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Freitag, 14. Juli 2023

#540 Bücherregal - Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden.

   

 



Titel
Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden.
AutorRaúl Aguayo-Krauthausen
VerlagRowohlt Verlag
GenreSachbuch
Seiten240 Seiten
Meine Bewertung
4,5/5


 Inhalt

Wie sieht es Deutschland in Sachen Inklusion aus? Und was ist überhaupt Ableismus? Warum ist es so wichtig die Betroffenen mitentscheiden zu lassen? Und wie kann es uns gelingen Barrieren abzubauen und eine wirklich inklusive Gesellschaft zu werden?

Review

Der Autor zeigt in diesem Buch wie Inklusion gelingen kann. Zudem erläutert er ausführlich warum diese für unsere Gesellschaft so wichtig. Leider gibt es was das betrifft immer noch zu viele Vorurteile und viele Verantwortliche drücken sich davor diese wirklich anzugehen.

Direkt zu Beginn wird das Oberthema Inklusion und alle dazugehörigen Begriffe leicht verständlich erklärt. Allein deshalb sollte jeder das Buch lesen um zu verstehen warum der Status quo nicht okay ist und sich einige darüber aufregen, dass die Begriffe oft genug im falschen Kontext genutzt werden.

Besonders gut hat mir der sachliche Schreibstil vom Autor gefallen. Er schafft es diverse Themen ohne erhobenen Zeigefinger und nachvollziehbar zu erläutern. Und um seine Thesen zu untermauern lässt er verschiedene Personen in Interviews zu Wort kommen. Dadurch wird das alles von allen möglichen Seiten beleuchtet und zeigt einmal mehr, dass uns allen Inklusion wichtig sein muss.

Vor allem der Abschnitt über die Wohlfahrtsverbände zeigt erschreckend wie wichtig es ist über Inklusion zu reden. Schon seit Jahren versuche ich mein Umfeld über die Missstände aufzuklären und viele sind erschrocken darüber, dass die Realität eben ganz anders als in der Werbung oder auf den Plakaten aussieht. Und dass diese Organisationen teils die vermeintliche Inklusion für ihren eigenen Profit ausschlachten und diejenigen noch mehr an den Rand der Gesellschaft drängt. Dort werden diese dann mit aller Macht gehalten, damit diese als Einnahmequelle dem System erhalten bleiben. Das heißt eine richtige Integration in den 1. Arbeitsmarkt findet nicht statt. Leider wird das von vielen Firmen unterstützt, die mitunter auch noch versuchen ihr Image damit zu verbessern. Und dem Kunden wird dann suggeriert, dass sie etwas Gutes bei dem Kauf von dem Produkt leisten.


Fazit

Im Buch wird immer wieder gezeigt wie wichtig es ist Betroffene in Entscheidungsprozesse einzubinden. Und der Titel fasst wunderbar den Inhalt zusammen. Von mir gibt es aus den oben genannten Gründen eine klare Leseempfehlung, denn Inklusion geht uns alle an.

Mittwoch, 15. Juli 2020

#002 Manga und Verfilmung - I hear the sunspot







Taichi ist auf der Suche nach einem Job, denn mal wieder wurde er gekündigt und er braucht das Geld dringend um weiter studieren zu können. Am schwarzen Brett sieht er den Aushang, dass jemand einen Notizenschreiber für die Vorlesungen sucht und genau scheint in Taichis Augen ein leichter Job zu sein. Doch schnell merkt er, dass der Job einiges von ihm abverlangt und für ihn springt auch nur regelmäßiges Mittagessen dabei raus. Sein Auftraggeber ist der hörgeschädigte Kohei, dem es schwer fällt Anschluss zu finden und der mit Taichis lauter, aufdringlicher Art anfangs Schwierigkeiten hat.




TitelI hear the sunspot
AutorGengoroh Tagame
VerlagCarlsen
GenreFiktion/LGBT
Bände2
Meine Bewertung
4/5

#1. Band:
Was mir während dem Lesen positiv aufgefallen ist, dass es wirklich viel um Selbstreflektion geht und Taichi viel über sein Verhalten nachdenkt. Er merkt schnell, dass es nicht okay ist die Behinderung von Kohei zu romantisieren und mit was für Vorurteilen er zu kämpfen hat. Denn das Umfeld von Kohei lässt ihn permanent spüren, was es von seiner Behinderung hält. Deshalb ist es auch so schön zu sehen, wie Taichi sich Mühe dabei gibt ihn zu verstehen und dafür ist es auch wichtig über seine eigenen Fehler nachzudenken und sein eigenes Verhalten zu korrigieren. Und Kohei ist nicht nur der Hörgeschädigte, sondern man lernt allerhand über ihn und genau das ist zur Abwechslung mal schön. Leider gibt es ja genug Literatur in denen der einzige Mensch mit Behinderung nur dazu dient ein Klischeehaufen dieser darzustellen. Taichi versucht zudem zu keinem Zeitpunkt Kohei zu retten und genau das mag ich an dieser Reihe.

So wirklich viel passiert im ersten Band nicht und das ist auch gut so. Man lernt die beiden Hauptprotagonisten kennen und die Freundschaft zwischen den beiden entwickelt sich ganz langsam, was das alles so realistisch wirken lässt. So wirklich unter BL würde ich das alles nicht einordnen, da dieser Part wirklich sehr klein ist.
Der Zeichenstil hat mir jetzt nicht so zugesagt, da mir die Gesichter zu stilisiert waren und mir manche Panels einfach unsauber gearbeitet vorkamen. Zum Beispiel waren die Linien bei Nahaufnahmen zu verwackelt. Der Stil ist auf alle Fälle eher schlicht und beschränkt sich auf das wesentliche.


#2. Band:
Der Zeichenstil hat sich zum Positiven entwickelt und ich finde es einfach schön eine Fortsetzung zum ersten Band zu haben, auch wenn diese nie geplant war und eigentlich auch nicht nötig ist.

Der Fokus liegt dieses Mal auf dem großen Wort Missverständnis/Misskommunikation und es zeigt sich einfach wie wichtig es ist miteinander zu reden wenn dieses passiert. Das alles hätte man vielleicht etwas kürzer fassen können, aber dann hätte der Band wahrscheinlich auch nur 20 Seiten. Die Hintergründe dafür fand ich etwas überzogen, aber vielleicht gibt es ja wirklich Menschen die so handeln?

Am besten hat mir bisher die Charakterentwicklung gefallen und wie sehr die beiden miteinander wachsen und vor allem lernen. Lediglich auf Maya hätte ich sehr gerne als Charakter verzichtet, da sie mir einfach zu kindisch und besitzergreifend war. Und sie für viele absolut unnötige Probleme gesorgt hatte, die dann noch in die Länge gezogen wurden.

Der BL-Teil ist wieder verschwindend gering, was mich aber absolut nicht gestört hat. Es ist ein toller Manga über Freundschaft und Erwachsenwerden in denen so Themen wie Hörschädigung und ein wenig Homosexualität vorkommen. 






TitelSilhouette of your voice(Hidamari ga kikoeru)
DirectorDaisuki Kamijo
SchauspielerHideya Tawada(Kohei Sugihara), Akira Onodera(Taiichi Sagawa)
Länge72 Minuten
Meine Bewertung
3/5


Auch wenn ich es eigentlich nicht so mag finde ich es dieses Mal schön, dass der Film nur eine Stunde lang war. So lässt er sich schön zwischendurch gucken und die Handlung beschränkt sich auf das wesentliche. Wie bei der Mangareihe steht die Freundschaft zwischen den beiden im Vordergrund. Im Film wird nur das gezeigt was im ersten 1. Teil passiert und da ist nicht wirklich viel, schließlich passiert erst im 2. Teil das wirklich interessante und aufregende. Deshalb würde ich den Film auch nicht in das BL-Genre einordnen, da hier einfach wichtige Elemente dafür fehlen. Leider fehlt dem Film die Tiefe und der Wow-Effekt, der ihn zu mehr machen würde als einen schönen Film für zwischendurch.

Positiv fällt vor allem die Darstellungsweise von Kohei auf, denn immer wieder wird ganz nebenbei gezeigt wie sich seine Hörschädigung im Alltag zeigt. Vor allem Tinnitus oder dieses keine Stimmen ausmachen können wenn viele reden kenne ich selbst und es ist immer wieder schwer das anderen begreiflich zu machen. 

Die Auswahl der Schauspieler finde ich auch klasse, da es mal unbekanntere Gesicht sind. Und ich finde sie passen einfach zu ihren Rollen bzw. stellen diese gut da.
Wegen der Kritikpunkte gebe ich dem Film nur 3 von 5 Sternen.




Mir hat der Manga besser gefallen, da er einfach mehr Tiefgang hat und wichtige Dinge anspricht. Ich finde es immer wieder schön Literatur zu finden bei denen Behinderungen egal in welcher Form nicht romantisiert werden und nicht der Hauptfokus sind. Es sollte wirklich mehr in die Richtung geben, denn leider gibt es viel zu viel Inspiration Porn auf dem Markt oder sonstige fragwürdige Literatur darüber.

Mittwoch, 24. Juni 2020

#11 Graphic Novel - Mooncakes





TitelMooncakes
AutorStory: Suzanne Walker, Zeichnerin: Wendy Xu
VerlagOni Press
GenreFantasy
FormatSoftcover
Seiten
256
Meine Bewertung
3/5

 Inhalt

Nova Huang lebt in New England und hilft regelmäßig im Bücherladen ihrer Großmütter aus. Sie ist eine Junghexe, aber trotz ihres Alters weiß sie viel über Magie. Als eines Tages durch den Wald geht entdeckt sie einen weißen Wolf, der sich als ihr Kindheitsschwarm Tam Lang herraus stellt. Tam bleibt nichts anderes übrig als bei Nova Schutz zu suchen, da hinter ihnen dunkle Mächte her sind.

Rezension

Was ich wirklich gut finde ist, dass es mal nicht die typischen Hauptprotagonisten sind. Stattdessen hat man chinesisch-amerikanische, wobei der Werwolf non-binär ist und die Hexe queer und schwerhörig ist. Das alles spielt aber keine große Rolle und wird halt nur nebenbei immer mal wieder erwähnt, was ich wirklich schön finde. Auch sonst sind die Charaktere sehr divers und respräsentieren viele, die man sonst nicht so in Comics/Graphic Noveln sieht. So etwas sollte einfach normalisiert werden und ich finde es immer wieder schön zu sehen, dass endlich genau das passiert.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Farbauswahl. Es wirkt mystisch und ich mag es einfach, wenn die Farben so wirken als hätte jemanden einen violetten Filter drüber gelegt. Die Panels sind größtenteils wirklich schön gezeichnet und man findet viele kleine tolle Details. Die Gesichter haben wir jetzt nicht ganz so zugesagt, da der mir der Stil nicht so zusagt.

Leider bleiben die Charaktere oberflächlich und es fehlt einfach die nötige Hintergrundstory um ihre Handlungen wirklich nachvollziehen zu können.

Was mich beim Lesen irriert hat ist, dass es keinen wirklichen Anfang und kein Ende gibt. Man wird in die Story hinein und einfach komplett ohne Vorwarnung wieder raus geschmissen. Mitten drin gibt es dann noch eine Liebesgeschichte, die plötlzlich aus dem Nichts aufploppt. An sich ist diese schön aufgebaut, aber als Leser würde ich ja schon gerne wissen warum die auf einmal da ist. So fühlt es sich einfach so an als hätte man keine Lust mehr auf die derzeitige Beziehung der beiden gehabt und hätte für den Fortlauf der Geschichte das alles auf ein neues Level heben müssen. Dabei kommen Geschichten auch sehr gut ohne so etwas aus.

Vieles ist auch komplett vorhersehbar, weil man die Storylines einfach schon von den meisten Comics/Geschichten in dem Genre kennt und leider wird hier kaum versucht mit Überraschungen zu arbeiten. So bleibt leider ein "Aha"-Moment völlig aus und ich finde es einfach schade, wenn einem so eine Story nicht zum Nachdenken anregt, geschweige denn ein länger anhaltendes Gefühl hinterlässt. Stattdessen hatte ich mir nach dem Lesen nur gedacht, dass es ja ganz okay war und es jetzt endlich mit etwas anderen weiter gehen kann. Was wahrscheinlich hauptsächlich daran liegt, dass ich zu keinem der Charaktere irgendeine emotionale Bindung aufbauen konnte und es mir deshalb auch relativ gleichgültig war was passiert.

Fazit

Wegen der Kritikpunkte gibt es nur 3 von 5 Sternen, da es leider nur ein sehr kurzlebiger Webcomic ist und es zu viele Kritikpunkte gibt.

Freitag, 21. Juni 2019

#213 Bücherregal - Die Endlichkeit des Augenblicks


TitelDie Endlichkeit des Augenblicks
AutorJessica Koch
VerlagRowohlt Taschenbuch
GenreLiebesroman
Seiten320 Seiten
Meine Bewertung

 Inhalt

Sam lernt den querschnittsgelähmten Basti und dessen besten Freund Josh kennen. Während der erstere mit seiner Behinderung scheinbar klar kommt, plagen den anderen Schuldgefühle. Denn Basti nur wegen einer Mutprobe von den beiden im Rollstuhl. Prompt verliebt sich Sam in beide und hadert mit sich selbst.

Review

Der Schreibstil ist angenehm flüssig zu lesen und man kann sich alles gut vorstellen. Die Charaktere sind rund und haben nicht nur stereotypische Eigenschaften. Vor allem Sam und Basti fand ich sympathisch.
Durch die vielen Wendungen blieb die Handlung spannend.
Das Cover ist durchaus passend und liebevoll gestaltet.

Aufgrund der guten Bewertungen hatte ich viel mehr erwartet.
An manchen Stellen liest sich das Buch wie ein Skript für eine schlechte Telenovela.
Vor allem das Ende fand ich sehr absurd und man konnte es schon relativ früh vorhersehen. Es wirkt einfach viel zu gewollt und klischeehaft. Es ist einfach nur erzwungen.
Besonders der Handlungsstrang rund um Josh war einfach zu konstruiert. Diesen hätte man einfach mehr ausarbeiten müssen um den Ganzen die nötige Tiefe zu geben. So wirkt es einfach viel zu realitätsfern. Das Leben ist nun einmal hart und psychische Probleme lassen sich nicht so leicht lösen!
Den Übergang zwischen Prolog und Hauptgeschichte fand ich zu abrupt. Das hat mich ziemlich verwirrt, da auch erst im Hauptteil Namen auftauchen und man auch erst mitten im Buch erfährt was wirklich am Anfang geschehen ist. Ich hatte die ganze Zeit gedacht einer der Figuren läge auf den Gleisen hätte dabei seine Beine verloren. Das hätte man definitiv geschickter in den Handlungsverlauf einbauen können.
Es tauchen zu viele Charaktere auf für so wenige Seiten. Einige Themen werden angerissen, aber nie so wirklich richtig zur Sprache gebracht. Dadurch bleiben viele Charaktere blass und unscheinbar, weshalb man sie leicht durch andere ersetzen kann.
Es gibt eine Dreiecks- bzw. Vierecksbeziehung. Davon muss schon „Fan“ sein, ich bin es auf jeden Fall nicht und erst recht nicht bei so einem klischeehaften Ende.
Die Handlung wird leider von zu vielen Charakteren erzählt, was ich als sehr anstrengend empfand.
Oft klang es so, als müssten die beiden männlichen Hauptprotagonisten gar nicht arbeiten.

Allgemein gesehen liegt der Fokus auf der Behinderung von Basti. Es wurde unter anderem geschrieben, er sei an den Rollstuhl gefesselt oder er könne bestimmte Dinge einfach nicht. Ich frage mich da, ob die Autorin tatsächlich einmal mit querschnittsgelähmten Menschen geredet hat. Hier hätte man mehr auf die Wortwahl achten können und auch sensibler mit dem Thema an sich umgehen können. 

Fazit

Das Buch ist dünn und relativ schnell durch gelesen. Es eignet sich prima für zwischendurch, jedoch fehlt diesem die Tiefe und das gewisse Extra. Mich hat die Handlung einfach nicht berührt.
Wenn man nichts tiefgründiges erwartet ist das Buch ganz okay. Und es sollte einen nicht stören, dass der Fokus auf den Einschränkungen einer querschnittsgelähmten Person liegen. Manchmal habe ich mich schon gefragt warum sich die Hauptprotagonisten so über diese Einschränkungen auslässt.
Irgendwie bin ich mit dem Buch einfach nicht warm geworden. Bei so einem Thema erwarte ich mehr Tiefe. So erscheint es mir, als würde die Autorin nur eine möglichst dramatische Storyline auf Zwang zusammen basteln.