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Mittwoch, 19. Mai 2021

#15 Graphic Novel - Queer

   





TitelQueer: A graphic history
AutorStory: Meg-John Barker, Zeichner: Julia Scheele
VerlagIcon-Books
GenreLGBT/Soziologie
FormatHardcover
Bände1(176 Seiten)
Meine Bewertung

 Inhalt

Wie hat sich unser Verständnis über das Geschlecht und die Sexualität im Laufe der Zeit verändert? Und was ausschlaggebend dafür, dass wir überhaupt die heutigen Ansichten haben? Was bedeutet überhaupt "sexuelles Spektrum"? Und vor allem was sorgte dafür, dass sich die Sichtweise über die Jahre hinweg stetig verändert hat.

Rezension

Ein Großteil der Theorien wird mit je 2-3 Sätzen erklärt und meistens helfen die Bilder einem nicht dabei das alles wirklich zu verstehen. Einige Seiten musste ich öfters lesen und habe sie trotzdem nicht verstanden. Hier hätte man das alles aufs wesentliche herunterbrechen und das dann wirklich für den Laien verständlich erklären sollen. Und die meisten Theorien sind einfach zu komplex um genau das mit ihnen zu machen. Zumal sie nur im historischen Kontext Sinn ergeben und diese Einordnung fehlt vollkommen. Stattdessen werden einige auf die heutige Zeit bezogen, was natürlich absolut keinen Sinn ergibt. Allgemein hätte ich mir Informationen über die Entstehungszeit und die damalige Gesellschaft gewünscht, einfach um all das genannte besser einordnen zu können.

Stattdessen wird vieles einfach aus dem Kontext herausgerissen und man erfährt zum Beispiel gar nicht, dass das genannte nur Teil einer sehr umfangreichen "Queer Theorie" derjeweiligen Person war. Und im Zuge dessen wirklich mehr als verwerfliche Definitionen/Erklärungen formuliert wurden.

Dann kommt noch die eigene Interpretation des Autors hinzu, die dort absolut gar nichts zu suchen hat und wenn als solche gekennzeichnet werden muss. Und wenn man einige Theorien recherchiert, bekommt man von ihnen ein komplett anderes Bild als in dieser Graphic Novel vermittelt wird.
Ein anderes Problem hatte ich mit der Definition von LGBT/Queer. Man hat das Gefühl als wolle der Autor mit allen Mitteln versuchen jeden in diese Gruppe zu zwängen, auch wenn dieser hetero ist und "nur" einen Fetisch hat. Hier werden einige wirklich sehr fragwürdige Aussagen getätigt und einiges wird so vereinfacht dargestellt, dass man keiner der genannten Gruppen wirklich gerecht wird.

Letztendlich frage ich mich warum das alles überhaupt als Graphic Novel herausgegeben wurde. Viel zu oft sieht man nur Porträts der einzelnen Personen und meist schmücken die dann die komplette Seite und werden im Laufe des Buches wieder verwendet. Dadurch geht jede Menge Platz flöten und die Gesichter der Personen helfen einem ja absolut nicht dabei die Theorien wirklich zu verstehen. Wenn dann mal Schaubilder zu sehen sind, ergeben sie selten Sinn. Bei manchen muss man auch erst einmal rätseln wie man sie überhaupt zu lesen hat. Der Text ist dann meistens am Anfang oder ans Ende der Seite gequetscht und wenn man Glück hat passt er sogar zu dem gezeigten und hilft einem dabei das alles zu verstehen.


Fazit

An sich bietet die Graphic Novel einen guten Einblick in die einzelnen Theorien, jedoch hatte ich aufgrund des Klappentextes etwas anders erwartet. Aufgrund der Kritikpunkte vergebe ich 2 von 5 Sternen. Mir waren die Texte zu akademisch und kompliziert verfasst, weshalb ich vieles mehrfach lesen musste. Mir fehlte oft das Hintergrundwissen um alles richtig einordnen und verstehen zu können, was irgendwann einfach nur noch ärgerlich war. So ein Thema als Graphic Novel umzusetzen klappt einfach nicht, da die Theorie an sich schon unheimlich komplex sind und man sie ohne historische Einordnung nur schwer nachvollziehen kann.

Mittwoch, 30. September 2020

#42 Booktalk - The music of what happens

   Hallo,


vor kurzem hatte ich "The music of what happens" von  Bill Konigsberg gelesen und deshalb gibt es heute den passenden Booktalk, da mir einige Stellen in dem Buch total missfallen haben.




TW: Vergewaltigung, psychische Erkrankung
Max und Jordan könnten unterschiedlicher sein und nur durch Zufall lernen sie sich beide näher kennen, obwohl sie beide auf die gleiche Schule gehen. Denn als Max sieht wie wenig Jordans Mutter mit der Arbeit in dem Foodtruck aus den 1980ern zurechtkommt bietet er kurzerhand seine Hilfe an. Und bei der Arbeit stellen sie schnell fest, dass sie ein gutes Team bilden. Doch dann kommen Probleme auf und sie müssten sich ihrer größten Angst stellen.

Eigentlich wollte ich das Buch schon nach dem ersten Drittel abbrechen, aber dann hatte ich mich doch dazu entschieden es zu Ende zu lesen um einen längeren Blogeintrag darüber zu verfassen. Leider werde ich einige Spoiler nicht verhindern können, aber die Abschnitte könnt ihr ja einfach beim Lesen überspringen. 

Normalerweise habe ich absolut kein Problem damit die Namen von so wenigen Hauptprotagonisten auseinander zu halten. Jedoch fiel mir das dieses Mal außerordentlich schwer und deshalb nenne ich sie einfach nur "Jungs" in diesem Booktalk. Während dem Hörbuch habe ich die beiden gedanklich in "extrem nerviger Sprecher" samt ätzender Freundinnen und "okayer Sprecher" mit nervigen männlichen Freunden unterteilt. Vor allem die Freundinnen wurden stimmlich ganz grausam und anstrengend dargestellt. Und mir fiel es wirklich schwer dem Drang zu widerstehen einfach auf überspringen zu klicken, was ich auch an ein paar Stellen getan habe.

Ein ganz großes Problem habe ich mit den beiden Hauptprotagonisten Max und Jordan. Warum mussten beide eine traurige Geschichte haben? Weit hergeholt ist das ja nicht, aber mir erschien es dann doch zeitweise sehr gewollt und als hätte man das Traurige wie die Nadel im Heuhaufen gesucht um ja keine Fröhlichkeit aufkommen zu lassen. 

Dann waren da noch die Freunde, die ich echt nur unter viel Widerwillen so nennen kann. Was sind das für abartige, selbstverliebte, eklige Personen? So einen wünscht man einfach niemanden und man kann einen liebevoll auf den Arm nehmen, aber nicht so wie die es machen. Viele Sprüche waren einfach nur verletzend und oft hatte ich mir gewünscht die beiden Jungs hätten mehr Selbstbewusstsein um denen einfach mal die Meinung zu sagen.

[Spoiler!] Wie an der Triggerwarnung zu erkennen kommt es unter anderem zu einer Vergewaltigung. Musste das wirklich noch in die Handlung rein? Okay man muss mehr darüber reden, ich will hier auch absolut kein Victim-Blaming machen. Jedoch wurde hier absolut nicht sensibel mit dem Thema umgegangen und irgendwie habe ich das Gefühl als wäre es nur gewählt wurden um Woke rüber zu kommen. Es ist absolut gar nichts wofür man sich schämen muss, aber wie wahrscheinlich ist bitte schön das Verhalten des Jungen? Und vor allem wieso wird er von der Mutter seines Freundes in die Notaufnahme gefahren(falls es die Notaufnahme war)? Als wäre das alles gar nicht so schlimm und wirklich nichts worüber man sich ernsthaft Gedanken machen müsste? Und warum geht man nicht ausführlich darauf ein? Das alles fühlt sich so konstruiert, so unnatürlich an. So eine Vergewaltigung ist ja absolut keine Kleinigkeit und da hatte ich mir einfach einen anderen Umgang gewünscht. Für mich kam es einfach nicht so rüber, dass er aus Schock emotionslos war und selbst dann müsste doch wenigstens das Umfeld anders damit umgehen. 

[Spoiler!]Dann fand ich den ganzen Umgang mit der psychischen Erkrankung der Mutter echt komisch? An sich ist der Junge doch noch minderjährig, aber darauf wird absolut nicht eingegangen und stattdessen gibt es wie zu erwarten ein rosarotes Ende. Was echt schnulzig ist und einfach nur unpassend. Die Realität ist da schon um Welten härter und ich finde es einfach nur abartig, wenn man eine psychische Erkrankung nutzt um unnötiges Drama zu produzieren. Und dann ein Szenario kreiert, was selbst in den USA vollkommen unwahrscheinlich ist. Allein das Minderjährige einen Foodtruck ohne Lizensen(später mit?) führen und so lange damit durchkommen ist schon echt weit hergeholt. 

Auf dieses Buch hatte ich mich unheimlich gefreut und finde es einfach nur schade ihm nur 1,5 von 5 Sternen geben zu können. Für mich gehört einfach zu einem Buch dazu mit Themen wie Vergewaltigung und psychischen Erkrankungen sensibel umzugehen und da ist es vollkommen egal, ob jetzt die Zielgruppe Jugendliche, junge Erwachsene oder eben ältere Personen sind. Es ist nun einmal kein wokes Storyelement, was man einfach so nutzen kann um zu zeigen wie sehr man am Zahn der Zeit ist. Solche Themen sollte man respektvoll behandeln und den Charakteren Zeit geben sich mit all dem auseinander zu setzen. Ansonsten trägt man nur dazu bei ein viel zu rosarotes Bild zu kreieren, was leider nur ein Zerrbild der Wirklichkeit ist. Und so eine Begründung "Schmerz/Trost"-Trope zählt für mich bei so etwas nicht, denn auch bei dem Trope sollte man den Teil Rund um den Schmerz mit dem nötigen Fingerspitzengefühl aufbauen.

Kennt ihr das Buch? Wie findet ihr es?

Viele Grüße

Sonntag, 20. September 2020

#012 Graphic Novel - Pumpkinheads







TitelPumpkinheads
AutorStory: Rainbow Rowell, Zeichnerin: Faith Erin Hicks
VerlagFirst Second
GenreRomance/Contemporary
FormatSoftcover
Meine Bewertung
4,5/5

 Inhalt

Seit drei Jahren arbeitet Josiah nun auf dem Festival und seit dem hat er sich in ein Mädchen verguckt. Doch bisher hatte er immer Ausreden dafür gefunden, warum er sie nicht einfach einmal ansprechen kann. Dieses Jahr ist es für ihn das letzte Kürbisfestival, denn nächstes Jahr wird er aufs College gehen und dafür keine Zeit mehr haben. Als Deja davon erfährt entschließt sie sich dazu genau das zu ändern. Während der letzten Nacht vom Festival versuchen sie das in Angriff zu nehmen. 


Rezension

Wie genial harmonieren bitte der Zeichenstil und die Colorierung miteinander? Die Farben sind einfach traumhaft und man entdeckt so viele liebevolle Details beim Lesen. Hier lohnt es sich auf alle Fälle sich die Panels für längere Zeit anzugucken, denn es gibt auf manchen Seiten wirklich viel zu entdecken. Alles ist total schlicht, aber genau das finde ich macht das alles auch aus. Der Zeichner schafft es trotz der recht einfach gehaltenen Panels alles wichtige dem Leser aus den ersten Blick mitzuteilen. Dadurch gibt es nur wenige Sprechblasen und ich finde es einfach erstaunlich, wie gut das gelingt. Und es ist einfach toll, dass der Stil der Colorierung samt der Farbwahl bis zum Ende durchgezogen werden. Die Charaktere wirken unheimlich dynamisch und ganz so, als würden sie wirklich gerade beim Laufen "fotografiert" wurden sein. Um noch einmal auf die Farbwahl zurückzukommen: Die Farben harmonieren wunderbar miteinander und geben dem ganzen eine nostalgische, traumhafte Stimmung. 
Die beiden Hauptcharaktere Deja und Josiah sind einfach total sympathisch und ich finde es einfach schön, wie sehr sie sich ergänzen. Deja ist extrovertiert und direkt, während Josiah introvertiert ist und gefühlt 1.000 Ausreden findet. Es ist total spannend zu sehen wie unterschiedlich sie mit den einzelnen Situationen im Laufe der Handlung umgehen. Die Dialoge zwischen den beiden wirken einfach nur natürlich.

Immer wieder musste ich während dem Lesen an die eigenen Erntedankfeste/Herbstfeste/Kürbisfeste denken, die ich bisher besucht habe. Und ich finde es wirklich schön, dass diese überhaupt einmal in einem Comic/Graphic Novel auftauchen. Solche Feste haben einfach einen ganz speziellen Charme, was wahrscheinlich auch dem Ort des Geschehen geduldet ist. Während dem Lesen hatte ich immer das Rascheln von Laub bzw. Stroh im Hinterkopf und den Geruch von einem Lagerfeuer, welches in der Nähe brennt. 

Leider war die Geschichte schnell aus erzählt, auch wenn sie an für sich die richtige Länge hat. Es gibt halt welche, die hätte man gerne in einer endlos Version und das hier wäre so eine. Und wenn ich das Ende betrachte, dann lädt es quasi zu einem Sequel ein. Wobei man wahrscheinlich das alles nicht mehr toppen kann.

Fazit

Alles in allem ist es eine Feel-Good-Story ohne viel Tiefgang, die mich aber trotzdem gut unterhalten hat und Lust auf Gerichte mit Kürbis gemacht hat. Und natürlich auf ein ganz klassisches Herbstfest, bei dem noch die alten Traditionen im Vordergrund stehen und nicht der Verkauf von allerhand Schnickschnack. 

Sonntag, 19. Juli 2020

#007 Comic - Check, Please!







Titel(Englisch)Check, Please!
AutorNgozi Ukazu
ZeichnerNgozi Ukazu
VerlagFirst Second
GenreSport/LGBT
Bände
1-4
Meine Bewertung
4/5

 Inhalt

Bitty stellt schnell fest, dass Hockey an der Universität vollkommen anders ist als Clubhockey. Denn dort gibt es Checking und das ist ihm dann doch zu brutal. Schließlich hatte er deshalb auch sehr zum Bedauern von seinem Dad kein Football spielen wollen. Stattdessen hatte er sich mehr für Eiskunstlauf interessiert, Vlogs drehen und backen. Und vor allem beim Eiskunstlauf war er ziemlich weit gekommen. Doch jetzt ist er am College und muss sich an diese doch recht brutale Spielweise erst einmal gewöhnen. Und natürlich an den launigen Teamkapitän Jack.


Rezensionen

#Band 1-2:
Eigentlich bin ich ja kein Fan von diesem Zeichenstil, denn diese komischen Proportionen, eckige Hände und vieles finde ich einfach total schrecklich. Trotz allem hatte ich mich dazu entschlossen diese Webcomicreihe zu lesen, denn die Farbauswahl, der Aufbau der Panels und generell die Hintergrundzeichnungen sind einfach klasse und könnte ich stundenlang angucken.

Ein anderer Pluspunkt ist die realistische Handlung, denn auch das Thema Homophobie kommt mehrmals zur Sprache und warum Eric halt nicht geoutet ist. Wer hier also in den ersten zwei Bänden eine Liebesgeschichte sucht, der wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Und ich finde es gut mal einen Comic zu sehen bei dem halt Hockey und alles im Vordergrund steht und keine Liebesgeschichte.
Die einzelnen Protagonisten sind leicht zu unterscheiden und ich finde es toll, das sie alle so unterschiedlich sind. Und sie sind halt kein reiner Klischeehaufen, was ein weiterer Pluspunkt ist. Vor allem ist es schön Eric beim Backen und Vlog drehen zuzugucken, denn die Kombination sieht man bei männlichen Hauptprotagonisten in dem Genre so gut wie nie.

Beim Lesen merkt man immer wieder, dass es sich hierbei um einen Webomic in Episodenform handelt. Das war mir von Anfang an klar und ich empfand es deshalb auch nicht schlimm, dass immer mal wieder große Sprünge in der Handlung gemacht wurden und man vieles deshalb als Leser nicht weiß. Trotzdem merkt man wie sehr sich die Charaktere im Laufe der Geschichte entwickeln und vor allem natürlich auch, dass Eric/Bitty erwachsener und mutiger wird.

Was ist das am Ende nur für ein fieser Cliffhanger? Das was passiert ist wurde wie oft angedeutet und es war wirklich toll zu sehen, dass es auch so gekommen ist. Aber genau an dem Punkt zu enden ist einfach nur fies.

#Band 3-4:
In diesem Band geht es hauptsächlich darum was es bedeutet ein queerer Athlet zu sein und es eben nicht für jeden selbstverständlich ist und sie nach wie vor Anfeindungen erleben. Und es halt nicht normal ist, dass andere Menschen sich für queere Menschen einsetzen und zum Beispiel homophobe Kommentare unterbinden.

Ein weiterer Punkt in diesem Band ist das große Thema "sich outen", was auch gut umgesetzt wurde. Es wird hier nichts großartig geschönt und man merkt richtig wie schwer es den Betroffenen fällt darüber zu reden. Weil sie halt in einem Umfeld groß geworden sind in dem Homophobie normal war und sie genau das immer im Hinterkopf haben.

Hauptsächlich geht es aber in diesem Sammelband um Freundschaft, Zusammenhalt und Hockey und das ist einfach ein schöner Ausgleich zu diesen beiden doch recht zuweilen recht traurigen Themen. Es zeigt halt einfach, dass es am Ende des Tages wichtig ist die richtigen Leute um sich zu haben und es vollkommen okay ist um Hilfe zu bitten. Und natürlich, dass es okay ist keinen Masterplan zu haben und nicht zu wissen was man nach dem College machen möchte.

Vor allem die Charakterentwicklung über die vier Bände hinweg ist mir aufgefallen und ich finde es schön, wie sich die ganzen Hauptprotagonisten verändert haben und durch die verschiedenen Herausforderungen gewachsen sind.

Einerseits ist es wirklich schade, dass die Reihe zu Ende ist. Aber andererseits wurde genau der richtige Zeitpunkt gewählt für dieses Ende und es lässt einem als Leser alle Möglichkeiten offen um die Geschichte weiter zu erzählen(zu dem Webcomic gibt es jede Menge Fanfictions).

Mittwoch, 15. Juli 2020

#002 Manga und Verfilmung - I hear the sunspot







Taichi ist auf der Suche nach einem Job, denn mal wieder wurde er gekündigt und er braucht das Geld dringend um weiter studieren zu können. Am schwarzen Brett sieht er den Aushang, dass jemand einen Notizenschreiber für die Vorlesungen sucht und genau scheint in Taichis Augen ein leichter Job zu sein. Doch schnell merkt er, dass der Job einiges von ihm abverlangt und für ihn springt auch nur regelmäßiges Mittagessen dabei raus. Sein Auftraggeber ist der hörgeschädigte Kohei, dem es schwer fällt Anschluss zu finden und der mit Taichis lauter, aufdringlicher Art anfangs Schwierigkeiten hat.




TitelI hear the sunspot
AutorGengoroh Tagame
VerlagCarlsen
GenreFiktion/LGBT
Bände2
Meine Bewertung
4/5

#1. Band:
Was mir während dem Lesen positiv aufgefallen ist, dass es wirklich viel um Selbstreflektion geht und Taichi viel über sein Verhalten nachdenkt. Er merkt schnell, dass es nicht okay ist die Behinderung von Kohei zu romantisieren und mit was für Vorurteilen er zu kämpfen hat. Denn das Umfeld von Kohei lässt ihn permanent spüren, was es von seiner Behinderung hält. Deshalb ist es auch so schön zu sehen, wie Taichi sich Mühe dabei gibt ihn zu verstehen und dafür ist es auch wichtig über seine eigenen Fehler nachzudenken und sein eigenes Verhalten zu korrigieren. Und Kohei ist nicht nur der Hörgeschädigte, sondern man lernt allerhand über ihn und genau das ist zur Abwechslung mal schön. Leider gibt es ja genug Literatur in denen der einzige Mensch mit Behinderung nur dazu dient ein Klischeehaufen dieser darzustellen. Taichi versucht zudem zu keinem Zeitpunkt Kohei zu retten und genau das mag ich an dieser Reihe.

So wirklich viel passiert im ersten Band nicht und das ist auch gut so. Man lernt die beiden Hauptprotagonisten kennen und die Freundschaft zwischen den beiden entwickelt sich ganz langsam, was das alles so realistisch wirken lässt. So wirklich unter BL würde ich das alles nicht einordnen, da dieser Part wirklich sehr klein ist.
Der Zeichenstil hat mir jetzt nicht so zugesagt, da mir die Gesichter zu stilisiert waren und mir manche Panels einfach unsauber gearbeitet vorkamen. Zum Beispiel waren die Linien bei Nahaufnahmen zu verwackelt. Der Stil ist auf alle Fälle eher schlicht und beschränkt sich auf das wesentliche.


#2. Band:
Der Zeichenstil hat sich zum Positiven entwickelt und ich finde es einfach schön eine Fortsetzung zum ersten Band zu haben, auch wenn diese nie geplant war und eigentlich auch nicht nötig ist.

Der Fokus liegt dieses Mal auf dem großen Wort Missverständnis/Misskommunikation und es zeigt sich einfach wie wichtig es ist miteinander zu reden wenn dieses passiert. Das alles hätte man vielleicht etwas kürzer fassen können, aber dann hätte der Band wahrscheinlich auch nur 20 Seiten. Die Hintergründe dafür fand ich etwas überzogen, aber vielleicht gibt es ja wirklich Menschen die so handeln?

Am besten hat mir bisher die Charakterentwicklung gefallen und wie sehr die beiden miteinander wachsen und vor allem lernen. Lediglich auf Maya hätte ich sehr gerne als Charakter verzichtet, da sie mir einfach zu kindisch und besitzergreifend war. Und sie für viele absolut unnötige Probleme gesorgt hatte, die dann noch in die Länge gezogen wurden.

Der BL-Teil ist wieder verschwindend gering, was mich aber absolut nicht gestört hat. Es ist ein toller Manga über Freundschaft und Erwachsenwerden in denen so Themen wie Hörschädigung und ein wenig Homosexualität vorkommen. 






TitelSilhouette of your voice(Hidamari ga kikoeru)
DirectorDaisuki Kamijo
SchauspielerHideya Tawada(Kohei Sugihara), Akira Onodera(Taiichi Sagawa)
Länge72 Minuten
Meine Bewertung
3/5


Auch wenn ich es eigentlich nicht so mag finde ich es dieses Mal schön, dass der Film nur eine Stunde lang war. So lässt er sich schön zwischendurch gucken und die Handlung beschränkt sich auf das wesentliche. Wie bei der Mangareihe steht die Freundschaft zwischen den beiden im Vordergrund. Im Film wird nur das gezeigt was im ersten 1. Teil passiert und da ist nicht wirklich viel, schließlich passiert erst im 2. Teil das wirklich interessante und aufregende. Deshalb würde ich den Film auch nicht in das BL-Genre einordnen, da hier einfach wichtige Elemente dafür fehlen. Leider fehlt dem Film die Tiefe und der Wow-Effekt, der ihn zu mehr machen würde als einen schönen Film für zwischendurch.

Positiv fällt vor allem die Darstellungsweise von Kohei auf, denn immer wieder wird ganz nebenbei gezeigt wie sich seine Hörschädigung im Alltag zeigt. Vor allem Tinnitus oder dieses keine Stimmen ausmachen können wenn viele reden kenne ich selbst und es ist immer wieder schwer das anderen begreiflich zu machen. 

Die Auswahl der Schauspieler finde ich auch klasse, da es mal unbekanntere Gesicht sind. Und ich finde sie passen einfach zu ihren Rollen bzw. stellen diese gut da.
Wegen der Kritikpunkte gebe ich dem Film nur 3 von 5 Sternen.




Mir hat der Manga besser gefallen, da er einfach mehr Tiefgang hat und wichtige Dinge anspricht. Ich finde es immer wieder schön Literatur zu finden bei denen Behinderungen egal in welcher Form nicht romantisiert werden und nicht der Hauptfokus sind. Es sollte wirklich mehr in die Richtung geben, denn leider gibt es viel zu viel Inspiration Porn auf dem Markt oder sonstige fragwürdige Literatur darüber.

Sonntag, 28. Juni 2020

#10 Manga - Bloom into you Band 1-3




Titel(Deutsch)Bloom into you
Titel(Englisch)Bloom into you
AutorNio Nakatani
VerlagCarlsen
GenreShojo-Ai, Slice-of-Life
Bände8(abgeschlossen)
Meine Bewertung
4/5


Inhalt

Yuu Koito liest unheimlich gerne Mädchenmanga und ist dementsprechend enttäuscht, als sie so gar nichts während einem Liebesgeständnis von einem Mitschüler spürt.Da sie das alles nicht einordnen kann, entschließt sie sich dazu erst einmal in Ruhe darüber nachzudenken. Sie bittet Nanami um Rat, eine Mitschülerin aus dem Schülerkomitee, die etwas ist älter ist als sie. Doch das alls läuft anders ab als geplant und kurz darauf erhält Yuu die zweite Liebeserklärung.


Review

#1. Band

Positiv hervorheben möchte ich auf alle Fälle, dass die Liebesgeschichte im Vordergrund steht und nichts sexuelles/erotisches. Das heißt wer hier erotische Szenen sucht wird wahrscheinlich bitter enttäuscht werden. Ich finde es wirklich gut, dass hierauf verzichtet wird. Denn Liebesgeschichten unter Schulmädchen sollten finde ich so etwas nicht enthalten. Die Handlung an sich richtet sich eher an junge, queere Leser, denn Schule, Freundschaft und Familie stehen im Vordergrund. Obwohl ich dem Zielpublikum nicht angehöre hat mir das alles zugesagt, da ich diese Slice-of-Life-Geschichten ganz schön finde für zwischendurch.

Den Zeichenstil finde ich eigentlich klasse und ich finde viele Seiten wirklich schön gezeichnet. Die Hintergründe sind teilsweise einfach nur traumhaft, nur leider sagen mir die Gesichter einfach nicht zu.
Ein anderer Kritikpunkt ist die Beziehung zwischen Yuu und Nanami. Man kennt diese aus vielen Büchern/Manga über heterosexuelle Beziehungen und da finde ich es genauso verwerflich. Mir ist das alles etwas zu einseitig und erzwungen. Der Titel lässt zwar erraten, dass es sich ändert. Aber trotzallem hatte ich während dem Lesen oft ein wirklich ungutes Gefühl.

Der 1. Band konnte mich jetzt nicht so überzeugen und deshalb bekommt er nur 3 von 5 Sternen. Trotzdem möchte ich der Reihe eine Chance geben, da ich schon viel gutes über diese gehört habe.

#2. Band: 

Was mich ein wenig irittiert hatte beim Lesen war der Fokus der Handlung. Hauptsächlich geht es um ganz normale schulische Dinge, was ja bei Slice-of-Life gar nicht so untypisch ist. Aber gefühlt geht es hier nur darum und ich hoffe, dass sich das noch ändert.

Es werden einige Themen aus Band 1 aufgegriffen und ich finde es gut, dass die Charaktere über ihre eigene Sexualität nachdenken. Man weiß jetzt natürlich noch nicht, ob eine der Charaktere asexuell und aromantisch ist. Aber es ist einfach einmal schön so etwas in der Literatur zu finden, denn darüber gibt es einfach viel zu wenig. Und leider gibt es ja diesbezüglich viel zu viele Vorurteile.

Hoffentlich wird in den nachfolgenden Bänden mehr auf die Beziehung zwischen den beiden eingegangen, denn momentan ist sie noch sehr einseitig und vor allem Dingen alles andere als gesund. Und Nanami scheint mir ohnehin eine Protagonistin zu sein, die viele absolut gar nicht gesunde Verhaltensweisen an den Tag legt. Das einzige was mir hierzu positiv auffällig ist, dass das alles nicht wie so üblich bei vielen Geschichten romantisiert wird. Es wird mehrfach klar hervorgehoben was das für ein Verhalten ist. Auch wenn ich mir an manchen Stellen eine stärkere Reaktion derjenigen gewünscht.

#3. Band: 

Besonders gut gefallen haben mir die ruhige Atmosphäre in diesem Band und die vielen Gespräche. Unter anderem wurde auch das Thema aromantisch(kein Bedürfnis nach romantischen Interaktionen mit anderen) angesprochen und ich finde es gut, dass der Manga solche Themen aufgreift. Leider passiert das ja viel zu selten.

Man erfährt auch eine ganze Menge sowohl über die Haupt-, als auch die Nebencharaktere. Und somit werden auch die einzelnen Figuren endlich greifbarer, was aber auch normal ist bei einem Manga mit einer so langsamen Handlungsgeschwindigkeit. Was das betrifft gibt es leider einige Längen und man weiß nicht so ganz als Leser, warum manches so schlagartig passiert und einiges sich zu zieht.
Und ein großer Pluspunkt ist, dass das alles nicht mehr ganz so alarmierend zu lesen ist. Die Beziehung der beiden entwickelt sich langsam und ich hoffe, dass die Richtung beibehalten wird. Wobei ich um ehrlich zu sein eine Szene ganz am Schluss grenzwertig fand und ich hoffe einfach einmal, dass das nicht noch einmal vorkommt. So etwas geht einfach gar nicht.

Was mich beim Lesen irritiert hatte war, dass gefühlt keiner ein Problem mit einer möglichen Beziehung zwischen Yuu und Nanami hat. Das ist dann doch alles sehr romantisiert und ich finde es ein wenig schade, dass es so dargestellt wird. Leider ist es ja oft so, dass in Manga das alles etwas zu rosarot und schön dargestellt wird.



Fazit

Zusammenfassend lässt sich auf alle Fälle schreiben, dass es eine schöne Mangareihe über ein asexuelles Mädchen und ein lesbisches ist. Das birgt viel Konfliktpotential und ich bin gespannt darauf, wie sich das alles weiter entwickeln wird zwischen den beiden.

Mittwoch, 24. Juni 2020

#11 Graphic Novel - Mooncakes





TitelMooncakes
AutorStory: Suzanne Walker, Zeichnerin: Wendy Xu
VerlagOni Press
GenreFantasy
FormatSoftcover
Seiten
256
Meine Bewertung
3/5

 Inhalt

Nova Huang lebt in New England und hilft regelmäßig im Bücherladen ihrer Großmütter aus. Sie ist eine Junghexe, aber trotz ihres Alters weiß sie viel über Magie. Als eines Tages durch den Wald geht entdeckt sie einen weißen Wolf, der sich als ihr Kindheitsschwarm Tam Lang herraus stellt. Tam bleibt nichts anderes übrig als bei Nova Schutz zu suchen, da hinter ihnen dunkle Mächte her sind.

Rezension

Was ich wirklich gut finde ist, dass es mal nicht die typischen Hauptprotagonisten sind. Stattdessen hat man chinesisch-amerikanische, wobei der Werwolf non-binär ist und die Hexe queer und schwerhörig ist. Das alles spielt aber keine große Rolle und wird halt nur nebenbei immer mal wieder erwähnt, was ich wirklich schön finde. Auch sonst sind die Charaktere sehr divers und respräsentieren viele, die man sonst nicht so in Comics/Graphic Noveln sieht. So etwas sollte einfach normalisiert werden und ich finde es immer wieder schön zu sehen, dass endlich genau das passiert.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Farbauswahl. Es wirkt mystisch und ich mag es einfach, wenn die Farben so wirken als hätte jemanden einen violetten Filter drüber gelegt. Die Panels sind größtenteils wirklich schön gezeichnet und man findet viele kleine tolle Details. Die Gesichter haben wir jetzt nicht ganz so zugesagt, da der mir der Stil nicht so zusagt.

Leider bleiben die Charaktere oberflächlich und es fehlt einfach die nötige Hintergrundstory um ihre Handlungen wirklich nachvollziehen zu können.

Was mich beim Lesen irriert hat ist, dass es keinen wirklichen Anfang und kein Ende gibt. Man wird in die Story hinein und einfach komplett ohne Vorwarnung wieder raus geschmissen. Mitten drin gibt es dann noch eine Liebesgeschichte, die plötlzlich aus dem Nichts aufploppt. An sich ist diese schön aufgebaut, aber als Leser würde ich ja schon gerne wissen warum die auf einmal da ist. So fühlt es sich einfach so an als hätte man keine Lust mehr auf die derzeitige Beziehung der beiden gehabt und hätte für den Fortlauf der Geschichte das alles auf ein neues Level heben müssen. Dabei kommen Geschichten auch sehr gut ohne so etwas aus.

Vieles ist auch komplett vorhersehbar, weil man die Storylines einfach schon von den meisten Comics/Geschichten in dem Genre kennt und leider wird hier kaum versucht mit Überraschungen zu arbeiten. So bleibt leider ein "Aha"-Moment völlig aus und ich finde es einfach schade, wenn einem so eine Story nicht zum Nachdenken anregt, geschweige denn ein länger anhaltendes Gefühl hinterlässt. Stattdessen hatte ich mir nach dem Lesen nur gedacht, dass es ja ganz okay war und es jetzt endlich mit etwas anderen weiter gehen kann. Was wahrscheinlich hauptsächlich daran liegt, dass ich zu keinem der Charaktere irgendeine emotionale Bindung aufbauen konnte und es mir deshalb auch relativ gleichgültig war was passiert.

Fazit

Wegen der Kritikpunkte gibt es nur 3 von 5 Sternen, da es leider nur ein sehr kurzlebiger Webcomic ist und es zu viele Kritikpunkte gibt.

Freitag, 29. Mai 2020

#009 Manga - Wer bist du zur blauen Stunde?




Titel(Deutsch)Wer bist du zur blauen Stunde?
Titel(Englisch)Our dreams at dusk
AutorYuhki Kamatani
VerlagCarlsen
GenreSlice-of-Life/LGBT/Coming-of-Age
Bände4(abgeschlossen)
Meine Bewertung
5/5

 Inhalt

Als Tasukus Klassenkameraden auf seinem Handy Schwulenporno finden, streitet er ab schwul zu sein, doch die anderen hören nicht auf ihn zu mobben. Er hat Angst davor sich als schwul zu outen, denn dann könnte das Mobbing noch schlimmer werden.  Deshalb entschließt er sich dazu Suizid zu begehen. Als er dieses in die Tat umsetzen möchte beobachtet er eine Frau, die einfach aus dem Fenster sprang. Als er in das Gebäude rennt um Hilfe zu holen entdeckt er die Frau, der es aber augenscheinlich gut geht. Diese erklärt ihm, dass es sich hier um einen Treffpunkt für Leute wie ihn handelt. Und genau dort lernt er dann auch mit seinen Problemen umzugehen.


Review

#1. Band: 

Dieser Manga setzt sich sich mit wichtigen Themen wie Homophobie und Suizid auseinander. In BL-Manga wird das ja oft geschönt und so getan als wäre das kein großes Problem in Japan, dabei ist das Gegenteil der Fall. Und genau das wird hier schonungslos dargestellt, die Diskriminierung von LGBT-Leuten und was das auch psychisch bei diesen für Auswirkungen hat. Es ist auch sonst ein sehr realistisches Bild was von dieser Szene gezeichnet wird und deshalb einfach nur Hut ab! Davon sollte es definitiv mehr geben, allein damit das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt und gezeigt wird was es heißt in vielen Gesellschaften queer zu sein.

Diesbezüglich möchte ich noch erwähnen, dass ein lesbisches Paar vorkommt und das alles nicht sexualisiert wird. Auch sonst wird hier im 1. Band alles sehr realistisch und authentisch dargestellt, heißt also eine Liebesgeschichte drängt sich nicht unnötig in den Vordergrund und nimmt auch nicht den Fokus von den schweren Themen. Es ist auf jeden Fall mal schön einen Manga zu haben bei dem es um LGBT geht und in dem das nicht glorifiziert und sexualisiert wird. Oder in dem Sachen romantisiert werden, die definitiv romantisiert werden sollten.

Die Zeichnungen sprechen oft für sich und vor allem bei Tasuku sieht man immer sofort wie es ihm gerade geht. Es gibt immer wieder Details in manchen Panels zu entdecken und mir haben am meisten die Landschaftsbilder/Hintergründe gefallen.

Man merkt auf jeden Fall wie viel Arbeit in die einzelnen Charaktere gesteckt wurde und das alle einen gewissen Zweck erfüllen. Wahrscheinlich lernt man erst im Laufe der Reihe mehr über diese, denn in diesem Band liegt der Hauptfokus auf Tasuku und dem Weltenaufbau.

#2. Band: 

Hier im Band wird sich mit dem Thema Transsexualität auseinander gesetzt. Aber auch so wichtigen Themen wie Gruppenzugehörigkeit und man nicht immer einer Meinung sein muss, geschweige denn alle nett zueinander sind nur weil sie alle LGBT sind. Und wie im vorigen Band tauchen natürlich wieder Vorurteile und Diskriminierung gegenüber LGBT auf.

Was auch mal wieder auffällt ist, dass nicht nur eine Geschichte erzählt wird. So gut wie alle Hauptprotagonisten haben unterschiedliche Probleme, die größtenteils mit ihrer Sexualität zusammenhängen. Und genau das finde ich gut umgesetzt, schließlich wird nicht nur einmal gezeigt wie vielschichtig ein einziges Problem sein kann. Meist wird über all das geredet und man versucht einander zu helfen, was aber nicht immer so glückt.

Das alles überfordert die jüngeren in der Gruppe, immerhin sind sich beide noch nicht so wirklich sicher wer sie sind und man bekommt sehr deutlich gezeigt zu was diese Unsicherheit führt. Und genau die Szenen haben mich richtig traurig und auch wütend gemacht. Das spiegelt auch sehr gut die Realität wieder, immerhin bekommen sie ja von Außen nicht nur einmal gesagt wie falsch es ist queer zu sein.

Die Zeichnungen sind mal wieder phänomenal und fangen genau die Emotionen/Atmosphäre ein. Aus dem Grund gibt es auch mal wieder relativ wenig Dialog auf vielen Seiten.

#3. Band: 

In diesem Band ist ein sehr großes Thema Transphobie/Transfeindlichkeit, aber auch Homophobie kommt vorher. Vor allem was ersteres betrifft war ich echt erstaunt wie realistisch das alles dargestellt wurde. Und genau das hat mich unheimlich wütend gemacht und ich hätte gerne der Person die Meinung gesagt. Und es zeigt einfach einmal wieder, dass eine gute Absicht keine Entschuldigung sein darf und man sich deshalb nicht wie die Axt im Wald verhalten darf. Man sollte auch mit den entsprechenden Menschen reden und keine Entscheidungen über deren Köpfe hinweg fällen, schließlich wissen sie es besser als jeder andere wie es ist zum Beispiel transsexuell zu sein. Deshalb ist es auch wichtig das alles genau so dem gegenüber zu vermitteln und nicht immer klein beizugeben, nur weil die Person ja keine bösen Absichten hatte. Und nur weil man eben queer ist, muss man nicht zwangsläufig das jedem mitteilen oder eine große Sache draus machen. Die Entscheidung das anderen mitzuteilen sollte immer bei demjenigen selbst liegen und das wird auch mehrfach angesprochen.

Was ich auch noch total gut finde ist, dass kein Charakter im Manga nur eine Ansammlung von Klischees ist. Das springt am meisten bei den Hauptprotagonisten ins Auge und man merkt einfach wie viel Mühe sich der Mangaka beim Ausarbeiten dieser gemacht hat.

Ein anderer Pluspunkt ist die unglaubliche Charakterentwicklung, die Tasuku durchmacht. Wenn man ihn mit dem ganz zu Beginn vergleicht, dann ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und da zeigt sich einfach einmal wieder wie wichtig es ist Anschluss zu finden und sich mit Leuten austauschen zu können, die ähnliches erlebt haben und eben auch queer sind.

#4. Band: 

In diesem Band werden unter anderem Asexualität und Non-binär bzw. Genderqueer(nonbinary: wenn man sich weder männlich noch weiblich fühlt) kurz thematisiert und damit haben ja einige Menschen ganz schöne Probleme. Mir hat die Herangehensweise sehr gut gefallen und es stimmt einfach, dass man nicht allem ein Label verpassen kann bzw. nicht alles in Schubladen einsortierbar ist. 

Obwohl dieser Teil vergleichsweise mehr Seiten und Kapitel hat fühlte es sich beim Lesen nicht so an. Ich bin richtig durch die Kapitel geflogen und wollte einfach nur wissen wie es weiter geht. Durch die zusätzlichen Seiten bekommt auch jeder Handlungsstrang den Platz, den er braucht um gut zu Ende erzählt zu werden. Alle Fragen werden nicht geklärt, aber das empfand ich nicht weiter schlimm. So ist es im Leben ja auch und alles andere wäre einfach zu konstruiert und gewollt gewesen. 
Auch wenn die Reihe ein wirklich schönes Ende hat, finde ich es schade Abschied von dieser nehmen zu müssen. Wenn man sie unnötig in die Länge gezogen hätte, dann wäre es unweigerlich zu vielen unschönen Wiederholungen gekommen und so kann an sich als Leser den Fortlauf der Geschichte selbst vorstellen. Letztendlich ist es halt ein sehr realistisches Ende und alles andere hätte einfach nicht gepasst. Schließlich werden hier so viele wichtige und ernste Themen angesprochen und ein erzwungenes, märchenhaftes Ende würde einfach die falschen Signale setzen und all das was davor passiert war in ein falsches Licht rücken. Ansonsten würden bestimmte Verhaltensweisen romantisiert und genau das sollte einfach nicht sein.

Fazit

Ich finde es schön wie viele wichtige innerhalb der vier Bände aufgegriffen wurden, die vor allem männliche Teenager betreffen. Aber auch ansonsten werden viele Themen aufgegriffen der LGBT-Community aufgegriffen und genau das liebe ich an dieser Reihe.

Sonntag, 24. Mai 2020

#009 Graphic Novel - Bloom





TitelBloom
AutorStory: Kevin Panetta Zeichner: Savanna Ganucheau
VerlagFirst Second
GenreLGBT/Contemporary
FormatPaperback
Bände1(368 Seiten)
Meine Bewertung
4/5

 Inhalt

Eigentlich hatte sich Ari fest vorgenommen zusammen mit seiner Band in eine größere Stadt zu ziehen, schließlich hat er gerade die Highschool abgeschlossen. Doch sein Vater ist strikt dagegen, immerhin braucht er Ari als Aushilfe in seiner ohnehin momentan nicht gut laufenden Bäckerei. Obwohl er es liebte als Kind seinem Vater auszuhelfen ist dem schon lange nicht mehr so. Deshalb macht er sich auf die Suche nach einem Ersatz und dabei trifft er auf Hector, der backen über alles liebt.

Rezension


Besonders gut gefallen hat mir die simple Handlung bei dieser Graphic Novel, da man sie so schön nebenher lesen zu kann ohne sich groß darüber Gedanken machen zu müssen wie sich welcher Handlungsstrang entwickelt. Und deshalb eignet sich diese auch prima für diejenigen, die bisher mit diesen absolut gar nichts anfangen konnten.

Der Zeichenstil ist wirklich schön und überzeugt mit seiner Schlichtheit und der Farbauswahl. Oft sprechen die Zeichnungen für sich und es gibt viele Seitenübergreifende Panels. Ich finde es immer schön, wenn es so wenige Sprechblasen gibt und ein Zeichner es trotzdem schafft all das nötige dem Leser zu vermitteln. Schließlich ist es ja auch im wahren Leben so, dass nicht immer die Stille mit Worten gefüllt wird und man all seine Schritte dem Gegenüber erklärt.

Besonders die Charakterentwicklung hat mir gefallen und wie sich das alles zwischen Ari und Hector ganz langsam aufbaut. Vor allem Ari wird im Laufe der Handlung immer selbstsicherer und genau das ist schön zu sehen. Schließlich lernt er auch gegenüber sich selbst ehrlich zu sein und erkennt worauf es im Leben ankommt und das ist an sich eine wirklich schöne Message für eine Graphic Novel übers Erwachsen werden.

Ein anderer Pluspunkt ist auf jeden Fall die Diversität der Charaktere. Denn man wird nicht mit weißen, dünnen, heterosexuellen Charakteren erschlagen sondern hat viele verschiedene Charaktere mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Und alle Charaktere haben einen hohen Wiedererkennungswert.

Was ich wirklich schade finde ist, dass die Handlung mehr oder weniger vorhersehbar ist und oft Handlungselemente eingebaut werden, die gefühlt in jeder LGBT-Geschichte auftauchen. Und die man somit auch schon in viel zu vielen Comics gesehen/gelesen hat und ich hätte es schön gefunden, wenn sich das alles nicht nur wegen der Bäckerei von der Masse abgehoben hätte. Zudem hätte ich es schön gefunden, wenn Ari ein wenig mehr seines Alters entsprechend ausgesehen hätte. Leider ist es ja bei so Geschichten auch oft so, dass ein Part jünger dargestellt wird damit er niedlich und beschützenswert aussieht.

Leider gibt es auch ziemlich viele Plotholes/Zeitsprünge und deshalb fehlen einem zwischendurch gewisse Details um die Handlungen der jeweiligen Charaktere nachvollziehen zu können.


Fazit

Für zwischendurch ist es auf alle Fälle eine tolle Graphic Novel. Für mich war sie jedoch einen Ticken zu vorhersehbar und ganz so wie viele andere in dem Genre. Es ist halt alles wie eine typische niedliche Sommerliebesgeschichte und genau das repräsentiert diese auch ziemlich gut.

Mittwoch, 29. April 2020

#002 Graphic Novel und Verfilmung - Blau ist eine warme Farbe






Eigentlich war Clementine der festen Überzeugung heterosexuell zu sein. Jedoch merkt sie als sie mit einem Jungen zusammen ist, dass dem scheinbar nicht so ist. Als sie eines Tages in der Stadt unterwegs war sieht sie eine junge Frau mit blauen Haaren, die ihr seit dem nicht mehr aus dem Kopf ging. Und genau mit dieser kommt Clementine zusammen. Immer wieder erlebt sie während der Beziehung homophobe Angriffe unter anderem durch ihre Mitschüler.




TitelBlau ist eine warme Farbe
AutorJulie Maroh
ZeichnerJulie Maroh
VerlagSplitter-Verlag
GenreLiebesdrama/LGBTQIA
Seitenanzahl160
Meine Bewertung
4/5


In der Graphic Novel wird nicht nur das Thema LGBT, sondern auch welche wie Depression, Sucht und vor allem auch Homophobie behandelt. Wie war es in den 90ern in Frankreich als queere Person aufzuwachsen? Mit was für Vorurteilen hat man zu kämpfen und wie behandeln einen die Mitschüler an der Highschool queere Leute? Möchte man in so einem Umfeld wirklich seine eigene Sexualität entdecken? Ist es okay nicht heterosexuell zu sein, auch wenn gefühlt alle um einen herum homophob sind?

Der Zeichenstil ist einfach nur traumhaft, auch wenn nicht alle Panels perfekt gezeichnet wurden und genau das an manchen Stellen die Figuren einfach nur grotesk aussehen lässt. Durch die Farbgebung erkennt man immer direkt die Stimmung und oft wird nur mit sehr wenigen Farben gearbeitet. Vor allem die grauen Zeichnungen unterstreichen die gedrückte, traurige Grundstimmung und man merkt direkt allein anhand der Farben wann sich diese ändert. Oft wirkt alles sehr schlicht und die Wasserfarben samt den feinen Linien geben all dem etwas zartes, was wiederum zu der Liebe der beiden passt.

Die Handlung kommt mit erstaunlich wenig Dialog aus und unterstreicht oft nur das gezeigte. Es ist auf alle Fälle erstaunlich wie viel die Zeichnerin mit nur 150 Seiten dem Leser vermittelt und selbst die intimen Szenen wirkten oft sehr zart und waren gut platziert. Mich haben sie beim Lesen jetzt nicht gestört, da sie nur einen wirklich kleinen Teil ausmachen(eine handvoll Seiten).

Die Graphic Novel hat erstaunlich viel Tiefgang und regt zum Nachdenken an. Man weiß von Anfang an wo die Reise hingeht und nur anhand von einer Rückblende erfährt man wie es überhaupt dazu kam. Folglich kamen bei mir auch keine großen Hoffnungen auf und der Schmerz traf mich nicht so hart, aber trotzdem stimmte mich all das einfach nur unendlich traurig. Ich finde es ein wenig schade, dass es einen so gewaltigen Zeitsprung kam und nicht einfach 2 Bände aus dieser Geschichte gemacht wurden. So ist es doch sehr kurzweilig und ich hätte gerne noch ein paar Informationen gehabt. Wobei ich auch ehrlich zugeben muss, dass die Länge ganz okay ist und man sich so als Leser selbst ausdenken kann was während dem Zeitsprung alles passiert sein mag. Und das ist ja auch nicht schlecht.





TitelBlau ist eine warme Farbe
RegisseurAbdel Kechiche
SynchronisationLea Seydoux, Adele Exarchopoulos
Dauer172 Minuten
Meine Bewertung
4/5


Was mich ein wenig irritierte beim Film war, dass der Anfang komplett anders ist als bei der Graphic Novel. Das Ende wird nicht vorweggenommen und wenn man die Graphic Novel nicht kennt weiß man somit auch nicht, was das auf einen zukommt. Mir hat die Entscheidung ganz gut gefallen.
Ein anderer Pluspunkt ist definitiv die ergreifende Handlung. Es wird alles sehr ausführlich gezeigt und ich fand es auch gut dass der Film mit seinen drei Stunden sich die Zeit nimmt der Liebesgeschichte genügend Platz zu geben. Alles wichtige erfährt man anhand von einigen wenigen, eindringlichen Szenen.

Bei der Vorlage gab es ja nur wenige Seiten auf denen Geschlechtsverkehr stattfand oder sich geküsst wurde. Das war beim Film anders und gibt dem ganzen etwas von einem Porno. Hier hätte man wirklich sich an der Graphic Novel orientieren sollen, denn so wirkt das alles sehr billig und wie sehr schlechte Effekthascherei. Und wenn man mal bedenkt, dass das Teenager am Anfang des Filmes sind finde ich die Frage schon gerechtfertig, ob das wirklich sein musste so vieles explizit darzustellen.  Diesbezüglich hat mich auch die Kameraführung oft irritiert, da diese unheimlich von der Handlung ablenkte. Gefühlt hatte man Szenenlang nur Augen und Mund der Hauptprotagonistin gesehen und ja in der Graphic Novel werden die auch hervorgehoben, aber nicht so deutlich wie im Film. Und da frage ich mich schon, ob das bei einem heterosexuellen Pärchen auch alles so dargestellt wurden wäre? Die relativ vielen Essszenen habe ich großzügig übersprungen, da ich es schon im echten Leben hasse wenn Menschen laut schmatzen/schlürfen und Nahaufnahmen von den Gesichtern brauche ich bei solchen Szenen auch nicht.

Wenn ich jetzt von den ganzen erotischen Szenen absehe finde ich den Film ganz okay für zwischendurch. Trotzdem gebe ich ihm nur 2,5 Sterne, da ich diese Szenen  mehr als unangebracht empfand. Nach dem Gucken habe ich einige Interviews zu dem Film gelesen und die bestätigen mich einfach nur in meinem Gefühl was die intimen Szenen betrifft. Der Film ist erst ab 16 Jahren freigegeben.



Alles in allem handelt es sich hierbei um eine tragische Liebesgeschichte, die finde ich in der Graphic Novel besser als solche rüberkommt. Denn dort wird der Fokus richtig gelegt und darauf kommt es beim Story erzählen immer an.

Freitag, 27. März 2020

#005 Comic - The Pride Season One







Titel(Englisch)The Pride Season One(#1.-#6. Heft)
AutorJoe Glass
VerlagQueer Comix
GenreLGBTQIA/Superhelden
FormatSoftcover
Meine Bewertung
3,5/5

 Inhalt

Fabman ist es Leid, dass er als queerer Superheld einfach nicht ernst genommen wird. Deshalb entschließt er sich seine eigene Superheldengruppe zu gründen, schließlich sollte es doch keine Rolle spielen sie queer sind oder eben nicht. Er nennt seine Gruppe "The Pride" und zusammen wollen sie sich für mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt einsetzen.


Rezension

Im Laufe des Sammelbandes wurden wirklich viele wichtige Themen angeschnitten. Meist sind es dann typische Themen für die LGBT-Community wie Homophobie(nicht nur von Mitmenschen, sondern auch von anderen Superhelden), HIV und ähnliches. Oft werden diese jedoch nur oberflächlich behandelt, was wahrscheinlich auch an dem Format liegt. Trotzdem finde ich es gut wie sie behandelt wurden, da ja leider was HIV zum Beispiel betrifft immer noch zu viele Falschinformationen im Umlauf sind.

Ansonsten dreht es sich auch ziemlich viel um Klischees, was man sich wahrscheinlich auch denken kann. Schließlich geht es hier um queere Archetypen. Wenn man es in dem Kontext betrachtet ist es ganz okay, vor allem da es sich hierbei erst um die ersten 6 Hefte handelt. Jedoch hätte ich es auch schön gefunden, wenn die Charaktere etwas mehr als ihre Klischees gewesen wären. Allein um zu zeigen, dass nicht jeder queere Mensch 1:1 den Klischees entspricht. Mir gefällt es, dass man nach und nach mehr über die doch recht vielen Superhelden erfährt.

Zudem gibt es viele diverse Charaktere, auch wenn genau das noch ausbaufähig ist. Manches vermisst man einfach, aber man kann ja nicht alles haben. Ich hätte mir vor allem was die Männer betrifft mehr Diversität gewünscht, da ich zwischendurch immer mal wieder den Überblick über die drei schwulen hellhäutigen Männer verloren hatte. Mitschuld trägt da leider auch der Zeichenstil, obwohl der eigentlich bei so etwas genau das verhindern sollte.

Um ehrlich zu sein habe ich gar nicht verstanden, warum teilweise der Zeichenstil selbst in den Heften so extrem variiert. Wenn die Zeichner alle einen ähnlichen Stil haben finde ich es ganz okay und mich stört es dann auch nicht weiter, aber hier sind manche Seiten teilweise einfach nicht schön anzusehen, während andere wirklich ganz schön gezeichnet wurden. Vor allem in Heft 5 ist mir das aufgefallen, denn hier springt einem das das Können bzw. Nicht-Können der jeweiligen Zeichner extrem ins Auge und das ist einfach nur störend, es lenkt unglaublich ab und bringt somit den Lesefluss ins stocken.

Was mich dann auch beim Lesen irritiert hatte war der Umgang mit den weiblichen Charakteren. Vor allem eine hat mich einfach nur an WonderWoman erinnert und hier hätte ich mir einfach ein eigenes Charakterkonzept gewünscht. Natürlich gibt es schon recht viel in die Richtung und es ist recht schwer was neues zu finden, aber vor allem bei ihr ist es mir aufgefallen. Auch sonst gibt es recht viele Parallelen zu anderen Comics, was mich teils richtig irritiert hatte.

Mir hat auch irgendwie die Hintergrundgeschichte rund um die weiblichen Charaktere gefehlt und dass diese genau das gleiche erfahren wie die männlichen. Warum? Weil weibliche, queere Personen genauso mit Homophobie und Vorurteilen konfrontiert werden wie männliche, queere Personen.

Fazit

Um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht so recht was ich da gelesen habe und warum vieles einfach keinen Sinn ergibt. Und genau das sollte ja nach spätestens 6 Heften nicht mehr der Fall sein, dass man als Leser nicht weiß was da genau Sache ist. Deshalb vergebe ich auch nur wirklich wohl wollend 3,5 von 5 Sternen. Für ein Kickstarterprojekt ist es definitiv okay und ich denke wenn man genau die gleiche Story einmal überarbeitet und es nur von max. 2 Zeichnern anfertigen lässt, dann ist es wahrscheinlich auch um Welten besser.

Mittwoch, 25. März 2020

#004 Comic - Heartstopper







Titel(Englisch)Heartstopper
AutorAlice Oseman
VerlagHodder Children's Books
GenreLGBTQIA/Romance
FormatSoftcover
Meine Bewertung
4/5

 Inhalt

Es ist eine Geschichte über zwei Jungs, die sich kennen und lieben lernen. Charlie ist einer, der sich gerne zu viele Gedanken um alles macht und der erst vor einem Jahr unfreiwillig als schwul an seiner Jungenschule geoutet wurde. Und Nick ist ein fröhlicher, warmherziger Rugbyschule an seiner Schule. Die beiden freunden sich schnell an und merken nach und nach, dass diese Freundschaft tiefer geht als gedacht.


Rezensionen

Vol 1:


Erst einmal vorweg: In diesem Comic geht es explizit um Themen wie Magersucht, Depression, Homophobie, Mobbing und Suizid(-versuch). Was vor allem beim Lesen auffällt ist, dass hier absolut nichts geschönt geschweige denn romantisiert wird. Es ist einfach unfassbar wichtig, dass solche Themen nicht totgeschwiegen wird und dass mit diesen sensibel umgegangen wird. Alice Oseman schafft es eine nachvollziehbare Handlung rund um diese Themen zu konstruieren und die Charaktere nicht auf diese zu reduzieren.

Ein anderer Pluspunkt ist die Freundschaft zwischen Nick und Charlie, da sie sich gegenseitig unterstützen und füreinander da sind und offen über ihre Probleme reden.
Das einzige was mir nicht gefällt ist der Zeichenstil, weshalb ich auch mehrere Anläufe brauchte um den 1. Band zu beenden. Die Zeichnungen sind auf das wesentliche reduziert und Details sucht man in den Panels vergebens. Das alles ist gewöhnungsbedürftig, aber nach dem Lesen des 1. Bandes habe ich genau das auch auf irgendeine Art schätzen gelernt. Wobei ich eigentlich detaillierte Zeichnungen bevorzuge, da diese nicht so schnell in eine einheitliche Masse verschmelzen und mir auch eher in Erinnerung bleiben.

Mir hat der erste Band relativ gut gefallen von der Handlung her und wie mit sensiblen Themen umgegangen wird, deshalb gebe ich der Reihe definitiv eine Chance.

Vol 2:

In Band 2 geht es hauptsächlich darum was das genau ist zwischen Charlie und Nick und allgemein um das Thema Sexualität. Mir gefällt es, dass alles eher langsam passiert und so wirkt es auch um einiges realistischer. Es wird sich im Laufe der Handlung nicht nur einmal mit Stereotypen/Vorurteilen auseinander gesetzt und das selbst lieb gemeintes necken diesbezüglich nicht okay ist(außer derjenige findet es okay).

Was mir auch gefällt ist, dass die einzelnen Charaktere Probleme ansprechen und versuchen Lösungen zu finden anstatt diese totzuschweigen. 

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass man den Band ultra schnell durch gelesen hat. Wenn ich ihn mit anderen Comics vergleiche ist das Lesetempo einfach deutlich höher, da es kaum Dialoge gibt und die Panels einen auch nicht dazu einladen dort länger zu verweilen. Und es passiert halt relativ wenig, heißt also simple Aktivitäten werden mehrere Panels lang gezeigt. Für mich war das jetzt weniger das Problem und ich empfand es auch nicht schlimm, aber ich wollte es erwähnt haben. Auch sonst kann man jetzt keine tiefgründige Story erwarten und viele Nebencharaktere sind sich sehr ähnlich vom Verhalten her, aber nichts anderes habe ich erwartet. Im Hauptfokus steht halt die Freundschaft zwischen Charlie und Nick und vieles wird nur oberflächlich angekratzt an Themen. Das macht es halt zu einem guten Comic für zwischendurch und zum runter kommen.


Vol 3:


Im Vergleich zu Band 1 hat sich der Zeichenstil um einiges gebessert. Dieses Mal geht es unter anderem um die Themen Essstörung und psychische Erkrankungen. Beides wird nur oberflächlich und relativ kurz besprochen, was sich aber denke ich noch im Laufe der Handlung ändern wird. Im Vordergrund steht der Ausflug nach Paris und man lernt etwas mehr über die Freunde von Nick und Charlie, was der Story mehr Tiefe gibt.

Was mir vor allem positiv aufgefallen ist, dass das Verhalten von Nick und Charlie erklärt wird und man als Leser nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Immer wieder reden die beiden miteinander über Probleme oder warum ihnen was nicht so leicht fällt u.a. und genau das ist schön zu sehen. Denn in zu vielen Büchern geht genau dieser Aspekt einer Beziehung verloren und oft sieht man dann nur, dass sich einer total toxisch gegenüber dem anderen verhält und das auch noch romantisiert wird. Und das geht vor allem in YA-Büchern einfach mal gar nicht.
Und dann gibt es noch die unzähligen Male in denen auf Mobbing/Homophobie aufmerksam gemacht wird und dass das alles nicht okay ist oder mit einem einzigen "Sorry" wieder gut zu machen ist.


Fazit

Alles in allem ist es auf jeden Fall ein schöner Webcomic, den man mittlerweile auch als gedruckte Version erwerben kann. Er regt definitiv zum Nachdenken an, auch noch lange nach dem man ihn gelesen hat. Und das obwohl der Webcomic( auf tapas und webtoon zu finden) an sich schnell durch gelesen ist und kaum etwas passiert. Er spricht wichtige Themen an, die viele Jugendliche betreffen. Von der Sprache her ist er leicht zu verstehen und es wäre wirklich schön, wenn es ihn irgendwann auch auf Deutsch geben würde. Bei Gelegenheit möchte ich auf jeden Fall noch das dazugehörige Buch "Solitaire" lesen, da Charlie der Bruder der Hauptprotagonistin ist. Und natürlich weil diese LGBT-Bezug hat und sich mit psychischen Erkrankungen auseinander setzt.
Mir fällt es wirklich schwer das als Graphic Novel zu sehen, da mir dafür einfach zu viel fehlt.

Mittwoch, 26. Februar 2020

#001 Manga und Verfilmung - Der Mann meines Bruder






Yaichi lebt in Tokio und ist ein alleinerziehender Vater, der von daheim aus arbeitet. Er versucht sein bestes alles zu managen, damit Kana nicht zu viel wegen der Scheidung ihrer Eltern leiden muss. Als plötzlich der große, bärtige Mike Flanagan vor seiner Haustür steht, gerät Yaichis kleine Welt ins Schwanken. Denn Mike ist der Mann seines Zwillingsbruder Ryoji, der erst vor kurzem verstarb. Dieser war vor vielen Jahren nach Kanada ausgewandert, um der Homophobie in Japan zu entfliehen. Und Yaichi fragt sich, ob er damals wirklich alles richtig gemacht hatte. Und vor allem ob er ihm das Gefühl gegeben hatte, dass seine Homosexualität nicht okay sei. Denn der Kontakt zwischen den beiden wurde über die Jahre immer weniger und er fragt sich, ob es vielleicht damit zusammen hängt.




TitelDer Mann meines Bruders
AutorGengoroh Tagame
VerlagCarlsen
GenreFiktion/LGBT
Bände4
Meine Bewertung
5/5


Auf den Manga hatte ich mich total gefreut, da ich schon viel positives darüber gelesen hatte. Hauptsächlich geht es darum wie es ist in Japan als Familie zu leben, die eben nicht dem Ideal entspricht. Denn alleinerziehende Väter sind schon eine Seltenheit und werden kritisch beäugt und mit Homosexualität haben auch einige ein großes Problem("gleichgeschlechtliche Beziehungen sollen im Verborgen stattfinden"). Zudem wird auch thematisiert, dass einige Ausländern skeptisch gegenüber stehen und massive Vorurteile haben. Diese doch sehr komplexen Themen werden während der Handlung leicht verständlich erklärt.

Mir hat es vor allem gefallen, dass der Hauptfokus auf nur drei Figuren liegt und wie sie mit den Themen umgehen. Hauptsächlich geht es um Yaichi, der einerseits total gleichgültig gegenüber dem Thema Homosexualität ist, solange es ihn nicht selbst betrifft. Aber andererseits als dann auf einmal der Mann von seinem Bruder vor der Tür steht schlägt diese Einstellung ins negative um, was wohl ziemlich normal in Japan sein soll. Seine Tochter Kana fungiert hier quasi als kritische Gewissen, welches alles mögliche auf ganz unverfangene, kindliche Art hinterfragt ohne dabei über die Tragweite ihrer Fragen nachzudenken. Nach und nach hinterfragt Yaichi seine eigene Einstellung was die Themen betrifft. Mike lässt sich wenig aus der Ruhe bringen und man merkt einfach, dass er mit sich im Reinen ist was das Thema betrifft. Während dem Lesen fällt halt immer wieder auf wie anders die japanische Kultur im Vergleich zur Westlichen Kultur ist und es macht stellenweise einfach nur wütend wie mit Mike umgegangen wird.

Der Zeichenstil ist durchgehend einfach gehalten und so wird dann meist auch nur das wichtigste abgebildet. Mir fiel es oft schwer den Manga aus der Hand zu legen und so hatte ich die 4 Bände in wenigen Tagen durch gelesen.





TitelOtouto no Otto(My brother's husband)
DirectorTereyuki Yoshida, Yukihiro Toda
SchauspielerRyuta Sato(Yaichi), Baruto Kaito(Mike)
Episoden3
Meine Bewertung
4/5


Die 4 Bände wurden zu 3 Episoden je 45 Minuten verfilmt. Mir hat die Länge total gut gefallen.
Am Besten gefallen hat mir an dem ganzen übrigens die Auswahl der Schauspieler, denn die passen perfekt zu den Figuren und es wirkt alles sehr authentisch.  Vieles ist halt typisch Slice-Of-Life und deshalb waren mir die Charaktere an manchen Stellen einfach einen Ticken zu drüber und somit auch zu Klischee. Das ist vollkommen dem Genre geschuldet und deshalb lasse ich es bei der Bewertung außer Acht. Was ich auch bemerkenswert fand waren die vielen Details im Hintergrund und wie nah das alles am Manga umgesetzt wurde.

Es ist auf jeden Fall eine schöne Serie, die man wunderbar zwischendurch gucken kann.



Hierbei handelt es sich um eine Geschichte für alle Altersschichten. Es ist wirklich schön mal zur Abwechslung eine realistische Darstellung von Homosexualität und Ausländerskespsis in Japan zu sehen. Vor allem im Boys Love Genre wird das erstere hoffnungslos romantisiert und ist meist absolut realitätsfern. Die Charaktere und Handlung wirken authentisch und es wird alles locker und oft auf humorvolle Art erzählt. Mich hat das alles zum Nachdenken anregt und teilweise hat es mich auch einfach nur fassungslos gemacht, auch wenn ich sehr wohl weiß wie  mit Homosexuellen bzw. nicht der "Norm" entsprechenden Menschen in Japan vor allem in den Vororten von Tokio bzw. auf dem Land umgegangen wird. Es könnte ruhig öfters solche Manga/Filme/Serien geben, die solche Probleme eben nicht hoffnungslos romantisieren und somit einem auch den Spiegel vorhalten.