Bindung zu den Charakteren. Zudem war der Schreibstil eher nüchtern und es las sich stellenweise wie eine Biographie. In der Beschreibung stand, dass man beide Bücher unabhängig voneinander lesen soll und dem stimme ich auch zu. Man findet sich auch ohne Vorwissen in der Handlung zurecht.

Mir war das alles zu vorhersehbar und hatte zu wenige Wendungen. Für zwischendurch eignet es sich aber definitiv, denn man hat es mit seinen 300 Seiten schnell durch gelesen und der Schreibstil ist auch recht einfach gehalten.

Mittwoch, 21. August 2019

#002 Buch und Film - Simon vs. the Homo Sapiens Agenda



Hallo,

am Anfang des Monats hatte ich "Simon vs. the Homo Sapiens Agenda" bzw. "Nur drei Worte" von Becky Albertalli gelesen. Das Buch war schon Jahre auf meiner Wunschliste und endlich habe ich es geschafft es zu lesen. Oft versauern Bücher auf meiner Wunschliste, da ich nicht enttäuscht werden möchte und dementsprechend hatte ich mir auch Zeit gelassen mit dem Lesen.

Handlung


Eigentlich wollte Simon nur seine Emails auf dem Computer in der Schulbibliothek nachgucken und vergisst danach sich auszuloggen. Ausgerechnet Martin nutzt danach den Computer und erpresst ihn dann mit dem Wissen aus diesen Emails. Denn was alle nicht wissen ist, dass Simon schwul ist und dieser hat es eigentlich auch nicht vor sich in naher Zukunft zu outen. Um dieses zu verhindern und die Identität von Blue, dem er immer wieder Emails schickt, zu schützen beschließt er Martins Forderungen nachzukommen. Denn er liebt Blue und möchte diesen unter keinen Umständen verlieren und deshalb soll auch keiner von diesen Emails erfahren. Schließlich ist auch Blue nicht geoutet und Simon weiß gar nicht wer Blue ist, dabei gehen beide auf die gleiche Schule.



Simon vs. the Homo Sapiens Agenda von Becky Albertalli, 336 Seiten, Balzer+Bray

Einerseits gibt es Kapitel in denen Simon aus seinem Leben erzählt und andererseits diese in denen man nur die Mails zwischen Jacque und Blue lesen kann. Der Schreibstil wirkt sehr authentisch, auch wenn die beiden dadurch doch eher wie junge Erwachsene klingen, was aber bei manchen 16-jährigen durchaus der Fall sein kann. Aber alles in allem ist in Jugendsprache gehalten und so finden auch viele Sachen wie Tumblr und alles Einzug in den Roman.

Man steigt direkt in die Handlung ein, denn es gibt absolut kein Vorgeplänkel und es beginnt mit der Szene in der Martin Simon erpresst. Dadurch ist das Tempo der Handlung von vorneherein ziemlich rasant.

Mir sind die einzelnen Protagonisten richtig ans Herz gewachsen und ich habe das Buch nahezu in einem durch gelesen, so sehr hatte mich die Handlung gefesselt. Sie wirken alle sehr authentisch und lebendig und nahbar. Martin wirkt von Anfang an einfach nur unsympathisch und viel zu schmierig. Er wirkt halt einfach wie ein Junge, der alles dafür macht um bestimmten Menschen zu gefallen und dabei genau das Gegenteil erreicht ohne es zu merken.

 Ich wollte einfach wissen wie das alles ausgeht und ob Simon seine Freunde und Familie wirklich tolerant sind, wenn es zu einem Coming-Out kommen sollte. Die Freunde von ihm sind doch sehr unterschiedlich und man weiß nicht so recht, wie sie zu dem Thema stehen. Leah mag zwar Yaoi(Manga-Genre mit explizit erotischen Darstellung von Schwulen und Slash-Fanfiction(Fanfictions unter anderem über Homosexualität), aber trotzdem weiß man ja nicht wie sie auf einmal reagiert wenn sich Simon als schwul outet. Auch die anderen sind sehr gut beschrieben, so dass man sich ein gutes Bild von ihnen machen kann.

Es gibt relativ viel Nebenhandlung und so erfährt man auch wie es Simon während der Musicalproben geht oder wie seine Familie so drauf ist. Das hilft einem dabei ihn und seine Sorgen besser nachvollziehen zu können. Allgemein ist die Handlung eher ruhig, was ich total angenehm fand. Genau das hatte auch prima gepasst, denn es muss ja nicht pausenlos etwas dramatisches passieren.

Eine wirklich wichtige Botschaft vom Buch ist, dass die Charaktereigenschaften zählen und nicht das Aussehen. Denn Simon verliebt sich in Blue seinen Charakter und das obwohl er gar nicht weiß wie dieser aussieht. Auch eine andere Botschaft wird glaubhaft vermittelt und zwar, dass jeder ein Coming-Out haben sollte. Warum ist hetero sein normal und warum müssen sich alle anderen outen? Es ist wirklich schade, dass auch in 2019 das alles ein so großes Thema ist in Amerika. Und viele nicht zu ihrer Sexualität stehen können aus Angst vor möglichen Konsequenzen.

Was ich wirklich faszinierend fand wie wenig das LGBTQIA-Aspekt im Vordergrund stand. Es ist einfach eine Liebesgeschichte zwischen Blue und Jacques und Erwachsenwerden, während das Coming-Out nur am Rande stattfindet. Es wirkt einfach alles so natürlich und nicht erzwungen geschweige denn kitschig/romantisiert, was ja bei manch anderem LGBTQIA-Roman der Fall ist. Zudem kommt es mit wenigen dramatischen Ereignissen aus, was finde ich auch ein Pluspunkt ist. So wirklich realistisch ist das natürlich nicht, aber man darf ja noch träumen dürfen. Zumal es einem als Leser auch klar sein sollte, dass es nach wie vor viele homophobe Menschen gibt weshalb viele auch ihre Sexualität vollkommen verstecken.




Twentieth Century Fox Home Entertainment, Spieldauer: 106 Minuten, unter anderem mit Nick Robinson, Katherine Langford, Keiynan Londsdale, Alexandra Schipp, Jorge Lendeburg Jr.

Vor allem ist mir die fantastische Musikwahl aufgefallen. Die hat einfach prima zu den einzelnen Charakteren und der Umgebung gepasst. Auch sonst wurde viel Wert auf die Gestaltung der einzelnen Szenen gelegt und das macht den Film einfach so besonders schön.
Aber auch die einzelnen Schauspieler passen super zu ihren Rollen.

Wenn man den Film mit dem Buch vergleicht, dann fallen einem direkt sehr viele Unterschiede auf. Viele Szenen sind im Buch komplett anders und oft habe ich mich gefragt, warum das alles überhaupt als "Buchverfilmung" bezeichnet wird.

Alles in allem hat mir der Film wirklich gut gefallen und deshalb sehe ich einfach einmal großzügig darüber hinweg, dass die Unterschiede zwischen Buch und Film gravierend sind. Ich finde die Schauspieler sind einfach klasse ausgewählt und man hat jeder Zeit das Gefühl es handle sich um amerikanische Teenager aus einer Kleinstadt. Es ist einfach ein wunderschöner Film, den ich mir gewiss noch einmal angucken werde um all die versteckten Details entdecken zu können.
Es ist halt wie das Buch alles mehr oder weniger durch die rosarote Brille, aber das macht den Film ja nicht zwangsläufig schlecht zumal er in meinen Augen nicht kitschig ist. Es ist halt ein klassischer "feel good" Film.
Zur deutschen Synchronisation kann ich nichts sagen, da ich den Film in Originalfassung geguckt habe.

Hat einer von euch schon das Buch gelesen oder den Film gesehen? Was ist eure Meinung dazu? 
Gerne verlinke ich hier eure Rezensionen. 

Auf der Seite von Monerl findet eine so genannte Linkparty statt, bei der jeder die Rezension zu seinem persönlichen Monatshighlight eintragen kann. Hier geht es zur Linkparty: https://monerl.de/aktion-monatshighlight-linkparty-august/

LG

Sonntag, 18. August 2019

#230 Bücherregal - Hafenmord(Kurzrezension)


TitelHafenmord
AutorKatharina Peters
VerlagAufbau Taschenbuch
GenreKrimi/Lokalkrimi/Ostseekrimi
Seiten316 Seiten
Meine Bewertung
3/5

 Inhalt

Die Leiche des seit Tagen vermissten Kai Richardt wird im Keller einer ehemaligen Fischfabrik in Sassnitz gefunden. Das ist der erste Fall von Romy Beccare in ihrer neuen Dienststelle auf Rügen und eigentlich hatte sie mit einem ruhigeren Start gerechnet. Während das Gelände routinemäßig durchsucht wird, stößt das Team auf das Skelett einer Frauenleiche in einem der vielen Kühlgeräte. Und schnell stellt sich heraus, dass diese Frau auf brisante Informationen bezüglich Kai Richardt stieß und diesen auch zur Rede stellte. Doch wie hängen diese Fälle zusammen? Warum wurde Kai so viele Jahre nach der Frau ermordet und was deckte diese auf?

Review

Durch die vielen ausführlichen Beschreibungen kann man sich alles gut vorstellen. Immer wieder merkt man wie die Ermittlerin an ihre Grenzen stößt, denn die Bewohner der Insel sind alles andere als gesprächig. Auch auf die ehemaligen DDR und die Wiedervereinigung wird hier Bezug genommen und wie sich dadurch das Leben der Menschen auf Rügen verändert hatte.

Die Ermittlerin Beccare hat eine wirklich interessante Lebensgeschichte und im ersten Teil der Reihe erfährt man gerade so viel, dass man sich ein ungefähres und gutes Bild von ihr machen kann. Zudem ist sie eine sympathische Ermittlerin.

Im Fokus steht jeder Zeit die Ermittlung, was auch zu einem so kurzweiligen Krimi sehr gut passt, denn alles andere hätte nur gestört. Leider gibt es deswegen auch stellenweise ziemlich viele Verhöre am Stück, was aber ja auch zur Aufklärungsarbeit gehört.
Die Handlung nimmt erst ab der Hälfte an Fahrt auf und ab dann passieren die Dinge quasi Schlag auf Schlag.
Das Ende war jetzt nicht wirklich überraschend, aber da es sich aus dem Handlungsverlauf ergibt passt es definitiv zum Buch. Ich finde es immer schlimm, wenn dann irgendein absolut unlogisches Ende gewählt wird nur um einen wirklich überraschenden Höhepunkt zu kreieren.

Leider sind die meisten Charaktere viel zu stereotypisch und so handeln sie dann meist auch. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht und unvorhersehbare Handlungsweisen gewünscht. So nimmt es dem Ganzen doch ganz schön die Spannung.
Auch sonst gibt es ziemlich wenig Hintergrund- bzw. Nebenhandlung und mir fehlt irgendwie das gewisse Etwas bei dem Großteil der Hauptprotagonisten. Sie sind dann doch sehr blass und erscheinen austauschbar.


Fazit

Hierbei handelt es sich um den 1. Band einer Buchreihe rund um die Ermittlerin Romy Beccare. An sich ist es ein typischer Ostseekrimi, denn die Handlung bleibt durchgehend ruhig und auch die Ostsee an sich spielt eine Rolle. Er trumpft auf jeden Fall mit einer durchweg spannend beschriebenen Handlung auf und kommt dabei ohne bildhaft beschriebene Morde aus.
Ich bin auf jeden Fall gespannt darauf, ob sich der Fokus in den nachfolgenden Bänden nicht doch auf die Hauptprotagonisten verschiebt. Es ist auf jeden Fall mal tatsächlich etwas anderes einen Krimi mit so wenig Nebenhandlung zu lesen und da sticht er wirklich positiv heraus.
Ansonsten ist es auf jeden Fall ein eher leichter Krimi und er eignet sich auch prima für zwischendurch oder für den Urlaub.

Freitag, 16. August 2019

#229 Bücherregal - Am Ende dieses Jahres


TitelAm Ende dieses Jahres
AutorAnja May
Verlagtredition/Biografien&Erinnerungen
Genrehistorischer Roman
Seiten364 Seiten
Meine Bewertung
4/5

 Inhalt

Anton ist 15 Jahre alt, Uhrmacherlehrling und lebt 1945 mit seiner Familie in Schlesien. Dadurch dass die rote Armee langsam zu Schlesien vorrückt wird er wie viele andere in seinem Alter als Wehrmachtshelfer eingezogen um Schützengräben auszuheben. Er wird zusätzlich auch in kürzester Zeit an der Waffe ausgebildet und soll kurz darauf an der Front eingesetzt werden. Dabei war bekannt wie aussichtslos  die Lage dort war und die Soldaten nur zum Sterben hingeschickt wurden. Aus dem Grund beschließt Anton zusammen mit seinem besten Freund Gerhard zu fliehen, denn beide möchten leben.

Review

Die Handlung wird ausschließlich aus der Sicht von Anton erzählt.
Der Schreibstil ist ungewohnt nüchtern und dennoch detailliert, aber trotzdem löst er in einem allerhand Emotionen aus. Einige Szenen sind sehr mitreißend und man möchte einfach, dass sie enden und das am Besten mit einem guten Ende. Auch wenn das noch so abwegig ist zu der Zeit hofft man auf das gute im Menschen.

Es wurde möglichst neutral und wertefrei geschrieben um einem den Wahnsinn dieser Zeit nahezu bringen. Genau das bewundere ich, denn es geht um die Geschichte von ihrem Großvater und wie er als Wehrmachtshelfer und später mit 16 in den Krieg ziehen musste. Und da fällt es ja doch recht schwer das alles so neutral zu erzählen. Wobei das Geschehene für sich spricht und die Taten so grausam sind, dass man sie nicht auch noch mit solchen Adjektiven umschreiben muss.

Auch der Gewissenskonflikt von Anton wird gut dargestellt. Er glaubte nicht an den Endsieg, aber genau diese Meinung durfte er nicht vertreten. Am liebsten würde er bei seiner Familie bleiben um diese vor den Russen zu beschützen. Er wird jedoch als Wehrmachtshelfer eingezogen und muss diese Aufgabe seinen jüngeren Brüdern überlassen. Immer mehr fliehen vor den Russen und als auch seine Familie flieht, hofft er einfach nur noch darauf sie eines Tages lebend in Leipzig anzutreffen.
Der Fokus der Handlung liegt nicht allein auf dem II. Weltkrieg und so bekommt man nicht nur von den Bombenabwürfen oder Panzerangriffen erzählt, sondern auch von Geschichten über Freundschaften und wie so ein Erlebnis Anton und die anderen verändert. Und wie es ist in so einer aussichtslosen Zeit nicht aufzugeben und immer wieder für seine eigenen Werte einzustehen, auch wenn von einem anderes verlangt wird.

Vor allem die Hauptprotagonisten sind mit vielen Details ausgestattet und man lernt sie relativ gut kennen.
Durch die vielen Beschreibungen kann man sich die Umgebung gut vorstellen.


Fazit

Gegen Ende des Krieges wurden auch Kinder bzw. 16 jährige Jungs an die Front geschickt. Oft waren es aussichtlose Schlachten und auch das war sehr vielen bewusst. Wer Fahnenflucht begann wurde gnadenlos erschossen.
Wirklich erschreckend war zudem Antons Begegnung mit den KZ-Häftlingen. Davon hat man schon viel gehört, gesehen und auch gelesen und trotzdem erschreckt es einen immer wieder. Und man muss immer bedenken, dass Anton zu dem Zeitpunkt 15 war, als er mit dieser Grausamkeit konfrontiert wurde.

Hierbei handelt es sich um einen Jugendroman, weshalb viele Szenen alles andere als bildhaft beschrieben sind. Aber ich denke der Roman ist nicht nur etwas für Jugendliche, sondern auch für die Erwachsenen. Es erzählt das alles aus der Sicht eines Jugendlichen und zeigt, dass man das alles nicht vergessen darf. Auch damals gab es kritische Stimme, welche oft mit Gewalt zum Schweigen gebracht wurden.

Beim Lesen hatte ich ganz vergessen, dass es sich hierbei um einen Debütroman handelt.

Mittwoch, 14. August 2019

Lieblingsärgernis




Guten Morgen,

Heute geht es rund um Lieblingsärgernisse(pet peeves) beim Lesen und zwar abgesehen von den üblichen Verdächtigen. Mich ärgert es auch, wenn mich Leute ständig beim Lesen stören und was das Thema Leserillen/Eselsohren/Unterstreichen/Markieren betrifft braucht man mich auch nicht ansprechen. Ansonsten muss man sich auf einen langen Monolog gefasst machen, denn ich finde es gibt nichts schlimmeres als vollgekritzelte Bücher, die obendrein noch Fettflecken haben und sonstige ominöse Flecken. Besonders schlimm finde ich es, wenn man auf diese Bücher in Bibliotheken oder öffentlichen Bücherschränken trifft.

1. Viel zu lange Kapitel

Manche Bücher haben zu kurze Kapitel und andere viel zu lange. Und ich finde es gibt nichts schlimmeres als Kapitel, die gefühlt nie enden wollen. Manche Autoren schaffen es tatsächlich diese auf über 20 Seiten auszudehnen und das obwohl man an mehren Stellen schon längst ein neues Kapitel hätte starten können. Besonders ärgerlich ist es, wenn man das Buch vorm Einschlafen liest und noch ein Kapitel schaffen will, aber die 20 Seiten dann doch zu viel sind.

2. Ständiger Perspektivwechsel

Wenn die Handlung von maximal 3 Charakteren erzählt wird finde ich das vollkommen okay bei einem Schmöker. Jedoch habe ich es auch schon oft erlebt, dass gefühlt jeder Charakter mal ein Kapitel aus seiner Sicht erzählen darf und das war einfach nur total unnötig. Wenn das in Form von Mails oder Textnachrichten passiert ist es ganz okay, aber alles sorgt nur für Verwirrung. So bleiben die einzelnen Charaktere einfach nur unglaublich blass und es bringt ja auch nicht die Handlung weiter. Zumal wird man so ständig aus dem Lesefluss gerissen und muss sich an eine neue Denkweise gewöhnen, was mich auch sehr schnell stört.

3. Viel zu viele Details 

Was mich auch stört sind viel zu lange Beschreibungen und da ist es egal, ob es sich nur um das Aussehen, die Umgebung oder das Essen handelt. Vor allem ärgert es mich wenn genau das alle paar Seiten passiert und die Handlung deshalb zu kurz kommt.

4. Instant-Romantik

Am schlimmsten finde ich wenn die Charaktere sich plötzlich verlieben, obwohl nichts darauf hindeutet. Vor allem wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick ist finde ich das total verwirrend.
Was das betrifft finde ich es auch immer schlimm, wenn ein sehr Machtbesessener Charakter mit jemanden zusammen ist und dieser Kontrollwahn als Liebe dargestellt wird. Schlimmstenfalls wird das alles romantisiert und ich finde genau das sollte man als Autor nicht machen. Das ist keine Liebe, das ist ein krankhaftes Verhalten und genau das sollte man auch so darstellen. Leider ist das ein sehe beliebtige Handlung bei den New-Adult-Büchern und es macht mich einfach rasend, dass genau so etwas beliebt ist und es deshalb Menschen auch noch als erstrebenswert ansehen.

5. Zu viel Drama

Kennt ihr diese Bücher in denen eine dramatische Sache nach der anderen passiert? In denen so viel schlechtes passiert, dass der Hauptprotagonist gar nicht mehr auf die Beine kommt(außer am Ende)? Schließlich reicht nicht ein Schicksalsschlag, man muss alles was irgendwie dramatisch klingt nutzen um zu zeigen warum es demjenigen schlecht geht. Und alles liest sich wie eine schlechte Telenovela. So etwas ist für mich erst recht ein Grund entweder das Buch nicht zu Ende zu lesen oder kein weiteres von dem Autor zu kaufen.

6. Psychopath³/Soziopath³

Ich lese ja gerne Psychothriller und auch Bücher aus dem Genre Horror. Da begegnen einem gerne mal ganz abgedrehte Charaktere, die wirklich alle Menschlichkeit verloren haben. Und oft reicht es nicht sie als einfach psychisch krank darzustellen, sie müssen selbst Kapitel erzählen um einen davon zu überzeigen. Diese Kapitel sind dann sehr graphisch und explizit und man erfährt im Detail wie zum Beispiel einer ermordet wurde. Am schlimmsten wird es, wenn es sich so liest wie ein schlechter Fetischroman und dann irgendwer auf der nächsten Seite auch noch Geschlechtsverkehr hat. Ich wünsche mir immer noch, dass so etwas mal im Klappentext auftaucht, schließlich gibt es auch sehr viele Bücher in den Genres in denen nicht seitenweise beschrieben wird wie derjenige ermordet wurde.

7. Unlogische Wendungen/Ende

Ich hasse es einfach wenn Autoren bestimmte Wendungen einbauen nur um einen zu schocken. Und diese passen sich dann Null in den Handlungsverlauf ein und wirken dadurch total deplaziert. Dadurch entstehen dann oft Handlungslücken und man fragt sich ob Seiten fehlen. Und genauso ist es auch mit dem Ende: Es ist total überraschende und es ergibt einfach keinen Sinn.

8. Superkräfte der Hauptprotagonisten

Egal was auf denjenigen zukommt: Er schafft es. Mit schweren Verletzungen quer durch die Stadt rennen? Kein Problem. Und natürlich muss derjenige dabei noch jemanden retten. Ich kann es einfach nicht leiden wenn Menschen Superkräfte angedichtet werden. Es ist doch wohl logisch, dass man mit gewissen Verletzungen eben nicht mehr die halbe Welt retten kann. Vielleicht bin ich was das betrifft zu engstirnig, aber ich hasse es wenn man da zu sehr von der Realität abweicht.

9. Schrift

Wenn das Papier zu dünn ist kann ich ja noch großzügig darüber hinwegsehen, aber muss man die Schriftgröße und den Zeilenabstand extra so klein machen nur um Papier zu sparen? Deshalb lese ich mittlerweile auch gerne eBooks, denn bei manchen Büchern braucht man ja schon fast eine Lupe um was erkennen zu können. Es ist einfach nur anstrengend mehrere Seiten in solchen Büchern zu lesen und ich hasse es, wenn man online ein Buch bestellt und dann so etwas geliefert wird. Wenn ich etwas in der Schriftgröße lesen will dann nehme ich mir ein Telefonbuch oder eine Bibel!
Was mich auch stört ist teilweise die Schriftart. Man könnte auch einfach die Schrift kursiv machen um zu implizieren, dass es sich um etwas handgeschriebenes handelt. Leider nutzen manche schwer lesbare Schriftarten um genau das darzustellen und das nervt dann nach einer Zeit ziemlich. Bei eBooks kann man wenigstens das Ganze noch vergrößern, aber bei Büchern braucht man schon eine Lupe dafür.

10. Preis

Damit will ich nicht die Arbeit eines Autors schlecht reden, schließlich sitzt man an einem Buch schon sehr lange und der Verdienst ist eher mau(außer man landet eine Bestseller). Jedoch finde ich es schon anmaßend wenn ein Buch aus dem Bereich Fiktion 20 € kostet und mal gerade um die 250 Seiten hat. Leider ist das ja oft mittlerweile die Norm und manche gebundenen Bücher kosten ja mittlerweile um die 25 € oder mehr und haben teils echt wenige Seiten. Wenn es ein Schmöker ist finde ich das ja noch okay, aber ansonsten ist es für mich ein klares Argument gegen den Kauf des Buches. Und selbst auf dem eBook-Markt finden sich immer mehr Bücher mit wenigen Seiten und um die 20 €. Natürlich möchte der Autor daran was verdienen und ich finde die Alles-Muss-Extrem-Billig-Sein-Mentalität auch total daneben, aber 20 € sind eine Menge Geld für ein eBook.

Und was für pet peeves habt ihr?

LG

Sonntag, 11. August 2019

#228 Bücherregal - Der Sommer, in dem es zu schneien begann(Kurzrezension)



TitelDer Sommer, in dem es zu schneien begann
AutorLucy Clarke
VerlagPiper Verlag
GenreRoman
Seiten400 Seiten
Meine Bewertung
3/5

 Inhalt

Jackson verunglückt erst wenige Monat nach der Hochzeit beim Angeln tödlich. Eva ist am Boden zerstört und beschließt kurzerhand Jacksons Familie in Tasmanien endlich einmal kennen zu lernen. Doch diese sind absolut nicht über ihren Besuch erfreut und nach und nach erfährt sie die Wahrheit über ihren Ehemann.

Review

Die Handlung ist spannend durch die vielen teils überraschenden Wendungen. Die Kapitel sind eher kurz. Der Hauptteil wird von Eva selbst erzählt und jedes Kapitel enthält einen kurzen Abschnitt aus der Sicht von Jackson in Form von Briefen(?). Die Zeitform ist Präsens, was mich doch sehr irritiert hat.
Über Jackson erfährt man nach und nach alles. Warum hat er gelogen und wer war er wirklich?
Man kann sich alles wegen dem detaillierten und flüssigen Schreibstil gut vorstellen und stellenweise habe ich richtig mitgefiebert.

Leider wird das Ende zu oft angedeutet und dadurch ging auch ein Teil der Spannung verloren.
Warum nimmt Eva es so wenig mit? Müsste sie nicht komplett den Halt verlieren und noch wütender sein? Das Ende fand ich alles andere als glaubwürdig, weshalb ich dem Buch auch keine 4 Sterne geben kann. Mit dem passenden Ende hätte man die Handlung an sich besser nachvollziehen können und so hinterlässt sie leider einen sehr faden Beigeschmack.
Mir war einiges ab einem gewissen Punkt einfach zu viel: Es wurde zu viel verschwiegen und zu viel gelogen(einiges war einfach zu klischeehaft). Oft habe ich einfach nur noch gedacht, kann man dem Ganzen noch mehr die Krone aufsetzen bis es auch der letzte Leser verstanden hat?


Fazit

Was mir vor allem gefallen hat ist, dass der Roman alles andere als kitschig ist. Die Charakterentwicklung ist durchaus nachvollziehbar und nimmt seine Zeit in Anspruch. Ich hätte es vollkommen absurd gefunden, wenn Eva sich urplötzlich in den nächstbesten Mann verliebt hätte.
Um ehrlich zu sein hat mich das wunderschöne Cover(Aufbau, Motiv) zum Kauf bewegt. Die Wellen ziehen sich über die Buchseiten und das sieht man ja eher selten bei Büchern. Die Hauptthemen sind Verrat, Lügen, Geheimnisse und natürlich die Liebe. Das Buch eignet sich prima für zwischendurch. Für mich war es einfach zu banal und stereotypisch.

Freitag, 9. August 2019

#227 Bücherregal - Das Angstexperiment



Titel(Deutsch)Das Angstexperiment
Titel(Englisch)Haunted House
AutorJ.A. Konrath
VerlagEdition M
GenreHorror
Seiten322 Seiten
Meine Bewertung
1,5/5

 Inhalt

Welche Entscheidung würdest du treffen, wenn dir jemand eine Millionen Dollar anbietet? Einigen Personen wird dieses Geld angeboten, da sie sich aufgrund ihrer Traumata für dieses Experiment qualifizieren. Die einzige Bedingung ist, dass sie es eine Nacht in einem speziellen Haus aushalten müssen. In diesem Butler-Haus wurden schon einige Mensch auf grausame Weise ermordet und seit dem soll es dort spuken. Werden sie dieses Experiment meistern können?

Review

Es gibt einen rasanten Handlungsverlauf und dieser wird mit einem einfachen Schreibstil beschrieben.

Leider fehlen Details, weshalb man sich vieles nur sehr schwer vorstellen bzw. überhaut nachvollziehen kann.
Die Handlung ist stellenweise vorhersehbar und auch für einen Splatter zu schlecht bzw. platt. Mich hat jetzt vor allem die Handlung an sich geschockt, da sie einfach alles andere als logisch bzw. realistisch aufgebaut ist. Deshalb kommt auch kaum bzw. gar keine Spannung auf.
Zudem gibt es einfach viel zu viele Charaktere und dadurch verliert man den Überblick. Man kann einfach kein System erkennen und anstatt mich zu fürchten war ich meistens einfach nur verwirrt.
Die Dialoge sind zu konstruiert und ergeben einfach keinen Sinn.
Wieso wurde ausgerechnet dieses Ende gewählt? Es ist einfach nur total unglaubwürdig.

Hier wäre Vorwissen definitiv von Vorteil, ansonsten kann man sich die Personen kaum vorstelle oder sich einen Reim darauf machen, warum sie ständig in Angst leben.



Fazit

Um ehrlich zu sein hatte ich mich nach dem Klappentext wirklich gefreut auf das Buch und war nach dem Lesen einfach nur bitter enttäuscht. Es wurde quasi was ganz anderes versprochen und eigentlich mag ich die Bücher von dem Autor durchaus! Um ehrlich zu sein hatten mich die guten Bewertungen und das Wörtchen "kostenlos" bzw. "ausleihen" dazu verleitet dieses Buch in die Hand zu nehmen. Leider ändert das aber nichts an meiner Enttäuschung und vor allem fand ich zum Beispiel die Bücher "Das Hotel" oder  "Auf der Liste" ganz gut.
Es handelt sich hierbei definitiv mehr um ein simples abschlachten als um richtigen Horror. Die Jumpscares blieben aus und gegruselt hat mich nichts. Während dem Lesen hatte ich mich mehrfach überlegt es einfach abzubrechen und mich anderen Büchern zu widmen. Im Grunde handelt es sich hierbei nur um Werbung für seine restlichen Bücher. Die ausgewählten Charaktere passen einfach einmal gar nicht zusammen und die Handlung war zu konstruiert und es fehlte der natürliche/nachvollziehbare Verlauf. Es gab einfach zu viele absurde Zufälle!

Mittwoch, 7. August 2019

#001 Buch und Film - The hate u give



Hallo,

Wie schon im Beitrag "Lesemonat Juli" angekündigt gibt es ab sofort eine neue Kategorie auf meinem Blog. Normalerweise schaue ich sehr selten Buchverfilmungen, da ich generell selten Filme schauen und ich einfach schon zu oft enttäuscht wurde. Jedoch möchte ich mich noch einmal an Buchverfilmungen wagen und deshalb habe ich mir vorgenommen jetzt öfters diese nach dem Lesen zu schauen. Da ich im Zuge der "TheReadingRush 2019" Aktion "The hate u give" von Angie Thomas gelesen habe, starte ich auch direkt mit dem Buch und dem dazugehörigen Film.

Handlung


Starr ist 16 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in Garden Heights. Dort leben viele einkommensschwache Familien afroamerikanischer Herkunft. Ihre Mutter schickt sie und ihre Geschwister auf eine Privatschule mit fast ausschließlich weißen privilegierten Schülern, damit sie so wenig wie möglich mit den Aktivitäten der verschiedenen Gangs in Berührung kommt. Als sie unerlaubterweise eine Pary besucht fallen dort Schüsse und sie flieht mit ihrem besten Freund Khalil. Kurz darauf hält die Polizei die beiden an und der Polizist erschießt kurzerhand Khalil, obwohl dieser vollkommen unbewaffnet war. Starr hat Angst davor die Wahrheit zu sagen, denn der Polizist ist weiß und oft verlaufen in Amerika die Ermittlungen wegen weißer Polizeigewalt gegen die POC im Sand. Sie möchte zudem nicht die Anführer der Gang gegen sich aufbringen, denn scheinbar hatte Khalil für diese gedealt und immer wieder bedrohen diese ihre Familie. Der Fall gerät in den Fokus der Öffentlichkeit und Starr fühlt sich in die Ecke gedrängt. Soll sie sich wirklich für ihren besten Freund einsetzen, obwohl das ihr Leben und das ihrer Familie gefährden würde? Vor allem da solche Ermittlungen meist zu nichts führen?



The hate u give von Angie Thomas, 512 Seiten, cbj Verlag

Man erfährt wirklich viel über die Ghettos in Amerika und wie es ist dort aufzuwachsen und diese Perspektivlosigkeit kennen zu lernen. Und dass manche quasi keine andere Wahl haben als selbst Dealer zu werden, ganz egal wie sie zu dem Thema Drogen stehen. Aber auch das Thema Bandenkrieg wird thematisiert. Und genau diese Themen werden sehr realitätsnah dargestellt, was eine wirklich bedrückende Grundstimmung im gesamten Roman verursacht.

Selbst jetzt noch gibt es viele Schulen in Nordamerika an denen man die Folgen der Segregation deutlich erkennen kann. Obwohl diese schon so viele Jahre her ist hat sich diesbezüglich in einigen Bereichen wenig verändert. So lernt man durch Starr wie es ist eine der wenigen POC an der Schule zu sein und dass sie immer wieder auf ihre Worte und ihr Verhalten achten muss um nicht direkt abgestempelt und in eine Schublade gesteckt zu werden.

Vor allem die Hauptprotagonisten sind sehr vielschichtig und voller Ecken und Kanten. Man kann sie sich gut vorstellen und lernt durch sie viel über die afroamerikanischen Bräuche kennen. Durch die einzelnen Protagonisten merkt man auch wie unterschiedlich die Meinungen zu dem Thema Polizeigewalt in Nordamerika sind und warum manche lieber schweigen.

Als weitere Protagonisten lernt man Hailey und Chris kennen. Hailey steht hier stellvertretend für all die Menschen, die ihre Augen verschließen und Menschen anhand ihrer Hautfarbe verurteilen. Chris ist Starr ihr Freund ich finde die Charakterentwicklung wirklich gut und nachvollziehbar, die er im Laufe der Handlung durchmacht. Solche Menschen sollte es wirklich öfters geben. Die beiden Protagonisten sind sehr klischeehaft, was ich jetzt nicht schlimm finde. Sie sollen halt nur ein großes Problem hervorheben und genau das haben sie auch getan.

Was ich auch positiv fand war die Entwicklung von Starr. Ihre Angst wirkt greifbar und oft fiebert man richtig mit ihr mit und hofft darauf, dass ihre Entscheidung ihr nicht das Leben kosten wird. Sie wächst einem einfach ans Herz und ich möchte es mir gar nicht vorstellen wie es ist, wenn der Kindheitsfreund scheinbar grundlos vor den eigenen Augen erschossen wird. Vor allem anfangs ist sie noch verschreckt, aber genau das wird nach und nach weniger was sehr authentisch wirkt.

Als ich das Buch kaufte hatte ich fest damit gerechnet, dass die Handlung nicht ganz so realistisch dargestellt wird und viele Sachen abgemildert werden für die Zielgruppe(Jugendbuch). Und beim Lesen war ich dann richtig geschockt, denn hier wird nichts geschönt. Hier wird vieles so dargestellt wie es nun einmal ist und genau aus dem Grund musste ich das Buch auch öfters auf Seite legen.
Man liest und hört ja wie oft von der Polizeigewalt in Amerika und dass diese oft nicht bestraft wird. Und genau dieses Thema wird hier thematisiert und was es mit den Menschen macht. Durch den Vorfall kommt es zu Demonstrationen und viele fordern Gerechtigkeit, während der Polizist von Teilen der Medien als Opfer dargestellt wird. Konkret geht es hier um die "weiße" Polizeigewalt gegen POC, die vor allem in Amerika immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Und es ist einfach nur bedrückend zu lesen, dass Eltern ihren Kindern beibringen müssen wie sie sich bei Polizeikontrollen verhalten müssen um eben nicht erschossen zu werden. Auch die Bewegung "Black Live Matters" wird hier aufgegriffen. Es ist einfach unglaublich wichtig, dass genau diese Themen mehr Gehör bekommen und ich hoffe es werden noch viel mehr Menschen dieses Buch lesen oder den dazugehörigen Film gucken. Dem Buch würde ich 5 von 5 Sternen gegeben, da es mich einfach so unglaublich bewegt hat. Es ist einfach erschreckend, dass es solche Vorfälle nach wie vor gibt und viel zu viele darüber schweigen oder sie klein reden.



Twentieth Century Fox Home Entertainment, Spieldauer: 128 Minuten, unter anderem mit Russell Hornsby, Regina Hall, Amandla Stenberg

Nach dem Film habe ich mich tatsächlich gefragt, ob ich das dazugehörige Buch auf dem dieser basiert tatsächlich kurz vorher gelesen habe. Es fehlen einfach unglaublich viele Schlüsselmomente, manches wird überhaupt nicht erklärt und einige Schlüsselmomente sind gar nicht mehr wieder zu erkennen. Man muss ja das Buch nicht 1:1 umsetzen, aber man sollte die Handlung wenigstens grob beibehalten. Vor allem den Handlungsstrang rund um Hailey hätte ich wahrscheinlich ohne das Buch gar nicht verstanden.

Auf mich wirkt es so als hätten sich die Drehbuchautoren nur inspirieren lassen. Vor allem in der letzten halben Stunde fiel mir das auf, dabei hat der Buch doch ein gutes Ende. Das Buch ist halt doch sehr umfangreich und da hätte man sich besser auf einige wenige Schlüsselmomente beschränkt anstatt das was gezeigt wird so abgehakt dazustellen.

Wenn man all das außer Acht lässt, dann ist es letztendlich ein guter und auch sehr wichtiger Film. Er richtet sich vor allem an die Jugend und für einen FSK12-Film hat er es ganz schön in sich. Die Altersfreigabe ist so gewählt, da es für viele Menschen in den USA zum Alltag gehört und genau das wird auch so dargestellt.

Und das ist das wirklich gute an dem Film: Es wird nichts geschönt. Es rutscht nicht ins melodramatische ab um einem klar zu machen wie schlimm so etwas ist. Vieles was gezeigt wird ist genauso schon zu oft geschehen, die Namen ändern sich aber mehr auch nicht. Der Film soll wachrütteln, sensibilisieren. Und er soll vor allem zeigen, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sein sollten, jedoch dieses nicht der Fall ist.

Auch der Kontrast zwischen den beiden Welten in denen sich Starr bewegt wird gut dargestellt. Es ist wirklich erschreckend wie unterschiedlich diese doch sind. Die Rollen sind zudem alle gut besetzt und es wirkt sehr authentisch.

Ich habe den Film auf Englisch gesehen, deshalb kann ich auch nichts zur deutschen Synchronisation sagen. Wenn man kein Problem mit Slang hat(zur Not gibt es ja auch noch Untertitel) würde ich auf alle Fälle zu der Fassung raten.
Alles in allem würde ich dem Film ganze 4 von 5 Punkten geben.


Hat einer von euch schon das Buch gelesen oder den Film gesehen? Was ist eure Meinung dazu? 
Gerne verlinke ich hier eure Rezensionen. 

LG

Sonntag, 4. August 2019

#226 Bücherregal - Apollo(Kurzrezension)


TitelApollo
AutorJack McDevitt
VerlagBastei Lübbe
GenreScience Fiction
Seiten480 Seiten
Meine Bewertung
3/5

 Inhalt

Alex Benedict ist Antiquitätenhändler und stößt im Nachlass von einem Archäologen auf ein NASA-Artefakt. Ihm ist unklar warum dieser Fund nie öffentlich gemacht wurde, weshalb er sich auf die Erde begibt um nach diesem Artefakt zu suchen. Jedoch versucht jemand mit aller Gewalt genau das zu verhindern. Dafür bleibt ihm jedoch nicht viel Zeit, da er sich an einer Rettungsmission von einem Raumschiff beteiligen soll. Dieses Raumschiff befindet sich seit nun mehr 16 Jahren in einer Zeitschleife und taucht nur alle 5 1/2 Jahre für kurze Zeit auf.

Review

Die Handlung ist in einem angenehm flüssig zu lesenden Schreibstil in der Ich-Form verfasst.

Mir fehlt einfach die Spannung und es erschien mehr alles sehr langatmig. Man wartet quasi nur darauf das irgendetwas passiert, jedoch passiert gefühlt nichts. Genau genommen gibt es auch nur zwei Handlungsstränge und damit werden auch einige Handlungsstränge aus vorigen Bänden beendet.  Diese beiden Handlungsstränge hätte man auch viel mehr miteinander verknüpfen müssen.
Es gibt ziemlich viele Wiederholungen und nicht viel neues. Die vielen Beschreibungen wirken trocken, monoton und lassen dadurch nicht wirklich Spannung aufkommen. Die Handlung ist teilweise vorhersehbar und das nimmt dann die Spannung.
Leider erscheinen die Gesellschaft bzw. Kultur nicht sehr anders als unsere jetzige, dabei müssten sie um ein vielfaches weiter sein trotz der Zusammenbrüche von verschieden Gesellschaften und vielem mehr.

Für mich erschienen Chase und Alex nicht enthusiastisch genug. Selbst wenn sie was gefunden hatten haben sie sich kaum darüber gefreut.

Fazit

Hierbei handelt es sich um den 7. Band einer Reihe und es wäre schon Vorteil die vorigen Bände gelesen haben zu haben. Es gibt keine hard-SF-Action, das heißt es gibt kein Hauptaugenmerk auf Technik, Wissenschaft an sich und keine detaillierten Beschreibungen von diesen. Obwohl das Buch Teil der Alex Benedict Reihe ist, tauch dieser kaum auf. Stattdessen spielt die Assistentin Chase eine sehr große Rolle.

Freitag, 2. August 2019

#225 Bücherregal - 40 Stunden



Quelle(Werbung gemäß §2 Nr.5 TMG) 

Titel40 Stunden
AutorKathrin Lange
VerlagBlanvalet
GenreThriller
Seiten416 Seiten
Meine Bewertung
4/5

Ich bedanke mich hiermit recht herzlichst bei dem Bloggerportal vom Randomhouse für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares.

Inhalt

Faris Iskander arbeitet der SERV, einer Sondereinheit für religiös motivierte Verbrechen und wurde aufgrund einer Auseinandersetzung mit einem Neonazi vom Dienst suspendiert. Jedoch wird er von jemanden angerufen, der ihm 40 Stunden Zeit lässt den Mann zu finden, der sich an einem Kreuz genagelt irgendwo in Berlin befindet. Schafft er es nicht werden überall in der Stadt Bomben detonieren. Zeitgleich findet in Berlin der gut besuchte ökumenische Kirchentag statt.


Review

Man wird quasi aufgrund des fehlenden Vorgeplänkels direkt ins eiskalte Wasser gestoßen, denn die Handlung beginnt mit dem ersten Anruf des Erpressers. Das Handlungstempo war von Anfang an somit sehr hoch und war somit passend zum Genre Thriller ohne dabei abgehakt zu wirken. Die Übergänge sind fließend und es fiel mir leicht dem Geschehen zu folgen.

Ab ungefähr der Hälfte des Buches konnte ich einfach nicht mehr mit dem Lesen aufhören so hatte es mich gefesselt. Allein wegen der kleinen Cliffhanger am Ende von den einzelnen Kapitel konnte ich das Buch kaum auf Seite legen. Als ich es dann fertig gelesen hatte war ich richtig enttäuscht darüber, dass es schon um war dabei ist es mit 416 Seiten alles andere als ein kurzweiliger Thriller. Ich würde noch gerne viel mehr Bücher über ihn lesen und mittlerweile gibt es ja 2 Folgebände, die ich auch schon gelesen und für sehr gut empfunden habe.

Der Hauptprotagonist ist Faris Iskander, ein Ermittler mit Ecken und Kanten und einer der sich nicht immer an Vorschriften hält. Ich hatte die ganze Zeit beim Lesen ein klares Bild von ihm vor Augen und er ist mir richtig ans Herz gewachsen. Er hat immer noch an einem Fall zu knabbern, der länger zurück liegt und genau das wurde gut umgesetzt. Man kann sich gut in ihn hineinversetzen und alles erscheint in sich schlüssig.

Eigentlich mag ich es ja nicht so, wenn es bei einem Thriller viel Nebenhandlung gibt. Aber hier wird diese oft genutzt um die Charaktere näher zu beschreiben und Hinweise zu streuen. So wirkten vor allem die Hauptprotagonisten greifbar. Zudem hilft einem der bildhafte Schreibstil dabei sich in der Handlung und somit auch an den Orten zurecht zu finden.

Mich hat der Handlungsstrang rund um Pia und Jenny komplett in die Irre geleitet. Ständig habe ich darauf gewartet, dass der irgendwann auf die anderen Handlungsstränge trifft und es somit zu irgendeiner Interaktion kommt. Dem ist leider nicht so und es hätte dem Buch auch nicht geschadet, wenn man ihn komplett weg gelassen hätte. Genauso verhält es sich rund um den Handlungsstrang mit der Pfarrerin, außer dieser wird in nachfolgenden Bänden noch einmal aufgegriffen.

Vor allem überrascht hat mich das Ende, denn genau die Person hatte ich als Täter überhaupt nicht auf den Schirm. Die Auflösung klingt mir zwar ein bisschen zu konstruiert und weit hergeholt, aber sie wurde gut erklärt bzw. in die Handlung eingebunden. Hier hatte ich mir einfach ein logischeres Ende gewünscht. Zudem gibt es auch einige klare Anhaltspunkte warum er definitiv nicht der Täter sein kann.


Fazit

Hier wird ein nach wie vor sehr aktuelles Thema aufgegriffen und es wird realistisch umgesetzt. Allein aus dem Grund ist er nichts für Zartbesaitete. Zudem spielt die Handlung in Berlin, was das alles noch realistischer wirken lässt immerhin fand dort 2003 es erste Mal ein ökumenischer Kirchentag statt. Die Grundstimmung war durchgehend düster und bedrohlich und man hat die ganze Zeit Angst davor, dass noch eine Bombe hochgehen könnte wegen der Unberechenbarkeit des Täters. Es geht hier um christlichen Fundamentalismus,  auch wenn man eventuell was anderes vermutet.

Aber nicht nur das wird thematisiert, sondern auch der Alltagsrassismus den Faris immer wieder erlebt wird zur Sprache gebracht. Denn nicht nur seine Vorgesetzte misstraut ihm aufgrund seiner Herkunft, sondern auch andere begegnen ihm immer wieder mit Abneigung.


Booktalk zu "Gotteslüge"(Teil 2 der Faris Iskander Reihe)
Rezension zu "Ohne Ausweg"(Teil 3 der Faris Iskander Reihe)