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Freitag, 7. Februar 2020

#277 Bücherregal - Holding up the universe




Titel(Englisch)Holding up the universe
AutorJennifer Niven
VerlagPenguin Books
GenreLiebesroman/Fantasy
Seiten432 Seiten
Meine Bewertung
3/5

 Inhalt

Über Libby Strout weiß man nur, dass sie einst der fetteste Teenager Amerikas war und die Feuerwehr sie aus ihrem Haus mit dem Kran bergen musste. Doch keiner kennt die Gründe dafür und als sie wieder dazu in der Lage ist die Highschool zu besuchen möchte sie nur eins, sie möchte die Teenagerin sein die alles schafft was sie sich vorgenommen hat. Dort trifft sie auf Jack, der perfekt darin ist nicht groß aufzufallen. Jedoch hat er ein großes Geheimnis, denn nimmt weiß von seiner Gesichtsblindheit. Und je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto weniger fühlen sie sich allein.

Review

Was mir wirklich gut gefallen hat ist, dass die Handlung von Libby und Jack abwechselnd erzählt wird. So erhält man einen relativ tiefen Einblick in die Gefühlswelt der beiden und kann auch ungefähr einschätzen wie der eine den anderen findet. Und man kann so ihre Motive erahnen und erfährt auch ziemlich viel aus ihrer Vergangenheit. Mir war das jedoch an einen Stellen was die beiden betrifft einfach zu rosarot und zu perfekt, aber das hatte ich nach "All the bright places" auch erwartet.

Ein anderer Pluspunkt ist wahrscheinlich die sich wirklich sehr langsam entwickelnde Freundschaft zwischen Libby und Jack. Alles andere wäre auch total unpassend gewesen, wenn man Libbys Vergangenheit betrachtet und ich finde es wirklich toll wie der Handlungsstrang umgesetzt wurde. Zumal er sich aus vielen kleinen Szenen ergibt und recht komplex ist, was das ganze so toll macht.

Anfangs hatte ich so meine Schwierigkeiten in die Handlung hinein zu kommen, aber als ich dann endlich drinnen war hatte ich das Buch an einem Tag fertig gelesen.

Leider merkt man selbst wenn man keine Ahnung von Gesichtsblindheit hat sehr schnell, dass hier über den Roman kein Betroffener gelesen hat. Normalerweise orientieren sich Betroffene dann an anderen Merkmalen und genau das findet hier nicht statt. Das macht das alles recht unglaubwürdig und so ergeben einige Situationen einfach absolut keinen Sinn.

Um ehrlich zu sein habe ich mir bei dem Klappentext schon gedacht, dass es gewiss irgendeine inspirierende Story zu einem übergewichtigen Mädchen und das alles mehr "Inspiration Porn" als alles andere ist. Schließlich muss das Mädchen nur das überwinden(entweder abnehmen oder stolz drauf sein) und zack hat man eine Geschichte, die einen dazu inspirieren soll an einem selbst zu arbeiten. Ein Stück weit bekommt man auch genau das, wobei Libby von Beginn der Handlung selbstbewusst ist. Irgendwie ist es ein bisschen schade, dass damit ein so großer und eigentlich wichtiger Themenkomplex in wenigen Sätzen abgehandelt wurde.

Auch sonst wimmelt es nur so von Klischees und hier hätte man sich einfach auf einige wenige beschränken sollen. So wirkt es einfach als hätte man wild ein paar Klischees/Tropes zusammen gewürfelt um möglichst eine Handlung zu finden, die wirklich viele nachempfinden können wegen eigener Erfahrungen zum Beispiel. Bisher habe ich noch kein vergleichbares Buch gefunden, welches so viele YA-typische Tropes beinhalt und das meine ich jetzt absolut nicht im positiven Sinne. Es ist einfach schade, wenn so wichtige Themen unter so vielen Klischees begraben werden um eine Handlung zu kreieren.



Fazit

Die Handlung ist alles andere als rosarot und  die Themen Fatshaming und Mobbing spielen wie zu erwarten eine große Rolle. Immer wieder tauchen lustige Szenen auf, was das alles ein wenig auflockert ohne dabei ins alberne abzudriften.

An sich ist es ein typisches Young-Adult/Jugendbuch und das merkt man beim Lesen auch. Auf die Themen wird altersgerecht eingegangen und deshalb kann man auch nicht viel Tiefe erwarten. Deshalb lasse ich das bei der Bewertung auch komplett außen vor, aber trotzdem komme ich nur auf 3 von 5 Sternen. Erst beim Verfassen der Rezension ist mir wirklich bewusst geworden wie viele Klischees und alles hier bedient werden und was mich beim Lesen gestört hat.

Sonntag, 10. November 2019

#254 Bücherregal - Frankly in love(Kurzrezension)



Titel(Englisch)Frankly in Love
AutorDavid Yoon
VerlagPenguin
GenreYoung Adult/Coming-of-age
Seiten414 Seiten
Meine Bewertung
3,5/5

 Inhalt

Frank Li geht in Südkalifornien zur Highschool und verliebt sich ausgerechnet in Brit, eine weiße Mitschülerin. Damit seine Eltern nichts merken beschließt er zusammen mit Joy ihnen eine Beziehung vorzuspielen, denn auch Joy ist wie Frank ein Kind koreanischer Immigranten und soll eigentlich nur andere Koreaner daten. Dabei ist sie mit einem chinesischen Mitschüler zusammen und deshalb kommt ihr das alles mit der falschen Beziehung nur zu gute. Doch Frank fragt sich, ob das wirklich Liebe ist und ob er je wirklich verliebt war.

Review

Die Handlung wird in der Ich-Perspektive erzählt, weshalb man einen guten Einblick in Franks Gefühlswelt bekommt.

Man lernt ziemlich viel über die koreanische Kultur und wie es ist als Kind koreanischer Einwanderer in Amerika aufzuwachsen. Direkt zu Beginn stellt Frank klar, dass er sich selbst als koreanisch-amerikanisch sieht auch wenn er  sich beiden Kulturen nicht so wirklich dazugehörig fühlt. Genau diese Zerrissenheit und dieses dazu gehören wollen wird nachvollziehbar beschrieben. Er möchte seine Eltern nicht enttäuschen, die eine andere Wertevorstellung haben wie er selbst. Man erfährt immer wieder wie sehr er sich wünscht den Mut zu haben, gegen den Alltagsrassismus vorzugehen und auch seinen Eltern mal die Stirn zu bieten, wenn diese mal wieder eine rassistische Bemerkung machen. Und genau das stimmte mich als Leser nachdenklich und ich fragte mich immer wieder, ob ich in seiner Situation auch so gehandelt hätte. Es muss einen als heranwachsenden Menschen schon ziemlich belasten, wenn man sieht wie nahezu alle um einen herum jeden daten können und man selbst darf nur Leute aus dem Herkunftsland seiner Eltern daten und heiraten.

Was mich ein wenig irritiert hat war die Instantliebesgeschichte. So etwas gibt es, aber ich fand es äußerst unpassend und etwas zu überspitzt erzählt. Die Handlung wirkte an einigen Stellen wirklich gezwungen lustig, was ich irritierend fand. Zumal der Dialog dementsprechend komisch dadurch war. Reden manche Menschen wirklich so?



Fazit

Hier möchte ich eine kleine Triggerwarnung platzieren, denn das Thema Krebs spielt hier eine Rolle.

Wer hier einen tiefgründigen Roman erwartet wird wahrscheinlich bitter enttäuscht sein. Vieles wird ziemlich locker flockig beschrieben, was einen doch im ersten Moment ziemlich irritiert. Das bedeutet jetzt nicht, dass hier irgendetwas geschönt wird oder die ganzen hässlichen Seiten der doch sehr komplexen Themen einfach nicht erwähnt wird. Es ist ein moderner Schreibstil, er ist schlicht, nicht ausschweifend und trotzdem schafft es der Autor damit das nötigste dem Leser vermitteln. Es ist ein Debütroman und das merkt man schon sehr deutlich. Leider ist auch nicht so ganz deutlich, ob der Autor nur mit dem Haufen von Klischees spielt oder ob das mehr oder weniger ein Versehen war so viele Klischees aufzugreifen. Bei einigen legt er jedoch sehr bewusst seinen Finger in eine offene Wunde(rassistische Kommentare von Franks Eltern).

Hierbei handelt es sich zudem um ein Own-Voices Buch. Der Autor berichtet viel von seinen eigenen Erfahrungen, denn auch seine Eltern erlaubten ihn auch nur eine koreanische Freundin und sie hatten wohl ähnliche Erwartungen wie Franks Eltern(gute Noten, gute Uni uvm).

Freitag, 20. September 2019

#239 Bücherregal - Turtles all the way down



Titel(Deutsch)Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
Titel(Englisch)Turtles all the way down
AutorJohn Green
VerlagPenguin
GenreRoman
Seiten320 Seiten
Meine Bewertung
4/5

 Inhalt

Eigentlich hatte Aza gar kein Interesse an dem Fall des Verschwundenen Milliadärs Russell Pickett. Doch ihre beste Freundin Daisy möchte unbedingt die 100.000 Dollar Belohnung erhalten, weshalb Aza ihr dabei hilft die nötigen Informationen die die Polizei zu Pickett führen könnten herauszufinden. Dafür muss sie nicht nur lange genug ihrer eigenen Gedankenspirale entkommen, sondern auch noch ihre Ängste überwinden. Schaffen es die beiden die nötigen Hinweise zu entdecken?

Review

Wenn man eine Zwangsstörung oder Angststörung hat, sollte man das Buch vielleicht eher nicht oder es mit Vorsicht lesen. Die Handlung wird aus der Sicht von Aza  in der Ich-Perspektive erzählt, so dass man wirklich viel über ihre Zwangsstörung erfährt. So erlebt man wie sie die Kontrolle über ihre Gedanken verliert und sich immer wieder diesen wiederkehrenden Gedanken hingibt. Auch Selbstverletztendes Verhalten ist ein Thema.

Normalerweise betrachte ich Bücher in dem Genre "Young Adult" eher skeptisch, wenn diese unter anderem das Thema psychische Erkrankungen beinhalten. Hier möchte ich deshalb hervorheben, dass Aza die Hauptprotagonistin als vielschichtige Person dargestellt wird. Die Zwangsstörung ist nur ein Teil von ihr und es geht hauptsächlich darum, wie sie mit ihrem Umfeld interagiert und wie diese mit ihr umgehen. Und natürlich um die große Frage, ob sie Russell Pickett finden können.

Was ich auch gut finde ist, dass die Zwangsstörung nicht überdramatisiert wird und wahnsinnig viel Mitleid erregt wird. Denn es gibt wirklich viele schöne, lustige und positive Momente in Azas Leben über die berichtet wurde. Natürlich gibt es auch dramatische Szenen, aber die halten sich in Grenzen.
Die anderen Charaktere erscheinen blass, was aber an Azas Sichtweise liegt. Sie verbringt nun einmal sehr viel Zeit mit ihren eigenen Gedanken und in ihrer eigenen Welt und dann ist da einfach kein oder eher kaum Platz für andere. Mit dieser Tatsache wird sie auch im Laufe der Handlung konfrontiert, was ich wirklich gut fand.

Was ich wirklich irritierend fand war die fehlende Handlung. Es passiert wirklich wenig und die meisten Zeit verbringt man mit Azas Gedanken. Das Buch hat jetzt auch nur um die 300 Seiten und ich finde es auf der einen Seite sehr faszinierend wie wenig passiert, aber andererseits hat es mich auch ziemlich gestört beim Lesen. Gefühlt machen die Hauptprotagonisten immer das selbe und meistens sind sie in einem Schnellrestaurant. Das alles scheint wie der gewöhnliche Alltagstrott, aber bei einem Buch erwarte ich wenigstens etwas mehr Abwechslung.

Man hätte ruhig noch ein paar Kapitel zwischen dem letzten und dem Epilog schreiben können. So erscheint das Buch unfertig und ich fühle mich als Leser um einige Informationen betrogen. Es endet alles doch recht abrupt und man erfährt nicht so wirklich warum das so ist. Vor allem um den Handlungsstrang rund um Davis tut es mir Leid. Hier wäre einfach so viel Potential gewesen, was leider nicht genutzt wurde.


Fazit

John Green schreibt hier auch über seine eigenen Erfahrungen, denn er selbst hat eine Zwangsstörung. Und ich finde es einfach total wichtig, dass möglichst viele Betroffene Bücher schreiben(Stichwort #ownvoices). So bekommt man wenigstens ein halbwegs akkurates Bild davon, als wenn wieder jemand über einen Betroffenen schreibt und man direkt merkt wie falsch die Darstellung davon ist.

Hier in diesem Buch wird die Zwangsstörung von Aza nicht überspitzt dargestellt, wie es zum Beispiel in einigen Serien der Fall ist. Es wird auch alles andere als verharmlost und so merkt man auch schnell wie schlimm diese Zwänge den Betroffenen einschränken können. Leider denken ja einige es wäre einfach diese intrusive Gedanken zu unterbinden, dabei ist das Gegenteil der Fall.