Freitag, 31. Dezember 2021

#427 Bücherregal - Q

 







TitelQ
AutorChristina Dalcher
VerlagFischer Verlag
GenreDystopie
Seiten384 Seiten
Meine Bewertung
4/5




Ich bedanke mich hiermit recht herzlichst bei Netgalley.de für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares.

 Inhalt


Der Q-Wert bestimmt maßgeblich welche Rolle man in der Gesellschaft einnimmt. Sowohl die eigene Intelligenz als auch die anderer Familienmitglieder als auch deren Verhalten nehmen Einfluss darauf. Bisher war Elena Fairchild davon überzeugt, dass das System vieles im Leben vereinfacht und als Mitglied der silbernen, also obersten Gruppe profitierte sie enorm davon. Vor allem ihre jüngste Tochter Freddie hat zunehmend Probleme mit dem Druck und den monatlichen Testungen zurechtzukommen. Bisher bekam sie immer wieder die Kurve, doch dann rutscht ihr Q-Wert unter das kritische Niveau und sie muss auf eine Staatsschule. Aber was bedeutet das genau und kann Elena wirklich verantworten, dass ihre neunjährige Tochter dorthin gebracht wird?

Review

TW: Eugenik

Obwohl ich schon so viele Sachbücher und Romane über dieses Thema gelesen habe, schockt es mich jedes Mal aufs neue. Aus dem Grund habe ich auch über eine Woche gebraucht um mich an diese Rezension setzen zu können. Es ist einfach nur unfassbar was manche Menschen sich herausnehmen und denken sie könnten darüber urteilen, ob ein Leben lebenswert ist oder eben nicht. Und genau darum geht es letztendlich in dieser Dystopie: jeder der nicht exakt in die Schablone der Regierung passt wird auf Staatsschulen geschickt. Die Kinder müssen sich schon sehr früh in komplexen Themenbereichen auskennen und am Besten schon kleine Akademiker sein, denn ansonsten können sie die regelmäßigen Tests nicht bestehen und landen in diesen Schulen. Sowohl die Intelligenz als auch der Familienstand beeinflussen den sogenannten Q-Wert, der letztendlich die komplette berufliche Zukunft als auch das alltägliche Leben bestimmt. Aber für welchen Preis?

Das Buch hatte ich innerhalb weniger Tage durch gelesen, weil ich wissen wollte wie das alles am Ende ausgeht. Schließlich wollte ich wissen für wen sich Elena letztendlich entscheiden wird. Denn wenn sie Freddie vor der Staatsschule wahrt, wird sie ihre andere Tochter und auch ihren Mann verlieren. Beide würden erhebliche Probleme bekommen und kann sie genau das verantworten? 

Ein wenig schade ist es, dass Elena Fairchild die ganze Zeit im Vordergrund steht und man wirklich wenig über die restlichen Personen erfährt. Dadurch erscheint selbst der Mann, der hauptsächlich dieses System am Laufen hält als das absolute Böse. Und die Kinder erscheinen zeitweise wie Spielfiguren, die zwar übers Feld geschoben werden aber zu dem man sich kein eindeutiges Bild machen kann. Dabei hätte ich schon gerne gewusst wie zum Beispiel Freddie tickt und was Anne bewegt. Stattdessen erfährt man eine Menge über Elenas Familie, die jedoch genauso wie der Rest bis zum Schluss eher wenig umschrieben wird. Wahrscheinlich hätten dem Buch was das betrifft ein paar Hundert Seiten mehr ganz gut getan.

Manchmal haben mich gewisse Personen ratlos gemacht, denn ihr Verhalten passte so gar nicht zu ihrer zugedachten Rolle und es wirkte auch sonst sehr unlogisch. Oft agierten sie so, wie es am Besten zur Handlung passt und nicht ihres Charakters entsprechend. An einigen Stellen fand ich das richtig schade, denn das hätte die Handlung viel greifbarer und furchteinflößender gemacht. 

Auch sonst fehl es oft an nötigem Hintergrundwissen um bestimmte Sachen richtig einordnen zu können. An einigen Stellen geht es um Eugenik während des Nationalsozialismus und das hätte man ruhig etwas ausführlich beschreiben können. Nicht jeder kann etwas mit dem Begriff anfangen, dabei spielt genau das in diesem Buch eine tragende Rolle.

Fazit


Eine wirklich düstere Welt, die einem mal wieder vor Augen führt wie schnell ein System sich fast unbemerkt verändern kann. Elena hatte erst wirklich angefangen all das zu hinterfragen, als sie selbst erleben musste wie ihr eigenes Kind an dem Bildungssystem zerbricht und auf eine der Staatsschulen abgeschoben zu werden. Mich hat das Buch definitiv nachdenklich gestimmt.

Mittwoch, 29. Dezember 2021

#18 Graphic Novel - Something is killing the children Band 1-3

 





TitelSpmething is killing the children
AutorStory: James Tynion IV, Zeichnerin: Werther Dell'Edera
VerlagSplitter Verlag
GenreFantasy, Gore
FormatHardcover
Seiten
148
Meine Bewertung
3/5


 Inhalt


In Archer's Peak verschwinden immer mehr und mehr Kinder auf mysteriöse Weise. Nur wenige tauchen wieder auf und alle erzählen furcht erregende Geschichten über Monster. Die Lage wird immer hoffnungslose, doch eines Tages taucht plötzlich Erica Slaughter auf, die tatsächlich genau das sehen kann was nur die Kinder sehen können. Nämlich die Monster und sie hat sich festvorgenommen diese zu erlegen.

Rezension

#1. Band:

Immer wieder tauchte der Comic in meinen Empfehlungen auf und von vielen hörte ich nur positives darüber. Normalerweise nehme ich eher Abstand von Büchern bzw. Comics, wenn diese in aller Munde sind und so gehypet werden, denn zu oft wurde ich diesbezüglich enttäuscht. Und deshalb war ich richtig positiv überrascht, dass ich nach dem Lesen des Bandes mir direkt den nächsten vorgemerkt hatte. Schließlich will ich ja wissen was für den Tod von den Kindern verantwortlich ist und wenn ich eins gerne lese, dann ist Geschichten über die Jagd nach übernatürlichen Wesen. 

Man wird direkt in die Handlung geschmissen und Erklärungen werden erst nach und nach geliefert, das heißt man erfährt zusammen mit dem Hauptprotagonisten alles wichtige. Dadurch dauerte es eine Weile bis mich die Story wirklich gepackt hatte und irgendwann konnte ich es dann gar nicht mehr abwarten endlich mehr über die Hintergründe zu erfahren.

Der Zeichenstil ist absolut nicht meins, aber als ich mich endlich daran gewöhnt hatte empfand ich ihn wenigstens als nicht mehr störend. Mir ist er einfach zu schlicht und die Farben fand ich nicht immer passend. Jedoch kann man auf Anhieb alles nötige erkennen und anhand der Farben und Strichführung kann man die Stimmung der Szene sehen.

Alles in allem gebe ich dem ersten Teil der Reihe 3 von 5 Sternen, da mir die Handlungsgeschwindigkeit zu gering war und ich vieles was hier passiert schon aus einigen Serien kannte. Es ist halt nichts großartiges neues, was mich bei dem Genre wenig überrascht. Gefühlt wurde schon alles erzählt und ich denke Mal mit dem passenden Zeichenstil hätte mich das viel weniger gestört. Trotzdem möchte der Reihe noch eine Chance geben und bin deshalb ganz froh darüber die weiteren Teile schon in der Bibliothek ausgeliehen zu haben.


#2. Band:

Eigentlich schien die Gefahr für das kleine Städtchen in Wisconsin vorüber zu sein, denn das Monster wurde von Erica erfolgreich erlegt. Jedoch hatte dieses Babys und die sind hungrig und auf der Jagd nach frischen Kinderblut.

So wirklich viel Neues erfährt man in diesem Band nicht, jedoch die wenigen spärlichen Informationen haben es wirklich in sich. Man erfährt zum Beispiel wieso Erica Jagd nach Monster macht und vor allem wer sie ausgebildet hat. Was das betrifft erfährt man hoffentlich noch eine Menge neues. Es ist auf jeden Fall immer spannend zu sehen wie unterschiedlich die Autoren die Ausbildung solcher Jäger handhaben und ich bin ganz gespannt darauf, wie diese an der Einrichtung ablief. 

Die Handlungsgeschwindigkeit ist mir nach wie vor einen Ticken zu langsam und ich finde es schade, dass die Seiten größtenteils so leer wirken. Einerseits verstärkt das die gruselige und hoffnungslose Grundstimmung, jedoch hat man so die Reihe sehr schnell durch gelesen. Und ich habe lieber Comics bei denen ich etwas entdecken kann und bei denen die Panels einen wirklich umhauen. Sei es durch den phänomenalen Zeichenstil oder irgendwelche Details, jedoch ist beides hier nicht der Fall.


#3. Band:
Da die Situation immer mehr außer Kontrolle gerät, entschließt sich das "House of Slaughter" dazu seine Mitarbeiter in die Stadt zu schicken um sich darum zu kümmern.

In diesem Band findet der Handlungsstrang rund um das Monster ein jähes Ende und man muss sich von einigen Charakteren verabschieden. So ganz einordnen kann ich das gelesene noch lange nicht und vor allem verwirrt es mich, dass man jetzt nach gut 400 Seiten nicht so wirklich weiß um es jetzt letztendlich geht. Vor allem in diesem Teil gibt es kaum Dialog, was nicht gerade hilfreich ist. Die Organisation für die Erica arbeitet oder mal gearbeitet hat scheint auf jeden Fall nicht so ganz ohne zu sein und zeitweise hatte ich das Gefühl, als hätten diese alles nur nicht das Wohlergehen der Menschen als oberstes Ziel bzw. Motiv. 

Was mich positiv überrascht hatte war, dass man ein wenig über die Ursprünge der Monster erfährt. In den meisten Comics in diesem Genre sind diese ja einfach da und meist geht es nur um das erlegen bzw. besiegen dieser. Doch hier ist das alles einen Ticken blutrünstiger und es wird auf die Hintergründe eingegangen. Deshalb bin ich auch total gespannt darauf wie das in den nachfolgenden Bänden gehandhabt wird. Ein wenig bereue ich es nicht die Deluxe Edition, also den Sammelband 1-3 auf Englisch gekauft zu haben. So musste ich immer auf den Nachfolgeband warten und das hatte mich ziemlich gestört.

Sonntag, 26. Dezember 2021

#47 Manga - Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee Band 7-9

 

 




Titel(Deutsch)Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee
Titel(Englisch)A tropical fish yearns for snow
AutorNio Nakatani
VerlagAltraverse 
GenreShojo-Ai, Slice-of-Life
Bände9(abgeschlossen)
Meine Bewertung
4/5



Inhalt


Ausgerechnet in die Präfektur Ehime muss Konatsu ziehen, nach dem ihr Vater eine Stelle im Ausland angenommen hat und sie nicht mit nehmen kann. An ihrem ersten Tag in Nagahama besucht sie das geöffnete Aquarium der High School und trifft dort auf Koyuki. Diese wird von vielen an dieser Schule verehrt und gilt als unnahbar. Doch eigentlich ist sie nur schüchtern und gar nicht so unnahbar, wie viele denken. Kann sich eine Freundschaft zwischen Konatsu und Koyuki entwickeln? 


Review

#1.-3. Band

#4.-6. Band

#7. Band 

Konatsu hat unheimliche Angst davor Koyuki zu verlieren und kommt mit den Veränderungen, die ihre Freundschaft betrifft, kaum zurecht. Schließlich macht Koyuki bald den Schulabschluss und Konatsu möchte sie unter keinen Umständen verlieren.

Was mich richtig überrascht hat was für eine Wendung die Handlung genommen hat. Endlich wird es alles etwas ernster und die Charaktere reden miteinander. Das alles sorgt dafür, dass endlich die Beziehungen zwischen bestimmten Charaktere Fortschritte machen. Besonders gut finde ich, dass endlich Konatsus Vater sein Fett wegbekommt. 

Vor allem was den Aquariumclub angeht gibt es Fortschritte. Mal schauen wie sich das alles noch entwickeln wird und ob dadurch die Beziehung zwischen Konatsu und Koyuki sich verändert. Schließlich war das ja immer ihr Rückszugsort und etwas, was nur sie beide betraf.

Hier in diesem Band werden einige Dinge angedeutet und ich bin ganz gespannt darauf, was das alles für einen Einfluss auf die fragile, gerade erst Form annehmende Beziehung zwischen Konatsu und Koyuki nehmen wird. Es war ja von Anfang an klar, dass das passieren wird und ich hoffe einfach auf ein schönes, zufrieden stellendes Ende.

#8. Band: 

Man merkt beim Lesen die ganze Zeit, dass sich die Geschichte dem Ende nähert. Die Stimmung ist nahezu durchgehend melancholisch und geprägt von Abschied und Neuerungen. Vieles wird sich für Konatsu und Koyuki ändern und so ganz weiß man noch nicht, ob ihre doch sehr fragile, zarte Freundschaft dieser Veränderung standhalten wird. Und vor allem weiß man nicht, ob die romantischen Gefühle zunehmen können. Schließlich werden bald ganz andere Sachen ihren Alltag bestimmen und dann käme ja noch eine räumliche Trennung hinzu. Koyuki wird an der Universität jede Menge zu tun haben und für sie wird es ein riesiger Schritt aus ihrer Komfortzone heraus sein. Denn da wird kein Vater vorhanden sein und vor allem kein Aquariumclub, der ihr Halt gibt. Was das betrifft würde ich mich schon auf eine Fortsetzung egal in welcher Form freuen. Und Konatsu muss sich daran gewöhnen das letzte Schuljahr ohne Koyuki zu verbringen und sie muss sich darüber Gedanken machen, was sie wirklich von ihrem Leben noch will. Möchte sie wirklich auf dieser Insel bleiben oder möchte sie mit ihrem Vater zusammen wohnen, der einen sehr sprunghaften Charakter hat?

Was ich wahrscheinlich vor allem an dieser Reihe vermissen werde sind die zarten Zeichnungen, die voller liebevoller Details stecken. Immer wieder entdeckt man Panels bei denen man kurz innehalte kann. Und es gibt unendlich viele Nebenhandlungen, die viel über die einzelnen Charaktere aussagen. In diesem Band ging es ja wirklich viel über Kaede und es war schon sehr spannend zu sehen, wie sie mit all den Veränderungen umgeht.


#9. Band: 

Wenn ich mir die bisherigen Bände etwas genauer in Erinnerung rufe, passt das Ende der Reihe perfekt dazu. Es überrascht einen wenig und die Handlung geht genauso unspektakulär wie vermutet zu Ende. Was ich aber absolut nicht schlimm finde, schließlich geht es ja um eine sehr zarte freundschaftliche Beziehung und wie lange es dauert bis die beiden Mädchen über ihren eigenen Schatten springen und einander vertrauen. Diesbezüglich wird auch die Geschichte des Salamanders noch einmal ausführlich erklärt und es ist schön zu sehen, wie solche Aspekte im Laufe der Handlung immer wieder aufgegriffen werden. Und somit den roten Faden bilden, der einen bis zum Schluss begleitet.

Abgerundet wird das alles durch den fantastischen Zeichenstil, der mich oft genug an nicht fertig ausgearbeitete Skizzen erinnert. Und somit der ganzen Geschichte etwas fragiles und Wärme gab, die bei perfekt ausgearbeiteten Zeichnungen wahrscheinlich nicht entstanden wäre. Oft genug wird mit eindeutigen Bildern gezeigt wie es in den Mädchen aussieht und was sie bewegt. Das heißt anstatt auf Dialoge zu bauen werden gezielt Panels ohne Worte genutzt, die einem alles nötige vermitteln. Genau das vermisse ich bei vielen Mangareihen heutzutage und deshalb bin ich immer wieder froh darüber, wenn ich welche in genau diesem Stil finde.

Das Hauptthema Erwachsen werden steht bis zum Schluss im Vordergrund und so ist es ganz verständlich, dass es auch unter anderem darum geht sich an Sachen festzuklammern und diese loslassen zu müssen. In vielen Büchern rund um dieses Thema wird das ja gerne ziemlich verzerrt dargestellt und man darf halt nicht vergessen, dass beide Hauptprotagonisten es gewohnt sind alleine zu sein. Und sie somit gar nicht so genau wissen wie zum Beispiel eine Freundschaft funktioniert oder eine gesunde Beziehung aussieht. Auch darum geht es immer wieder und es ist schön zu sehen, dass das mal aufgegriffen wird. Es gibt wirklich wenige Reihen über schüchterne und introvertierte Teenager und hier wird deutlich gezeigt, wie eine solche Freundschaft aussehen kann und das ohne eine Wertung dieser vorzunehmen. Das wäre einfach nicht richtig, schließlich bekommt man nur wenige Ausschnitte aus dem Leben der beiden gezeigt und man weiß ja nicht wie sie sonst miteinander agieren. 

Ein wenig schade ist es natürlich schon, dass all die Andeutungen nicht zum Genre-passenden Ende geführt haben. Aber so ist nun einmal das Leben und deshalb fand ich das gar nicht so schlimm.


Freitag, 24. Dezember 2021

#426 Bücherregal - The underground railroad

    




TitelThe underground railroad
AutorColson Whitehead
VerlagAnchor
GenreHistorischer Roman
Seiten300 Seiten
Meine Bewertung
3/5

 Inhalt

Im 19. Jahrhundert war Cora eine Sklavin auf eine Baumwollplantagen in Georgia. Ihre Lebensumstände waren miserabel und als Eigentum des Besitzers, hatte sie absolut keine Rechte. Als sie von einem neuen Sklaven auf der Plantage von einer Fluchtmöglichkeit erfährt zögert sie nicht lange. Und tatsächlich schaffen es die beiden zur "underground railroad", ein Flüchtlingsnetzwerk was ihnen den Weg in die Freiheit bereiten könnte. Cora durchquert etliche Bundesstaaten, nimmt unterschiedliche Identitäten an und riskiert immer wieder ihr Leben. Schließlich könnte sie ein anderer Plantagenbesitzer verraten oder es könnte auffliegen, dass sie eben nicht freigekauft wurde.

Review

Beim Lesen merkt man immer wieder wie viel Recherchearbeit in dieses Buch geflossen ist. An einigen Stellen wird Bezug auf Originaldokumente genommen, die einem zum Beispiel zeigen wie damals nach entflohenen Sklaven gesucht wurde. 

Die Erzählperspektive ist wirklich gut gewählt, da Cora im Mittelpunkt steht und man aus ihrer Sicht erfährt wie es ist als Sklavin im 19. Jahrhundert in Amerika zu leben. Neben ihr kommen noch viele andere zu Wort, wodurch man ein relativ umfassendes Bild bekommt.

Leider wurde am Anfang des Buches nicht erwähnt, dass es sich bei "the underground railroad" um die Bezeichnung des Flüchtlingsnetzwerkes handelte und es quasi nur eine bildliche Umschreibung davon war. Das führte an manchen Stellen dazu, dass ich erst einmal gewisse bildliche Beschreibungen zu wörtlich genommen hatte und somit vieles komplett missverstanden hatte. Erst durch die anschließende Recherche ist mir klar geworden, dass meine Vorkenntnisse über den Sklavenhandel in Amerika sehr wohl korrekt waren und es keinen "Untergrundzug" gab. Hier hätte man viel deutlicher klar machen müssen was nun einfach nur Umschreibungen für Fuhrwagen mit Planen oder ähnlichem sind oder eben tatsächliche Schienen mit Zügen. Und die "stations" sind keines Falls Bahnhöfe, sondern einfache Häuser oder Bauernhöfe in denen die Flüchtlinge Unterschlupf finden konnten. An manchen Stellen erinnern mich diese Beschreibungen an Elemente aus der Phantastik, was der Geschichte etwas mystisches gab. Im englischen Klappentext wurde zum Beispiel erwähnt, dass die Umschreibung des Netzwerkes hier sehr wörtlich umgesetzt wurde. Jedoch findet das im deutschen keine Erwähnung und auch jetzt frage ich mich, ob man dadurch dem Ganzen überhaupt gerecht wurde. Den Eindruck hatte ich eher nicht, was einfach nur schade ist.

Ein weiteres Problem war für mich der Teils viel zu nüchtern anmutende Schreibstil. Natürlich kann man die Taten der Sklavenhändler für sich sprechen lassen und was das betrifft wären ausschweifende, dramatische Beschreibungen ohnehin nicht angemessen gewesen. Jedoch wirkte auf mich das alles zu distanziert und irgendetwas muss Cora gefühlt haben, ansonsten hätte sie nicht die Flucht ergriffen. Das alles wird durch den Erzählstil noch verschlimmert, da Zeitsprünge nicht ordentlich gekennzeichnet wurden und man quasi von Thema zu Thema springt ohne das je ein roter Faden erkennbar wird.

Und mein letzter Kritikpunkt ist, dass hier historische Fakten verändert wurden um eine interessantere Geschichte zu kreieren. An sich ist das ja nichts verwerfliches, jedoch geht es hier um das Thema der Zwangssterilisation und im Hinblick auf die amerikanische Geschichte wundert es mich wie lax hier damit umgegangen wurde. Man hätte einfach auf die Erwähnung davon verzichten sollen und stattdessen zeigen sollen was wirklich passiert ist. Da gibt es genug Grausamkeiten zu erwähnen und die, die erwähnt wurden hätte man eindringlicher formulieren müssen. 


Fazit

Alles in allem kann ich dem Buch nur 3 von 5 Sternen geben. Natürlich sind Geschichten über diese Zeit sehr wichtig, da sie ihm zeigen woher die heutigen Probleme in Amerika herkommen. Jedoch hat mir an diesem Buch vieles nicht gefallen und vor allem der Punkt mit dem zusammenwürfeln von historischen Fakten ging mir gewaltig gegen den Strich. Man sollte solche Themen wie Zwangssterilisation niemals nur aus Unterhaltungszwecken benutzen und dadurch Fiktion mit Realität in dem Maße verschwimmen lassen. Zudem wirkte für mich die Handlung an vielen Stellen zu surreal und unglaubwürdig, was wahrscheinlich hauptsächlich an den vielen, nicht ordentlich gekennzeichneten Metaphern lag. Dem Roman hätten 100 Seiten definitiv gut getan, einfach um der Handlung mehr Substanz zu geben.