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Freitag, 7. Oktober 2022

#492 Bücherregal - Schmerz und kein Trost

 







TitelSchmerz und kein Trost(Erik Donner 8. Fall)
AutorElias Haller
VerlagEdition M
GenreThriller
Seiten409 Seiten
Meine Bewertung
4/5


Ich bedanke mich hiermit recht herzlichst bei Netgalley.de für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares.


 Inhalt

Anscheinend hat sich der Mörder vorgenommen eins von Grimms Märchen nachzuspielen und das auf Video festzuhalten. Erik Donner hat sich festvorgenommen sich mithilfe einer Psychotherapeuten mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Doch dann kommt alles anders und der Sohn der Therapeutin wird entführt. Obendrein ist Donners Schwester spurlos verschwunden und er bekommt merkwürdige Anrufe. Schafft er es den Fall zu lösen ehe der Täter seinen Racheplan vollendet hat?

Review

CN: brutale Morde, Kindesmissbrauch, Snuff

Wie bei den vorigen Teilen der Reihe bin ich nur so durch die Handlung geflogen und habe beim Lesen oft die Zeit vergessen. Hierbei handelt es sich um einen komplexen und recht undursichtigen Fall. Ich musste schon sehr aufmerksam lesen um keine Details und somit wichtige Spuren zu verpassen.
Es ist definitiv ein packender Thriller und Erik Donner ermittelt mal wieder gegen die Uhr. Sehr oft erscheint es so als hätte er keine Möglichkeit zu gewinnen, da jemand seine ganz eigene Vendetta gnadenlos bis zum Ende durchziehen will. Ungeachtet über wie viele Leiche er dafür gehen muss.

Im Gegensatz zu den vorigen Bänden ist die Atmosphäre durchgehend erdrückend und oft hatte ich das Gefühl, als wäre das nun das endgültige Ende. Überspitzt geschrieben geht es nur noch um das Abschlachten und Nägeln mit Köpfen machen. An sich ist die Reihe ohnehin eher in die Sparte der Thriller einzuordnen, in denen sehr viele Menschen auf brutale Weise sterben. Jedoch wurde hier noch eine gewaltige Schippe obendrauf gelegt, was mich nachdenklich gestimmt hat. Wie der Autor am Ende des Buches erahnen lässt handelt es sich hierbei wahrscheinlich um den letzten Band der Reihe, was mich jetzt wenig verwundert vor allem nach den ganzen Geschehnissen. Erik Donner ist nun einmal letztendlich nur ein Mensch und wie will er mit all dem umgehen und weitermachen? An sich fände ich es schade, wenn die Reihe nun komplett beendet wäre.

An sich hatte ich immer wieder die Hoffnung, dass es nicht noch schlimmer kommt und wurde jedes Mal eines besseren belehrt. Hier werden zahlreiche menschliche Abgründe gezeigt und diese erscheinen endlos tief. Es scheint fast so als gäbe es für manche absolut keine Grenzen. Aus diesem Grund bin ich ganz froh darüber, dass die Gewaltszenen recht oberflächlich beschrieben wurden. Trotzdem hatte mein Kopfkino daraus recht abartige Szenen gebastelt und ich musste mich oft zwingen nicht genau über manche Szenen nachzudenken. Es ist an sich wichtig solche Sachen wie Snuff in Thrillern zu thematisieren und dabei nicht zu sehr ins Detail zu gehen. Ansonsten erinnert das alles zu sehr an Fetischromane und daran habe ich absolut kein Interesse. Und es sollte eher darum gehen zu zeigen, dass solche Filme existieren und es Abnehmer dafür gibt.

Vor allem in diesem Band scheint Donner unzerstörbar und ihn scheinen die neuen Erlebnisse aufgrund seiner Vergangenheit wenig zu berühren. Zudem stößt er auf alte Bekannte und man erfährt anhand von Rückblicken, wie diese eventuell mit dem neuen Fall in Zusammenhang stehen. Es ist definitiv erschreckend zu lesen was manche Polizisten erleben. 

Das Cover passt mal wieder perfekt zu der Reihe und es ist schön zu sehen, dass die Fliegen wieder mal eine Rolle spielen.

Fazit

Mich hat der Thriller definitiv daran erinnert, dass manche Menschen absolut keine Grenzen kennen und für ihre eigenen Rachegelüste sehr weit gehen. Um ein besseres Gespür für den Ermittler Donner zu bekommen, würde ich jedem empfehlen die vorigen Bände zu lesen. Ansonsten bekommt man leider das Gefühl als ginge es hier nur darum Menschen auf bestialische Art und Weise zu bestrafen. Denn wie schon im Vorfeld erwähnt handelt es sich hierbei mintunter um den letzten Band der Reihe und da ist es ja klar, dass hier ein spezielles Feuerwerk gezündet wurde um für einen krönenden Abschluss zu sorgen.

Freitag, 25. Februar 2022

#440 Bücherregal - Der neunte Arm des Oktopus

 





TitelDer neunte Arm des Oktopus
AutorDirk Rossmann
VerlagBastei Lübbe Audio
GenreÖkothriller
Seiten400 Seiten bzw. 557 Minuten
Meine Bewertung
4,5/5




 Inhalt

China, Russland und die USA bilden zusammen eine Klima-Allianz um die Folgen der Klimkatastrophe abzumildern. Doch die Maßnahmen sind so einschneidend, dass sie das Leben der Allgemeinheit erheblich einschränken. Dadurch entstehen Unruhen und der Widerstand gegen die neu gegründete G3 wächst von Tag zu Tag. Und es ist mehr als offensichtlich, dass hier hauptsächlich die Interessen der jeweiligen Regierungen um jeden Preis durchgesetzt werden sollen. Ausgerechnet ein Koch und eine Geheimagentin wollen dagegen vorgehen, doch haben sie überhaupt eine Chance gegen solche Gegner?

Review

Was mich richtig erschrocken hatte beim Hören war, dass hier tatsächlich real existierende Personen genommen wurden und all das in den nächsten paar Jahren spielt. In anderen Ökothrillern bin ich immer nur mit Figuren konfrontiert wurden, die starke Ähnlichkeiten mit diversen fragwürdigen Persönlichkeiten aufwiesen. Das war definitiv eine willkommene Abwechslung, denn so abwegig ist das genannte Szenario nicht. Und man würde  ja schon gerne wissen wie es nach Corona weitergehen wird wenn die Klimakatastrophe wieder das Hauptproblem sein wird. Und wie man anhand der Inhaltsangabe schon erraten kann, sind die Veränderungen definitiv nicht  wünschenswert. Aber leider ist in einer kapitalistisch geprägten Welt nicht viel anderes zu erwarten, auch wenn wahrscheinlich nicht unbedingt diese drei Weltmächte sich zu einer  Allianz zusammen schließen werden.

Passend zu dem Thema spielt die Handlung an unterschiedlichen Orten auf der Welt, weshalb es viele rasche Perspektivwechsel gibt. Teilweise wäre ich gerne länger in einer Szene geblieben um noch mehr über die jeweiligen Personen und deren Lebensumstände zu erfahren. Der Fokus liegt hier die meiste Zeit auf politischer Ebene, dabei wäre es doch vor allem interessant zu erfahren wie die Bevölkerung mit den massiven Einschränkungen zurecht kommt.

Besonders gut gefallen hat mir im übrigen der Prolog, der einen an diverse Zeitungsartikel der letzten Monate und Jahre erinnert. Es ist erschreckend wie egal es vielen Menschen zu sein scheint, dass der Permafrostboden auftaut und dadurch diverse Krankheitserreger freigesetzt werden. Was nicht nur ein Problem für die dortige Bevölkerung darstellt. 

Ansonsten wirkt vieles weit hergeholt, was ich aber auch von anderen Büchern dieser Art kenne. Es gibt halt schrecklich viele glückliche Fügungen, was zeitweise richtig störend ist. Vor allem der Showdown wirft berechtigte Fragen auf und hier hätte man definitiv weniger dick auftragen sollen. Zusätzlich dazu wirken die Figuren recht platt und man merkt vor allem an diesen beiden Punkten, dass es sich hierbei um einen Debütroman handelt.

Mein einziger Kritikpunkt sind die teils sehr ausufernden Beschreibungen, die absolut nicht zu einem Thriller passen und für unnötige Längen sorgen. Einiges davon hätte man zusammen kürzen können ohne auf irgendwelche interessanten Informationen verzichten zu müssen. Deshalb würde ich das auch eher in das Genre Roman einordnen, da durch diese Beschreibungen kein Nervenkitzel aufkommt. 


Fazit

Hoffentlich schaffe ich es zeitnah die Fortsetzung des Thrillers zu lesen, denn darauf habe ich gerade unheimlich viel Lust. Mich hat das Buch definitiv gut unterhalten und deshalb kann ich auch über die nicht so gelungen Sachen hinweg sehen und 4,5 Sterne vergeben. Es regt zum Nachdenken an und sich mal darüber Gedanken zu machen, was weltpolitisch momentan so los ist und wohin das alles führen könnte.

Mittwoch, 1. Dezember 2021

#003 Buch und Comic - Qualityland

 




Algorithmen sorgen für einen reibungslosen Ablauf im Qualityland, das extra aus Marketinggründen so benannt wurde. Denn wer kauft schon gerne Produkte aus einem Land, dass nicht für Qualität steht? Auch die Namen der Einwohner wurde an ihre Jobs angepasst. Für Peter Arbeitsloser läuft es momentan jedoch alles andere als gut und in seinem Job als Maschinenverschrotter trifft er allerhand kuriose Roboter. Wie kann es sein, dass ausgerechnet eine Drohne unter Flugangst leidet? Und warum läuft nur alles schief in seinem Leben? 






TitelQualityland
AutorMarc-Uwe Kling
VerlagUllstein Verlag
GenreDystopie
Seitenanzahl384
Meine Bewertung

4/5

Jeder Bewohner von Qualityland hat ein anderes Level und das ist nicht nur ausschlaggebend für die Partnerwahl, sondern hat auch einen großen Einfluss auf den Alltag. Schließlich bekommen Menschen mit einem hohen Level etliche Vorteile und müssen zum Beispiel nicht ewig in irgendwelchen Warteschlangen anstehen. Hier zeigt sich einfach sehr deutlich wohin jeglicher Bewertungswahn führen kann. Schließlich werden hier selbst die Lieferdrohnen bewertet und es geht nur darum sehr gut zu sein. Richtig absurd wird das alles, als es um die Partnersuche geht. Und hier kann man nur hoffen, dass es im realen Leben nie so weit kommen wird. 
Wenn nicht gerade das Level einem die Aufstiegschancen nimmt, dann ist es oft der Nachname. Der richtet sich nach dem Job der Eltern und wenn man Glück hat heißt man "Koch". Es gibt aber auch die "Arbeitslosen" und da kann man wahrscheinlich froh sein, wenn man überhaupt irgendetwas erreicht im Leben.
Ansonsten wird hier auch die Sammelwut bezüglich persönlicher Daten auf die Spitze getrieben. Es ist vielleicht in gewissen Situationen schön, dass dann passend zu den Ereignissen eine Lieferdrohne ein alkoholisches Kaltgetränk vorbeibringt. Aber will man wirklich, dass jemand nahezu alles über einen weiß? Und vor allem was passiert, wenn man dann in der falschen Gruppe landet und der Algorithmus einen nur noch tiefer in die Abwärtsspirale befördert?
All das wird einerseits auf eine sehr witzige, pointierte Art erzählt, aber andererseits ist Humor an sich bitterböse. Man hat immer wieder das Gefühl, als wäre mit Absicht die Schraube des Wahnsinns noch einen Ticken weitergedreht wurden als nötig. Dadurch sticht die Absurdität mancher Gegebenheiten in diesem Roman noch mehr hervor und man fragt sich immer wieder, wie es nur soweit kommen konnte. Wobei ich die Idee mit den sprechenden Autos/Geräten richtig toll finde und an manchen Tagen wünsche ich mir, dass wir genau das schon längst hätten. Und über Androiden in Stories freue ich mich ohnehin immer.

Man merkt auf alle Fälle wie viel Mühe sich der Autor bei der Ausarbeitung gegeben hat, allein schon anhand der vielen Kleinigkeiten, die im Laufe der Handlung eine mehr oder weniger große Rolle spielen. An vieles denkt man im ersten Augenblick weniger, wenn man an ein Land denkt in dem es nur um Qualität geht. Es wirkt einfach in sich stimmig und mich wundert es deshalb wenig, dass das Buch so beliebt ist und es nicht nur eine Comicadaption, sondern auch eine Fortsetzung gibt. 

Alles in allem ein wirklich unterhaltsames Buch, welches auf eine sehr überspitzte Art und Weise die Probleme und deren möglichen Folgen unserer Gesellschaft in naher Zukunft aufzeigt. Auf eine sehr lustige Weise wird einem Nahe gebracht auf welchem Weg wir uns gerade befinden und wo das eben hinführen kann, wenn sich nicht genug Menschen für Veränderungen einsetzen. Natürlich ist es bequem wenn einem diese Bewertungssysteme das eigene Denken erleichtern bzw. abnehmen. Und natürlich gibt es auch Vorteile, die die ganzen Neuerungen mit sich bringen. Aber können die wirklich all die Nachteile überwiegen und vor allem ist es das wert?






TitelQualityland Band 1.1
AutorMarc-Uwe Kling
ZeichnerZachary Tallent
VerlagVoland & Quist
GenreDystopie
Seitenanzahl176
Meine Bewertung
3,5/5



Was mich wirklich positiv überrascht hatte war die Qualität des Druckes und die Dicke des Papiers. Bei dem Preis kann man das natürlich erwarten, aber leider sehen das nicht alle Herausgeber so. Es war auf jeden Fall schön so feste Seiten zu haben, die nicht direkt verknicken.

Wie bei der literarischen Vorlage wird die Geschichte rund um Peter Arbeitslose in diversen Episoden erzählt. So erlebt man mit wie er seinen Alltag bestreitet, mit seiner Noch-Freundin unterwegs ist und durch Qualitypartner einfach ersetzt wird. Und wie das Taxi in noch nicht einmal mehr heimfährt, da seine Wohngegend viel zu heruntergekommen für die Ausstattung des Gefährtes ist. An sich wird die Handlung auf wenige Gegebenheiten reduziert, die wirklich sehr viel über diese dystopische Welt aussagen. Alles wird sehr pointiert erzählt und mir hat es wirklich gut gefallen, dass die Werbeanzeigen einen Platz gefunden haben. Es ist nun einmal sehr schwer so einer Vorlage gerecht zu werden und deshalb kann ich jedem nur empfehlen auch diese zu lesen ehe man ein Urteil über diese viel zu realistische Dystopie fällt.

Mit dem Zeichenstil konnte ich jetzt nicht ganz so viel anfangen, da er mir einfach zu schlicht war. Das wenige was man sieht ist an sich wirklich gut gezeichnet und sowohl die Farb- als auch die Schattenauswahl sind gelungen, aber mir fehlte das gewisse etwas. Besonders die Darstellung der einzelnen Charaktere hat mir gefallen, denn viele hatte ich mir so ähnlich vorgestellt. Trotzdem fehlen mir an vielen Stellen liebevolle Details, die einen etwas näher hingucken lassen. Stattdessen gibt es jede Menge Textblöcke bzw. Sprechblasen, dabei sollten die Zeichnungen einem ja den Großteil der Geschichte vermitteln.

An sich komme ich bei der Comicadaption nur auf 3,5 von 5 Sternen und so ganz sicher bin ich mir noch nicht, ob ich mir den 2. Teil kaufen soll. Mir hat das Buch einfach besser gefallen und der Comic hatte jetzt keinen Mehrwert für mich. Trotzdem hat sie mich recht unterhalten und jetzt weiß ich wenigstens wieder ganz grob um was es im Einzelnen ging und kann somit mit einigem Hintergrundwissen in den zweiten Teil der Buchreihe starten.



Mir hat die Dystopie wirklich gut gefallen und ich bin schon ganz gespannt auf den zweiten Teil. Und vielleicht sind ja ein paar technische Neuerungen in ein paar Jahren die bittere Realität.

Mittwoch, 10. November 2021

#002 Buch und Graphic Novel - Sapiens

 

  




Vor vielen Tausend Jahren gab es noch viele weitere Gruppen in der Gattung "Homo", aber heutzutage existiert nur noch der "Sapiens". Wie kam es dazu, dass ausgerechnet unsere Spezies sich durchsetzen konnte? Welche verschiedenen Revolutionen gab es im Laufe der Zeit und was führte überhaupt dazu, dass sich Gesellschaften bildeten und der Mensch sesshaft wurde? 






TitelSapiens - A brief history of humankind
AutorYuval Noah Harari
VerlagVintage
GenreGeschichte
Seitenanzahl512
Meine Bewertung
3/5

Besonders interessant fand ich die Kapitel über die einzelnen Gruppen der Homo Gattung und warum sich letztendlich nur der "Homo Sapiens" durchsetzen konnte. Bei vielen Gattungen ist es nämlich so, dass sie nach wie vor aus sehr vielen Untergruppen besteht und die alle koexistieren können. 
Was ich nicht so einleuchtend fand war die Aufteilung des Buches als es nur noch um die Gruppe der "Sapiens" ging, denn die einzelnen Zeitabschnitte werden in die jeweiligen Revolutionen aufgeteilt. An sich ist es ein wirklich interessanter Ansatz, da diese die Entwicklung der Menschen immer einen großen Schritt weitergebracht hatten. Jedoch führte genau das oft dazu, dass der Autor zwischen den einzelnen Abschnitten beim Erzählen herum sprang und man schon sehr genau lesen musste um den Überblick zu bewahren. Vor allem ab der Hälfte fiel das negativ auf und manchmal hatte ich deshalb das Gefühl, als hätte das einfach keinen roten Faden. 

Ein anderer Aspekt der mir wie oft negativ aufgefallen ist, dass hier einiges über die "Sapiens" zu sehr pauschalisiert und einfach dargestellt wurde. Die Sachverhalte sind wahrscheinlich zu Komplex um sie vernünftig in einem populärwissenschaftlichen Buch darzustellen. Jedoch hätte man das ruhig benennen können, denn so hinterlässt das einen sehr komischen Nachgeschmack. Man kann halt gewissen Themen nicht einfach anschneiden und oberflächlich behandeln ohne genau das zu bewirken. Oft driftet der Autor dabei ins philosophische und spekulative ab und man hat das Gefühl als hätte er ganz vergessen um was es ursprünglich ging. 

Zudem werden immer wieder mehr als fragwürdige Vergleiche getätigt wo ich mich als Leser frage, welcher Mitarbeiter beim Verlag bzw. welcher Lektor das so abgesegnet hat. Oft saß ich kopfschüttelnd da und fragte mich, wie man auf so einen Kokolores kommen kann. Und vor allem wie man das noch als Fakten verkaufen kann. Als Laie fällt das einem wahrscheinlich erst beim nochmaligen oder eben sehr genau lesen auf, dass sich an einigen Stellen schlichtweg widersprochen wurde und manches absolut nicht der Wahrheit entspricht.

Alles in allem ein interessantes Sachbuch über die Menschheitsgeschichte, dass mir einen Ticken zu populärwissenschaftlich war. Mich konnte es nicht ganz so überzeugen und deshalb vergebe ich nur 3 von 5 Sternen. Hauptsächlich ergibt sich diese Bewertung aus der relativ gut verfassten ersten Hälfte des Buches, ansonsten wären es wahrscheinlich nur 1,5 Sterne.







TitelSapiens 
AutorYuval Noah Harari 
ZeichnerDaniel Casanave, David Vandermeulen
VerlagJonathan Cape
GenreGeschichte
Seitenanzahl248
Meine Bewertung
1/5



Da die komplette Handlung in Form von Vorlesungen präsentiert wird, entstehen regelrechte Textblöcke und genau das fand ich total irritierend. Eigentlich geht es doch vorwiegend bei diesem Medium darum Sachverhalte bildlich darzustellen und genau das habe ich hier vermisst. Die meiste Zeit sieht man nur den Autor selbst bzw. Zoe, dabei wäre es viel sinnvoller gewesen das geschriebene durch einfache Zeichnungen zu verdeutlichen.
 
Ein anderes Problem hatte ich mit dem doch sehr minimalistischen Zeichenstil. Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen auch den 2. Teil zu lesen, aber nach dem gezeigten habe ich daran jegliches Interesse verloren. Man kann als Illustrator/Zeichner auf sehr unterschiedliche Weise verschiedene Gesichtsmerkmale darstellen, genauso wie man sich einer wirklich sehr reichen Farbpalette bedienen kann. Aber hier hat man das Gefühl als wäre hier jegliches Klischee bedient wurden, was über die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen auf dieser Erde existieren. Man hat schlichtweg das Gefühl als würde man einen Comic von vor über 50 Jahren lesen, anstatt einen der in der heutigen Zeit angefertigt wurde. Auf einen Seiten erschlägt einen quasi der Rassismus und es ist einfach nur schade, dass das darauf nicht viel mehr Wert gelegt wurde.

Besonders in der zweiten Hälfte hatte ich das Gefühl und auch Bedürfnis einfach aufzugeben. Die Zeichnungen waren teils wirklich einfach nur noch fragwürdig, die Erklärungen machten nicht immer Sinn und manchmal habe ich mich gefragt, ob die Seiten überhaupt dazu gehören. Man hatte das Gefühl als wäre es irgendein lustiger Comic aus der Tageszeitung, der irgendeinen ulkigen Fakt erklären soll und keine zusammenhängende Geschichte über den Homo Sapiens.

Mir hat die Umsetzung absolut gar nicht zugesagt und deshalb vergebe ich nur einen Stern. Fürs Lesen hatte ich mehrere Anläufe gebraucht und es ist einfach immer wieder schade, wenn von erfolgreichen Büchern Comicadaptionen auf den Markt kommen, die den Erwartungen einfach nicht gerecht werden. Und sich dadurch letztendlich so anfühlen wie ein Versuch möglichst viel Geld aus dem Hype zu generieren.




Mir hat jetzt beides nicht gefallen und so ganz verstehe ich nicht, warum das Buch so in den Himmel gelobt wird. Vielleicht liegt es wirklich einfach daran, dass ich schon ein paar Vorlesungen zu dem Thema an der Universität hätte und somit einiges an Vorwissen hatte. Und vielleicht hatte ich deshalb einfach zu hohe Erwartungen an dieses Buch bzw. diese Graphic Novel.

Freitag, 3. September 2021

#401 Bücherregal - Bookless Teil 2

 



TitelBookless - Gesponnen aus Gefühlen(Teil 2)
AutorMarah Woolf
VerlagOetinger Taschenbuch
GenreFantasy/Jugendbuch/Youngadult
Seiten318 Seiten
Meine Bewertung
3,5/5

 Inhalt

Nachdem Nathan Lucy hintergangen hatte, möchte diese zu recht nichts mehr von ihm wissen. Doch wer kann ihr bei der nahezu unmöglichen Aufgabe helfen die Bücher vor dem Bund zu retten? Was passiert wenn diese für immer verloren geht und sich niemand mehr an die Geschichten erinnern kann? Wem kann sie noch vertrauen und vor allem wie viel Zeit hat sie noch? Sie möchte unter allen Umständen die Bücher retten.

Review

Vor ungefähr zwei Jahren hatte ich den ersten Teil dieser Reihe gelesen und wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn ich zeitnah den Rest gelesen hätte. Wobei ich beim Hörbuch dann doch sehr überrascht war wie viel ich noch über die Handlung wusste. Einige Details fehlten mir natürlich, aber die werden im Laufe der Handlung wieder aufgegriffen. Und so kam ich recht schnell wieder rein. 
Die Spannung war durchgehend hoch und ich wollte oft einfach nur wissen wie es weitergeht, weshalb ich das Hörbuch in der 2xfachen Geschwindigkeit gehört hatte. Und immer wenn es möglich war hatte ich weiter gehört.

Was Nathan betrifft geht es ungewiss weiter und so wirklich kann ich ihnen als Charakter immer noch nicht einschätzen. Und genau das liebe ich an solchen Geschichten, wenn man eben nicht weiß ob man demjenigen vertrauen kann oder eben nicht. Passend dazu ist es natürlich wichtig, dass der Gegenpart nicht naiv an die Sache herangeht und demjenigen dann wieder blind vertraut. Vor allem ist er ja der Enkel vom absoluten Bösewicht, also warum sollte man ihm überhaupt vertrauen können? Deshalb war ich richtig froh darüber, dass vieles hinterfragt wurde und Lucy sich nicht dauernd blenden ließ.

Im Grunde geht es die ganze Zeit um die große Frage wer nun Nathan ist und vor allem auf wessen Seite er steht und das war mir einfach zu wenig Handlung für so viele Seiten. Bei über 300 Seiten rechnet man ja schon damit, dass wenigstens noch irgendetwas anderes spannendes passiert und man das alles in etwas mehr als einem Satz zusammen fassen fassen. So wirkt es halt wie der große Auftakt für einen Showdown im dritten Teil und dafür wirkt das alles ein wenig zu langwierig. Und das Gefühl hatte ich obwohl es an manchen Stellen richtig zur Sache geht und man nie weiß, ob der eigentliche Kampf nun beginnt oder nicht. Aber im Endeffekt hatten sich die kleinen Auseinandersetzungen so unwichtig angefühlt und wie belanglose Lückenfüller.

Wie der vorige Band endet das alles in einem mehr als gemeinen Cliffhanger und deshalb bin ich unendlich froh darüber, dass ich mir direkt den 3. Teil des Buches ausgeliehen hatte. Ich möchte einfach wissen wie das alles ausgeht und vor allem ob die Bücher gerettet werden können.


Fazit

Auch diesem Teil gebe ich nur 3,5 von 5 Sternen, da es auf mich immer noch wie eine Einführung in die Geschichte wirkte. Woran das liegt kann ich nicht so genau beurteilen, aber wahrscheinlich liegt es hauptsächlich an den recht dünnen Büchern und weil der mittlere Teil meistens ohnehin recht komisch ist bei einer Trilogie. Und dann kommt natürlich noch hinzu, dass ich mit meinen 30 Jahren nicht mehr ganz so gut in der Lage bin mich in ein 17-jähriges Mädchen hineinzuversetzen. Und so ganz verstehe ich nicht warum das Buch überhaupt geteilt wurde, schließlich haben sich die bisherigen Teile nicht wie eigenständige Bände angefühlt.

Mittwoch, 20. Januar 2021

#001 Buch und Graphic Novel - Slaughterhouse-5

  




Billy Pilgrim überlebte den schweren Luftangriff von Dresden in 1945 als Kriegsgefangener, der wie andere amerikanische Soldaten im Schlachthaus-5 untergebracht war. Nach dem Krieg kehrt er in seine Heimat zurück und wird dort Optometrist. Nach einem schweren Unfall durchlebt er immer wieder Zeitreisen und ist irgendwann der festen Überzeugung von Aliens entführt wurden zu sein. 






TitelSlaughterhouse 5
AutorKurt Vonnegut Jr.
VerlagRandomhouse
GenreKlassiker/Science-Fiction/Historischer Roman
Seitenanzahl240
Meine Bewertung
3,5/5

Hierbei handelt es sich um ein Buch, was ich nach dem Lesen erst einmal für einige Zeit auf Seite legen musste um wirklich zu begreifen worum es eigentlich ging. Zuerst fand ich es total absurd und absolut daneben, dass die Erlebnisse eines Soldaten während der schlimmen Luftangriffe in Dresden durch die Verknüpfung mit Science-Fiction-ähnlichen Geschichten ins Lächerliche gezogen werden. An vielen Stellen berichtet der Autor selbst von seinen Erfahrungen als amerikanischer Soldat während dem II. Weltkrieg in Dresden.

Im Nachhinein bin ich wirklich froh darüber nicht die deutsche Übersetzung gelesen zu haben. Vor allem hier fällt auf wie viel Mühe sich der Autor gegeben hatte die richtigen Worte an der richtigen Stelle zu finden und so Kleinigkeiten gehen meist bei Übersetzungen verloren. Schließlich hat jede Sprache so ihre Feinheiten und manches wirkt dann einfach nur noch lächerlich, anstatt poetisch.
So wirklich klar ist mir immer noch nicht, was es mit bestimmten Andeutungen auf sich hat. Und vielleicht werde ich eines Tages mir den dazu gehörigen Lektüreschlüssel zu legen einfach um einiges besser verstehen zu können. Ich weiß nicht, ob das mit meinem Alter zusammen hängt oder einfach dem Erzählstil des Autors zusammen hängt. 

Wie bewertet man am Besten so ein Buch? Durch das verknüpfen mit Außerirdischen wird dem Erzählten die Grausamkeit genommen, aber darf man wirklich über so etwas lachen? Wenn ein Mensch schwer traumatisiert wurde während dem Krieg und sich dann in eine Gedankenwelt flüchtet um mit all dem Erlebten besser klar zu kommen? Und es ist ja kein aktives flüchten, sondern einfach ein Schutzmechanismus der Psyche und das wird hier immer wieder klar gestellt. Immer wieder kommt es deshalb zu Zeitsprüngen in die Vergangenheit oder Billy wird von Aliens entführt, aber im nächsten Moment erfährt man wieder was über das Amerika der 60er Jahre. Aus dem Grund muss man schon sehr aufmerksam lesen, damit man nicht durcheinander kommt. 

Hierbei handelt es sich um einen kurzweiligen Klassiker, dem ich 3,5 von 5 Sternen gebe. So wirklich eine Verbindung zu Billy konnte ich nicht aufbauen und mir fiel es wirklich schwer manche Szenen richtig zu deuten. Dabei wäre das unheimlich wichtig gewesen, um das alles besser verstehen zu können. Und mir fiel es zudem wirklich schwer den Humor zu begreifen bzw. zu verstehen. Oft reagiert Billy einfach nur sehr zynisch und ohne jegliche Emotionen, was jetzt nicht verwunderlich ist, aber an manchen Stellen hatte ich mir als Leser einfach irgendeine Art von Gefühl bei ihm erhofft.








TitelSlaughterhouse-5
AutorKurt Vonnegut Jr.
ZeichnerRyan North, Albert Monteyes
VerlagBoom! Studios - Archaia
GenreHistorical/Science-Fiction
Seitenanzahl436
Meine Bewertung
3,5/5



Nach dem Lesen der Graphic Novel habe ich endlich halbwegs verstanden um was es überhaupt geht. Vor allem die Zeitleiste und die Charakterauflistung empfand ich hierbei als hilfreich.

Zu Beginn empfand ich den Zeichenstil als unpassend, aber im Laufe der Handlung sagte er mir immer mehr zu. Vor allem die Farbauswahl ist phänomenal und unterstreicht einfach die Wirkung. Und die Charaktere haben alle unterschiedliche und einprägsame Gesichter, an denen man direkt die jeweiligen Emotionen ablesen kann. Diesbezüglich fand ich es auch gut, dass die Körper so authentisch wirkten und meistens passend zur Szene der Hintergrund gewählt wurde. Oft gibt es einfach keinen, woran man sich auch erst gewöhnen muss. Durch den Zeichenstil wird zudem deutlich warum die Novel auch Children's Crusade(Kinderkreuzzug) heißt. Als Billy in den Krieg zog war er noch sehr jung und dort traf er oft auf Menschen, die genauso jung wie er waren.

Die Adaption ist genauso chaotisch und absurd wie die Buchvorlage und eine wirklich schöne Ergänzung/Umsetzung. Eigentlich ist es nämlich so eine typische Vorlage, die kaum umsetzbar ist und deshalb war ich total darauf gespannt und wurde tatsächlich nicht enttäuscht. Sie zeigt genauso wie die Novel wie absurd und unnütz Krieg letztendlich ist und wie sehr es den betroffenen auf lange Sicht schadet. 




Ich würde auf jeden Fall empfehlen die Novel zu erst zu lesen und dann den Comic, da ansonsten zu viele relevante Informationen fehlen und man mitunter dadurch nicht alles versteht.

Sonntag, 13. Dezember 2020

#343 Bücherregal - The tattooist of Auschwitz(Kurzrezension)


Titel(Englisch)The tattooist of Auschwitz
AutorHeather Morris
VerlagHarper Paperbacks
GenreHistorischer Roman
Seiten288 Seiten
Meine Bewertung
2/5

 Inhalt

Im Jahre 1942 wurde Lale Sokolov nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Seine Aufgabe war es jedem Neuen eine Nummer auf den Arm zu tätowieren. Eines Tages begegnet er während seiner Arbeit einem einem jungen Mädchen in das er sich auf den ersten Blick verliebt. Ihr Name war Gita und er machte es sich zur Aufgabe sie zu beschützen und mit ihr gemeinsam die Zeit im KZ zu überleben.

Review

Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, dann würde ich der Rezension den Titel "Schuster bleibe bei deinen Leisten" geben. Denn genau das ist hier der Fall und man merkt sehr deutlich, dass die Autorin Drehbuchautorin. Und ich kann auch nicht verstehen wie ein Verlag diesen Roman einfach so durchwinken konnte ohne ausgebesserte Dialoge zu verlangen. So wirkliche Emotionen kamen mir bei diesen nicht auf und wenn habe ich sie nur zur Kenntnisse genommen und einfach abgehakt, denn sie wirkten immer wie Einschübe und nichts was wirklich Teil des Ganzen war.

Auch sonst waren die Charaktere erstaunlich emotionslos und ganz so als wären sie gar nicht Auschwitz. Ich weiß nicht ob das einfach an der knappen Anzahl an Seiten geschuldet ist, aber selbst das sollte kein Grund dafür sein um eine so wichtige Geschichte so oberflächlich zu erzählen. Und irgendwie ist es ein komisches Gefühl als Laie zu merken, dass das Buch nicht nur einen Fehler bezüglich Auschwitz enthält. Das sollte nicht passieren, vor allem nicht wenn man selbst jemand engagiert hat der die Fakten checkt. Nach dem Lesen hatte ich zahlreiche Artikel darüber entdeckt und ich finde wenn man schon einen auf wahren Tatsachen basierenden Roman schreibt, dann sollte er wenigstens grob der Wahrheit entsprechen.

Wenn ich nicht grobe Eckdaten über das Leben im KZ Auschwitz-Birkenau hätte, dann hätte ich jetzt nach dem Lesen des Romans eine vollkommen falsche Vorstellung davon. Und das sollte einfach nicht Sinn und Zweck der Sache sein und wird der Geschichte einfach nicht gerecht. Und als Autor sollte man selbst genügend Eckdaten liefern, damit der Leser auch ohne Vorwissen sich alles vernünftig vorstellen kann.

Fazit

Alles in allem kann ich jetzt im Endeffekt nicht behaupten ich hätte ein Buch gelesen, denn alles wirkt wie ein Drehbuch samt Regieanweisungen und es hat mich einfach nicht berührt. Mir tut es einfach nur Leid so einer Geschichte nur 2 von 5 Sternen geben zu können und ich hoffe der Film ist besser als das Buch. Mir ist das einfach zu kurzweilig und ich hatte es auch in wenigen Stunden durch gelesen, was mir sonst bei Büchern in dem Genre nicht passiert.

Mittwoch, 25. November 2020

#009 Buch und Film - Nebel im August

  



Hallo,

vor kurzem habe ich "Nebel im August" von Robert Domes gelesen und heute möchte ich in einem Blogeintrag das Buch und den Film zu besprechen.


1933 werden der damals 4-jährige Ernst Lossa so wie seine Geschwister von den Eltern weggenommen,  da diese nicht ausreichend für die vier Kinder sorgen konnten. Als Jeniche waren sie immer durchs Land gereist und der Vater schaffte es kaum genügend Geld zu verdienen. Da es Ernst schwerfiel sich unter zuordnen und den Regeln zu folgen kommt er immer wieder in ein anderes Heim, bis er er letztendlich in die Heilanstalt in Kaufbeuren kommt. Denn aufgrund seines Verhaltens wird er als "asozialer Psychopath" abgestempelt, der nicht therapierbar ist. Und dort bekommt er letztendlich den "Gnadentod", obwohl er geistig und körperlich vollkommen gesund war.



Nebel im August von Robert Domes, 352 Seiten, Cbj-Verlag
4 von 5 Sternen

Vor ein paar Jahren hatte ich mir die Film angeguckt und hatte aufgrund dessen einige Bücher über das Thema "Euthanasie während des II. Weltkrieges" gelesen. Und jetzt habe ich es endlich einmal geschafft auch die Buchvorlage zu lesen. 

Hierbei handelt es sich um einen biografischen Roman, der das Leben von Ernst Lossa auf eine sehr eindringliche Art und Weise aus der Sicht einer Erzählers wiedergibt. Und das obwohl man als Leser aufgrund der Erzählweise eine spürbare Distanz zu Ernst Lossa hat, was ich aber nicht weiter schlimm fand. Es ist sehr erschreckend zu lesen wie bei ihm eine Sache zur anderen führte und er schon in jungen Jahren jegliche Chance auf ein Leben verlor aufgrund seiner Herkunft.  Und vielleicht ist es gerade diese Erzählform, die einen so nachdenklich werden lässt. 

So wirklich viel über den Nationalsozialismus und die Aktion T4, bei der über 70.000 Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen systematisch ermordet wurden, erfährt nur im Nachwort. Was ich jetzt auch nicht verwunderlich finde, schließlich wussten die Betroffenen und meist auch deren Verwandten nichts davon und somit kann man stark davon ausgehen, dass Ernst Lossa auch nur die Gerüchte darüber kannte. Bis heute prägt die Aktion T4 die Behandlungen in Psychiatrien und Diskussionen über Euthanasie/Sterbehilfe. Und deshalb ist es umso wichtiger, dass eben solche Geschichten erzählt werden und nicht in Vergessenheit geraten. 

Bei all dem was in diesem Buch berichtet muss man immer bedenken, dass Ernst Lossa alles andere als ein "asozialer Psychopath" war. Er war nun einmal ein Junge, der eben einen eigenen Wille hatte und das war zu dieser Zeitpunkt nicht gerne gesehen. Und obendrein gehörte er den Jenichen an, eine Bevölkerungsgruppe damals oft ohne festen Wohnsitz. Und wahrscheinlich gab es zu diesem Zeitpunkte viele Menschen wie Ernst Lossa, die deshalb den so genannten "Gnadentod" erhielten. 
Das einzige was mir negativ auffiel war die erste Hälfte des Buches in der Ernst sehr viel älter wirkte als er zu dem Zeitpunkt war. Ein 4-jähriger denkt nun einmal nicht wie ein Erwachsener und genau den Eindruck hat man.

Nach dem ich den Film gesehen hatte ließ mich die recht kurze Lebensgeschichte von Ernst Lossa nicht mehr los. Und auch dieses Mal ist es so und mir fiel es wirklich schwer dieses Buch zu bewerten und vor allem die richtigen Worte zu finden. Das Buch richtet sich vorwiegend an Jugendliche, kann aber natürlich auch von Erwachsenen gelesen werden. Viele eher nicht mehr so geläufige Begriffe werden hinten im Glossar erklärt. Die Geschichte von Ernst Lossa steht stellvertretend für viele andere und bis heute ist nicht bekannt wie viele Menschen mit Behinderungen als "lebensunwert" abgestempelt und somit ermordet wurden. Man geht von 200.000-300.000 Menschen aus und deshalb ist es umso wichtiger, dass dieser Kapitel der deutschen Geschichte niemals in Vergessenheit gerät.







Regisseur: Kai Wessel, Spieldauer: 121 Minuten, unter anderem mit Ivo Pietzcker, Sebastian Koch, Thomas Schubert, FSK 12 

Den Film hatte ich ja schon einmal gesehen und trotzdem hatte er mich jetzt beim 2. Mal wieder einmal total mitgenommen. Das was zu der Zeit in den Heilanstalten passierte macht mich nach wie vor fassungslos und unfassbar wütend. Und vieles was im Buch nicht so deutlich wurde, wird im Film in aller Klarheit gezeigt. Viele Szenen kommen komplett ohne Dialog aus und das Gezeigte spricht oft für sich. Alles strahlt eine unglaubliche Schlichtheit und Trostlosigkeit aus. Die Euthanasie an sich wird erst relativ spät gegen Ende des Filmes wirklich thematisiert bzw. erklärt und so liegt es am Zuschauer die gezeigten Szenen zu interpretieren bzw. zu beurteilen. Man weiß nicht warum bestimmte Namen auf der Liste durchgestrichen werden und man sieht nur, dass eben jene dann kurz darauf den "Gnadentod" in Form von Medikamenten verabreicht bekommen.

Im Vergleich zum Buch erfährt man auch viel über die Hintergründe von der Heilanstalt in Kaufbeuren und weiß somit, was es mit den grauen Bussen bzw. dem "Gnadentod" auf sich hat. Im Gegensatz dazu erfährt man jedoch relativ wenig über das Leben von Ernst Lossa, was aber nicht weiter schlimm ist. Schließlich steht hier das System "Euthanasie" im Vordergrund und so bekommt man allerhand Szenen zu sehen, in denen die Verantwortlichen sympathisch und alles andere als böse wirken. Und genau das macht finde ich den Film so sehenswert, denn er bedient sich nicht den einfachen Methoden und nimmt den vollkommen herzlosen Arzt.

Und vor allem den Abspann fand ich gut, denn nur mit Worten wird gezeigt wie milde die Täter davon kamen. Obwohl sie für den Tod von mehreren Tausend Menschen verantwortlich waren und selbst noch einen Monat nach Kriegsende weiter Menschen töteten, bekamen sie nie eine nennenswerte Strafe. Und eine Krankenschwester durfte sogar ihren Beruf weiter ausüben. 

Hat einer von euch schon das Buch gelesen oder den Film gesehen? Was ist eure Meinung dazu? 
Gerne verlinke ich hier eure Rezensionen. 


LG

Freitag, 16. Oktober 2020

#330 Bücherregal - 9 1/2 perfekte Morde


Titel9 1/2 perfekte Morde
AutorAlexander Stevens
VerlagPiper Verlag
GenreTrue Crime
Seiten224 Seiten
Meine Bewertung
4/5

 Inhalt

Die Dunkelziffer bei Tötungsdelikten ist erschreckend hoch, dabei sollte es doch dank DNA-Analysen, Handyortung und vielem mehr ein leichtes sein diese aufzuklären. Jedoch muss man diese Delikte erst einmal als solche erkennen und das passiert leider nicht immer, egal wie offensichtlich ein Tod durch Fremdverschuldung auch sein mag. Aus dem Grund befasst sich der Strafverteidiger Alexander Stevens mit 10 Mordfällen und erläutert warum diese so lang ungeklärt blieben oder die Täter nur vergleichsweisen milde Strafe bekamen. 


Review

Erst einmal möchte ich vorweg erwähnt haben, dass an wenigen Stellen detailliert beschrieben wird wie Menschen ums Leben kommen und deshalb ist dieses Buch wahrlich nur etwas für Menschen, die mit solchen Themen umgehen können. Es ist jetzt nicht reißerisch beschrieben wurden, aber trotzdem geht es unter die Haut. Und wer suizidal ist bzw. über Selbstmord nachdenkt sollte auch einen großen Bogen um dieses Buch machen. Das Kapitel über dieses Thema beschreibt traurige Tatsachen, über die definitiv geredet werden muss in unserer Gesellschaft, aber vor denen Betroffene auch gewarnt werden müssen. Wer sich vorab informieren möchte dazu: Das Stichwort ist Selbstmordhelfer.

Besonders gut gefallen hat mir der schwarze Humor des Autors und ich denke wenn man daran keinen Gefallen hat empfindet man einige Stellen im Buch als pietätlos. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und ich fand es gut, dass bestimmte Begriffe auf verständliche Weise für den Laien erklärt werden.

Wenn man schon viele True-Crime-Bücher/Zeitschriften gelesen hat kennt man schon den ein oder anderen Fall und kann sich schon denken welche perfekten Morde zu 100%iger Wahrscheinlichkeit in diesem Buch auftauchen werden. Das finde ich aber nicht weiter schlimm, da jeder Autor meist eine Sichtweise auf die Dinge hat und diese sich allein schon wegen ihrem Beruf maßgeblich unterscheiden. Und ich finde es ganz interessant das alles mal aus der Sicht eines Anwalts zu erfahren.

Das letzte Kapitel des Buches beschäftigt sich mit dem Parkhausmord, den ich im Vorfeld schon kannte durch ein anderes Buch. Es ist immer wieder erschreckend wie dreist und selbstverständlich der Täter dort vorgegangen ist.

Was ein wenig anstrengend war beim Zuhören war, dass der Autor teilweise sehr ausführliche Ausschweifungen bzw. Erklärungen ablieferte. Hier hätte ich lieber noch einen "perfekten" Mord mehr gehabt und dafür etwas kompaktere Erklärungen. Vor allem in der zweiten Hälfte fiel das negativ auf. Passend zu seinem Job geht er auch ausführlich auf das deutsche Rechtssystem ein.

Ein anderer Kritikpunkt ist der Titel des Buches, der finde ich einfach zu überspitzt ist. Auch das Cover hätte man passend wählen können, in dem man eben nicht ein Foto von dem Anwalt drauf packt. Denn das finde ich gibt dem Buch einen schmierigen Beigeschmack, der aber gar nicht sein müssten.


Fazit

Alles in allem ist es mit seinen etwas über 220 Seiten ein sehr kurzweiliges Buch, welches sich durch seine sachlichen und unblutigen Beschreibungen positiv von anderen Büchern in diesem Genre abhebt.

Freitag, 21. August 2020

#318 Bücherregal - Leichenblässe


Titel(Deutsch)Leichenblässe
Titel(Englisch)Whispers of the dead
AutorSimon Beckett
VerlagRowohlt Verlag
GenreThriller
Seiten414 Seiten
Meine Bewertung
5/5

 Inhalt

Nach dem der letzte Einsatz David Hunter fast das Leben kostete, stellt er seine Berufswahl infrage. Möchte er wirklich weiterhin als Forensiker arbeiten? Um dieser Frage zufriedenstellend beantworten zu können geht er zu der Body Farm in Tennessee, denn dort wurde er ausgebildet. Doch alles kommt anders als geplant und so muss er einem alten Freund unter die Arme greifen, der versucht einen Serienmörder zu finden. Diese die Mordserie wirft viele Fragen auf, denn die Leichen sind verwester als sie sollten und die Identität dieser lässt sich aufgrund der Zersetzung auch nicht mehr verstellen.

Review

Bei Simon Beckett gehe ich gar nicht mehr davon aus groß enttäuscht werden zu können, denn bisher haben mich seine Bücher immer auf eine ganz besondere Art fasziniert. Vor allem die Reihe rund um David Hunter hat es mir angetan und es ist definitiv nur etwas für Leser, die absolut kein Problem mit nüchternen Beschreibungen eines Forensikers umgehen können. Denn der nimmt absolut keinen Blatt vor den Mund und beschreibt nun einmal sehr genau was er sieht. Und so bekommt man Einblicke in die Welt der Verwesung und der Insekten, die man in anderen Thrillern definitiv nicht bekommt. Unter anderem ist der Handlungsort dieses Mal eine Bodyfarm in den USA, dabei handelt es sich um ein Gelände auf dem wissenschaftliche Studien zu Verwesungsprozessen stattfinden.

Eigentlich wollte ich mir viel Zeit lassen mit dem Hörbuch, aber dann war die Handlung so unheimlich fesselnd und dementsprecht fiel es mir schwer mal Pausen beim Hören einzulegen. Die bildhaften und detaillierten Beschreibungen sorgen bei mir immer für den gewissen Gänsehaut und Ekelfaktor. Passend zum Genre ist das Erzähltempo hoch und die vielen Wendungen sorgten dafür, dass ich einfach nur noch wissen wollte wie das alles ausgeht. Und die durchgehend düstere und bedrohliche Atmosphäre hat sein übriges dazu beigesteuert.

Was ich so an der Reihe liebe ist, dass man absolut ohne Vorwissen einsteigen kann. Den zweiten Teil hatte vor 5 Jahren gelesen und trotzdem war ich wieder voll drin im Geschehen. Die Figuren sind mir einfach unglaublich ans Herz gewachsen und ich finde es immer wieder schön, dass Beckett seinen Figuren so Macken und "Schrulligkeiten" gibt. Dadurch haben sie einen hohen Widererkennungswert und menscheln so schön. Sie sind definitiv keine Ansammlung reiner Klischeehaufen und haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Es fällt einem leicht sie auseinander zu halten, obwohl es eine Menge Charaktere und somit auch Namen gibt.

Mich fasziniert es immer wieder aufs Neue wie gut Beckett die forensische Anthropologie beschreibt. So wie er das alles beschreibt liest es sich nicht wie etwas, was er sich nur durch Recherchearbeiten angeeignet hat und stumpf wiedergibt. Man lernt beim Lesen eine Menge und ich finde es einfach toll, dass man auch als Laie seinen Erklärungen folgen kann.

Der Fall an sich ist mal wieder spannend und bis zum Schluss weiß man nicht so genau wer der Täter ist. Mich hatte die Auflösung richtig überrascht und über manche Wendungen war ich dann doch froh. Wenn man aufmerksam liest lässt sich das ein oder andere schon erahnen, aber das fand ich nicht weiter schlimm.

Das einzige was mir jetzt nicht so zugesagt hatte war das Ende, aber das ist nun einmal typisch amerikanisch und somit vollkommen unrealistisch. Es war jetzt nicht anders zu erwarten und mich hätte es sehr verwundert, wenn es nicht so gekommen wäre.


Fazit

Zusammenfassend lässt sich auf alle Fälle schreiben, dass mir der Teil der Reihe wirklich gut gefallen hat. Es ist auf jeden eins meiner bisherigen Lesehighlights in diesem Jahr und ich kann es kaum erwarten den nächsten Teil der Reihe zu lesen.

Sonntag, 12. Juli 2020

#309 Bücherregal - Die Toten Hosen(Kurzrezension)


TitelDie Toten Hosen
AutorThees Uhlmann
VerlagKiWi Verlag
GenreMusik
Seiten192 Seiten
Meine Bewertung
4,5/5

 Inhalt

Eine Liste am schwarzen Brett seiner Schule im Jahre 1988 verändert vieles Leben von Thees Uhlmann. Denn in diese Liste konnte man sich eintragen, wenn man mit zu einem Toten-Hosen-Konzert nach Hamburg wollte. In diesem Buch erzählt der Autor wie sehr sich seine Einstellung und seine Liebe gegenüber der Band in den 30 Jahren verändert hat. Er erzählt unter anderem auch wie die Freundschaft mit der Band überhaupt zustande kam.


Review

Um ehrlich zu sein fand ich das Konzept der KiWi-Musikbibliothek ziemlich gewagt, denn solche Liebesbekenntnisse an Bands können entweder total gut oder ein totaler Reinfall werden. Deshalb war ich auch unheimlich gespannt darauf wie das alles im Einzelnen umgesetzt wurde. Da ich schon einige Texte von Thees Uhlmann im Vorfeld kannte wusste ich, dass mich das Buch wahrscheinlich nicht enttäuschen wird und genauso war es. "Die Toten Hosen" haben mich eigentlich meine gesamte Kindheit und Jugend begleitet, jedoch waren Konzerte immer zu weit weg und es war einfach nicht üblich zu welchen zu gehen was rückblickend wirklich schade war. Und ich erinnere mich noch an viele Gelegenheiten bei denen die Songs bei irgendwelchen Feiern liefen.

Besonders schön finde ich es, dass der Autor viele persönliche Anekdoten zusammen mit der Band erzählt. Und wie zum Beispiel das Projekt "Band Aid" für ihn war.

Vor allem fand ich es schön die Begeisterung in der Stimme vom Autor zu hören, während er sein eigenes Buch vorliest. Man merkt einfach direkt was er in den Momenten empfunden hat und wie viel Herzblut von in in diesem Buch steckt. Man hat die ganze Zeit das Gefühl als würde er einem gegenüber sitzen und einem all das erzählen. Und wer ihn kennt weiß, dass er gerne mal vom Thema abkommt und weit ausholt um bestimmte Sachen zu unterstreichen bzw. zu verdeutlichen. Er hat halt einen Schreibstil mit Wiedererkennungswert und genau das liebe ich einfach an seinen Texten und vor allem auch an seinen Liedern.

Fazit

An sich ist es ein wirklich kurzweiliges Buch und man hat es schnell durchgehört und wahrscheinlich auch sehr schnell durch gelesen. Es hat in meinen Augen die perfekte Länge und eignet sich auch prima als Geschenk.

Freitag, 26. Juni 2020

#305 Bücherregal - Das Hannibal-Syndrom


TitelDas Hannibal-Syndrom
AutorStephan Harbot
VerlagPiper Verlag
GenreTrue Crime
Seiten352 Seiten(Hörbuch: 858 Minuten, Audio Verlag München)
Meine Bewertung
4/5

 Inhalt

Stephan Harbot hat schon unzählige Täter während seiner Laufbahn als Kriminalexperte bzw. Kriminalhauptkommissar interviewt. Anschließend hat er diese analysiert um Täterprofile zu erstellen. Unter anderem hat er sich mit allen 75 Serienmördern in Deutschland seit 1945 befasst und die Ergebnisse davon befinden sich in diesem Buch. Was treibt Täter dazu an mehrere Menschen zu ermorden? 


Review

Über die Jahre habe ich wirklich viele True-Crime-Bücher und Magazine gelesen. Und hier das sticht definitiv mit seiner Brutalität und Erzählweise hervor. Oft bekommt man von den Tätern selbst berichtet warum sie diese schrecklichen Taten begangen haben und das geht unter die Haut. Deshalb kann ich das Buch auch nur jenen empfehlen, die mit so etwas absolut kein Problem haben. Es ist einfach noch einmal etwas von komplett anderes, als wenn die nur aus der Sicht von Dritten erzählt werden. Positiv ist auf alle Fälle, dass die Interviews mit den Tätern in Kontext gebracht werden und es einige Erklärungen dazu gibt.

Mit dem Hörbuch hatte ich mir ziemlich viel Zeit gelassen und habe immer wieder Pausen eingelegt um all das besser verarbeiten zu können. Mir war schon im Vorfeld bewusst, dass das alles andere als leichte Kost ist und wer Hannibal kennt weiß auch ungefähr was auf einen zukommt. Es ist einfach nur erschreckend wenn man sich vor Augen hält, dass all die Mordserien in Deutschland passiert sind und die Täter teilweise wirklich lange ohne jegliche Konsequenzen agieren konnten.

Was ich auch noch interessant war ist der Kontrast zwischen den vorgestellten Fällen und denen, die in der Literatur wie Krimis/Thrillern stattfinden. Darauf wird direkt zu Beginn des Buches eingegangen und ich finde es immer wieder schön, wenn Experten sich zu fiktiven Geschichten äußern und diese für den Leser einordnen.
Immer wieder versucht der Autor zu erläutern was die Täter dazu bewegt hat so zu handeln. Vor allem in der ersten Hälfte des Buches stehen diese Erklärungsversuche im Vordergrund, während in der zweiten die Taten mehr oder weniger für sich selbst sprechen. Man merkt auf alle Fälle wie ausführlich sich der Autor sowohl mit den Taten als auch mit den Tätern auseinander gesetzt hat. Die einzelnen Kapitel sind vergleichsweise lang und so erfährt man wirklich viele Details, die in anderen Büchern/Artikeln oft fehlen.

Einige der Fälle kannte ich im Vorfeld nicht, obwohl ich schon wirklich viel in diesem Genre gelesen habe. Da es sich um 75 verschiedene Serientaten handelt zieht sich das alles ziemlich in die Länge und der gleich bleibende Aufbau der Kapitel hat mich dann neben der Brutalität der Taten dazu bewegt öfters mal eine Pause einzulegen. Positiv sticht auf jeden Fall die sachliche/nüchterne Schreibweise hervor, denn alles andere ist bei solchen Büchern finde ich einfach nicht angebracht.
Der Autor versucht an keiner Stelle eine Entschuldigung für das Verhalten der Täter zu finden, sondern er macht sich auf die Suche nach möglichen Auslösern. Man kann halt nicht abschließend und zu 100%iger Gewissheit sagen, dass Geschehnis X immer zu Tat Y führt. Meist war es eine lange Reihe von Gegebenheiten, die dazu geführt hatten und oft zeigten sich schon in der Kindheit erste Auffälligkeiten. 



Fazit

Vorm Lesen/Hören des Buches sollte man sich klar sein worauf man sich da einlässt. Einige wenige Taten sind so brutal, dass ich im Nachhinein lieber weniger Details über diese gewusst hätte. Es ist auf jeden Fall ein True-Crime-Buch, welches aus der Masse hervor sticht und was man nicht einfach so mal nebenher und am Stück lesen kann.