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Sonntag, 13. Dezember 2020

#343 Bücherregal - The tattooist of Auschwitz(Kurzrezension)


Titel(Englisch)The tattooist of Auschwitz
AutorHeather Morris
VerlagHarper Paperbacks
GenreHistorischer Roman
Seiten288 Seiten
Meine Bewertung
2/5

 Inhalt

Im Jahre 1942 wurde Lale Sokolov nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Seine Aufgabe war es jedem Neuen eine Nummer auf den Arm zu tätowieren. Eines Tages begegnet er während seiner Arbeit einem einem jungen Mädchen in das er sich auf den ersten Blick verliebt. Ihr Name war Gita und er machte es sich zur Aufgabe sie zu beschützen und mit ihr gemeinsam die Zeit im KZ zu überleben.

Review

Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, dann würde ich der Rezension den Titel "Schuster bleibe bei deinen Leisten" geben. Denn genau das ist hier der Fall und man merkt sehr deutlich, dass die Autorin Drehbuchautorin. Und ich kann auch nicht verstehen wie ein Verlag diesen Roman einfach so durchwinken konnte ohne ausgebesserte Dialoge zu verlangen. So wirkliche Emotionen kamen mir bei diesen nicht auf und wenn habe ich sie nur zur Kenntnisse genommen und einfach abgehakt, denn sie wirkten immer wie Einschübe und nichts was wirklich Teil des Ganzen war.

Auch sonst waren die Charaktere erstaunlich emotionslos und ganz so als wären sie gar nicht Auschwitz. Ich weiß nicht ob das einfach an der knappen Anzahl an Seiten geschuldet ist, aber selbst das sollte kein Grund dafür sein um eine so wichtige Geschichte so oberflächlich zu erzählen. Und irgendwie ist es ein komisches Gefühl als Laie zu merken, dass das Buch nicht nur einen Fehler bezüglich Auschwitz enthält. Das sollte nicht passieren, vor allem nicht wenn man selbst jemand engagiert hat der die Fakten checkt. Nach dem Lesen hatte ich zahlreiche Artikel darüber entdeckt und ich finde wenn man schon einen auf wahren Tatsachen basierenden Roman schreibt, dann sollte er wenigstens grob der Wahrheit entsprechen.

Wenn ich nicht grobe Eckdaten über das Leben im KZ Auschwitz-Birkenau hätte, dann hätte ich jetzt nach dem Lesen des Romans eine vollkommen falsche Vorstellung davon. Und das sollte einfach nicht Sinn und Zweck der Sache sein und wird der Geschichte einfach nicht gerecht. Und als Autor sollte man selbst genügend Eckdaten liefern, damit der Leser auch ohne Vorwissen sich alles vernünftig vorstellen kann.

Fazit

Alles in allem kann ich jetzt im Endeffekt nicht behaupten ich hätte ein Buch gelesen, denn alles wirkt wie ein Drehbuch samt Regieanweisungen und es hat mich einfach nicht berührt. Mir tut es einfach nur Leid so einer Geschichte nur 2 von 5 Sternen geben zu können und ich hoffe der Film ist besser als das Buch. Mir ist das einfach zu kurzweilig und ich hatte es auch in wenigen Stunden durch gelesen, was mir sonst bei Büchern in dem Genre nicht passiert.

Mittwoch, 25. November 2020

#009 Buch und Film - Nebel im August

  



Hallo,

vor kurzem habe ich "Nebel im August" von Robert Domes gelesen und heute möchte ich in einem Blogeintrag das Buch und den Film zu besprechen.


1933 werden der damals 4-jährige Ernst Lossa so wie seine Geschwister von den Eltern weggenommen,  da diese nicht ausreichend für die vier Kinder sorgen konnten. Als Jeniche waren sie immer durchs Land gereist und der Vater schaffte es kaum genügend Geld zu verdienen. Da es Ernst schwerfiel sich unter zuordnen und den Regeln zu folgen kommt er immer wieder in ein anderes Heim, bis er er letztendlich in die Heilanstalt in Kaufbeuren kommt. Denn aufgrund seines Verhaltens wird er als "asozialer Psychopath" abgestempelt, der nicht therapierbar ist. Und dort bekommt er letztendlich den "Gnadentod", obwohl er geistig und körperlich vollkommen gesund war.



Nebel im August von Robert Domes, 352 Seiten, Cbj-Verlag
4 von 5 Sternen

Vor ein paar Jahren hatte ich mir die Film angeguckt und hatte aufgrund dessen einige Bücher über das Thema "Euthanasie während des II. Weltkrieges" gelesen. Und jetzt habe ich es endlich einmal geschafft auch die Buchvorlage zu lesen. 

Hierbei handelt es sich um einen biografischen Roman, der das Leben von Ernst Lossa auf eine sehr eindringliche Art und Weise aus der Sicht einer Erzählers wiedergibt. Und das obwohl man als Leser aufgrund der Erzählweise eine spürbare Distanz zu Ernst Lossa hat, was ich aber nicht weiter schlimm fand. Es ist sehr erschreckend zu lesen wie bei ihm eine Sache zur anderen führte und er schon in jungen Jahren jegliche Chance auf ein Leben verlor aufgrund seiner Herkunft.  Und vielleicht ist es gerade diese Erzählform, die einen so nachdenklich werden lässt. 

So wirklich viel über den Nationalsozialismus und die Aktion T4, bei der über 70.000 Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen systematisch ermordet wurden, erfährt nur im Nachwort. Was ich jetzt auch nicht verwunderlich finde, schließlich wussten die Betroffenen und meist auch deren Verwandten nichts davon und somit kann man stark davon ausgehen, dass Ernst Lossa auch nur die Gerüchte darüber kannte. Bis heute prägt die Aktion T4 die Behandlungen in Psychiatrien und Diskussionen über Euthanasie/Sterbehilfe. Und deshalb ist es umso wichtiger, dass eben solche Geschichten erzählt werden und nicht in Vergessenheit geraten. 

Bei all dem was in diesem Buch berichtet muss man immer bedenken, dass Ernst Lossa alles andere als ein "asozialer Psychopath" war. Er war nun einmal ein Junge, der eben einen eigenen Wille hatte und das war zu dieser Zeitpunkt nicht gerne gesehen. Und obendrein gehörte er den Jenichen an, eine Bevölkerungsgruppe damals oft ohne festen Wohnsitz. Und wahrscheinlich gab es zu diesem Zeitpunkte viele Menschen wie Ernst Lossa, die deshalb den so genannten "Gnadentod" erhielten. 
Das einzige was mir negativ auffiel war die erste Hälfte des Buches in der Ernst sehr viel älter wirkte als er zu dem Zeitpunkt war. Ein 4-jähriger denkt nun einmal nicht wie ein Erwachsener und genau den Eindruck hat man.

Nach dem ich den Film gesehen hatte ließ mich die recht kurze Lebensgeschichte von Ernst Lossa nicht mehr los. Und auch dieses Mal ist es so und mir fiel es wirklich schwer dieses Buch zu bewerten und vor allem die richtigen Worte zu finden. Das Buch richtet sich vorwiegend an Jugendliche, kann aber natürlich auch von Erwachsenen gelesen werden. Viele eher nicht mehr so geläufige Begriffe werden hinten im Glossar erklärt. Die Geschichte von Ernst Lossa steht stellvertretend für viele andere und bis heute ist nicht bekannt wie viele Menschen mit Behinderungen als "lebensunwert" abgestempelt und somit ermordet wurden. Man geht von 200.000-300.000 Menschen aus und deshalb ist es umso wichtiger, dass dieser Kapitel der deutschen Geschichte niemals in Vergessenheit gerät.







Regisseur: Kai Wessel, Spieldauer: 121 Minuten, unter anderem mit Ivo Pietzcker, Sebastian Koch, Thomas Schubert, FSK 12 

Den Film hatte ich ja schon einmal gesehen und trotzdem hatte er mich jetzt beim 2. Mal wieder einmal total mitgenommen. Das was zu der Zeit in den Heilanstalten passierte macht mich nach wie vor fassungslos und unfassbar wütend. Und vieles was im Buch nicht so deutlich wurde, wird im Film in aller Klarheit gezeigt. Viele Szenen kommen komplett ohne Dialog aus und das Gezeigte spricht oft für sich. Alles strahlt eine unglaubliche Schlichtheit und Trostlosigkeit aus. Die Euthanasie an sich wird erst relativ spät gegen Ende des Filmes wirklich thematisiert bzw. erklärt und so liegt es am Zuschauer die gezeigten Szenen zu interpretieren bzw. zu beurteilen. Man weiß nicht warum bestimmte Namen auf der Liste durchgestrichen werden und man sieht nur, dass eben jene dann kurz darauf den "Gnadentod" in Form von Medikamenten verabreicht bekommen.

Im Vergleich zum Buch erfährt man auch viel über die Hintergründe von der Heilanstalt in Kaufbeuren und weiß somit, was es mit den grauen Bussen bzw. dem "Gnadentod" auf sich hat. Im Gegensatz dazu erfährt man jedoch relativ wenig über das Leben von Ernst Lossa, was aber nicht weiter schlimm ist. Schließlich steht hier das System "Euthanasie" im Vordergrund und so bekommt man allerhand Szenen zu sehen, in denen die Verantwortlichen sympathisch und alles andere als böse wirken. Und genau das macht finde ich den Film so sehenswert, denn er bedient sich nicht den einfachen Methoden und nimmt den vollkommen herzlosen Arzt.

Und vor allem den Abspann fand ich gut, denn nur mit Worten wird gezeigt wie milde die Täter davon kamen. Obwohl sie für den Tod von mehreren Tausend Menschen verantwortlich waren und selbst noch einen Monat nach Kriegsende weiter Menschen töteten, bekamen sie nie eine nennenswerte Strafe. Und eine Krankenschwester durfte sogar ihren Beruf weiter ausüben. 

Hat einer von euch schon das Buch gelesen oder den Film gesehen? Was ist eure Meinung dazu? 
Gerne verlinke ich hier eure Rezensionen. 


LG

Freitag, 21. Februar 2020

#280 Bücherregal - Die Spionin






TitelDie Spionin
AutorImogen Kealey
VerlagAufbau Verlag
GenreHistorischer Roman
Seiten457 Seiten
Meine Bewertung
4,5/5


Ich bedanke mich hiermit recht herzlichst bei Netgalley.de und dem Buchverlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares.


 Inhalt

Ihr Aussehen dient ihr als perfekte Tarnung vor den Nazis, denn diese haben fünf Millionen Franc Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Doch sie vermuten hinter dem Kämpfer der Résistance einen Mann und nicht Nancy, deshalb gelingt es ihr auch immer wieder unerkannt zu entkommen. Deshalb wurde ihr der Name "Weiße Maus" gegeben, aber alles ändert sich als plötzlich ihr Mann Henri verhaftet wird. Nancy gelingt die Flucht nach England, wo sie von der SOE zur Agentin ausgebildet wird. Zurück in Frankreich ist es ihre Aufgabe 7.000 Partisanen in den Wäldern der Auvergne zu leiten und mit ihnen gegen die Nazis zu kämpfen.

Review

Die Handlung basiert stellenweise auf wahren Begebenheiten, während einiges für die Dramaturgie abgeändert wurde. Mir hat es gefallen mal eine Geschichte über die Résistance zu lesen in der obendrein auch noch eine weibliche Figur die Hauptrolle spielt. Es wurde nachvollziehbar beschrieben wie schwer es war für sie Anerkennung in der Résistance und dann später bei den Partisanengruppen zu bekommen, denn Frauen wurde es einfach nicht zugetraut genau so wie Männer zu kämpfen und handeln zu können. Und genau das musste Nancy im Laufe der Handlung immer wieder unter Beweis stellen, dass das Aussehen und das Geschlecht rein gar nichts über die Fähigkeiten einer Person aussagen.

Was mir auch besonders gut gefallen hatte, dass Nancy nicht als perfekte Heldin dargestellt wurde. Stattdessen wurde auch immer wieder gezeigt, dass auch sie Fehler gemacht hatte und das macht die Handlung realistisch, so sie wirkt als Figur direkt auch menschlicher und authentisch dargestellt.

Durch die vielen kurzen Kapitel und da alles Schlag auf Schlag passiert fliegt man gefühlt nur so durch die Seiten. Mir fiel es einfach unglaublich schwer das Buch auf Seite zu legen, denn ich wollte einfach nur wissen wie es weiter geht. Auch der Schreibstil trägt dazu bei, dass die Handlung einen so fesselt. Er kommt vollkommen ohne Schnörkel und ausschweifende Beschreibungen aus, aber trotzdem hat man immer ein sehr klares Bild vor Augen.

Zwischendurch gab es auch Kapitel aus der Sicht von dem fiktiven Gestapo-Beamten Major Böhm, der sich zur Aufgabe gemacht hatte Nancy zu schnappen. Das sorgt für zusätzliche Spannung und man hofft immer wieder, dass sie ihm ein Schnippchen schlagen und noch einmal entkommen kann. Er ist halt der typische Antagonist und das einzige was er in mir an Gefühlen geweckt hatte war pure Verachtung. Und somit füllt er auch genau die Rolle aus, die ihm in dem Ganzen zugedacht wurde.

Mittlerweile gibt es viele Romane, die sich mit dieser Zeit befassen und auch viele, die die Grausamkeit des Regimes in all ihren Details wiedergeben. Auch wenn hier vieles nur thematisch angekratzt wurde wie die Folter, während Gesprächen und anderes wird nichts geschönt. Vieles lässt sich nur erahnen und das finde ich das Gute an dem Roman. Der Hauptfokus liegt nun einmal auf der Spionagearbeit von Nancy Wake und dem wird die Handlung und somit das Buch vollkommen gerecht.

Das recht düstere Cover hat mir auch zugesagt. Man sieht eine Frau mit einem Fahrrad, die anstatt sich vor den Kampfflugzeugen zu ducken diese anguckt. Und genau das spiegelt Nancy wider, denn anstatt klein beizugeben hat sie immer für die Freiheit von Frankreich gekämpft egal wie die Umstände waren. Und wenn das bedeutete mehrere Hunderte Kilometer mit dem Rad zurück zulegen hat sie das gemacht.

Stellenweise sind leider bestimmte Szenen zu kurz gekommen und dadurch wirken sie abgehakt und ihnen fehlt einfach die Tiefe. Man merkt halt einfach, dass ein Drehbuchautor mit am Werk war und der legt nun einmal den Augenmerk auf ganz andere Dinge, die aber meist besser auf der Leinwand als in einem Buch zur Geltung kommen.


Fazit

Einiges hätte man sicherlich näher an der Realität spielen lassen können, aber mich haben die abgeänderten Szenen nicht groß gestört. An einigen Stellen hat mir nur einfach die Tiefe gefehlt. Es ist auf alle Fälle eine eindrucksvolle Geschichte, die zum Nachdenken anregt und mich hat sie dazu gebracht mich noch mehr mit dem Thema der SOE(Special Operations Executive) und der Résistance auseinander zusetzen.

Mittwoch, 29. Januar 2020

#005 Buch und Film - Die Bücherdiebin



Hallo,

vor kurzem habe ich "The Book Thief(Die Bücherdiebin)" von Markus Zusak gelesen und heute möchte ich in einem Blogeintrag das Buch und den Film zu besprechen.


1939(Nazideutschland): Liesels Eltern sind verurteilte Kommunisten, weshalb sie zu der Familie Hubermann in Molching nahe München gebracht wurde. Dort wächst sie als deren Pflegetochter auf und entdeckt ihre Liebe zu Büchern. Doch ihre Familie hat kaum Geld um genügend Lebensmittel zu kaufen, weshalb sie sich auch keine Bücher leisten können. Am Tage der Bücherverbrennung lässt sie ein Buch mitgehen, ungeachtet der Konsequenzen. Und bei diesem einem Buch soll es nicht bleiben. Aber nicht nur das bringt sie alle in Gefahr, denn eines Tages steht der Jude Max vor der Haustür und Liesels Pflegevater schuldet Max seinem Vater noch einen Gefallen, dabei ist er schon längst als Judenfreund verschrien und würde damit ein viel zu großes Risiko eingehen.




The Book Thief von Markus Zusak, 416 Seiten, Black Swan
deutsche Übersetzung: Die Bücherdiebin von Markus Zusak, 588 Seiten, Blanvalet Verlag

Der Schreibstil ist definitiv gewöhnungsbedürftig und ich brauchte einige Zeit bis ich mich an die ganzen fett gedruckten Einschübe gewöhnen konnte. Die Szenen werden oft sehr bildhaft beschrieben und sind sehr wortgewaltig. Oft lässt der Autor diese für sich selbst sprechen und es taucht nicht so wie in anderen historischen Romanen der erhobene Zeigefinger auf um den Leser daran zu erinnern wie grausam das alles war und dass es nie mehr so weit kommen darf. Vieles wird eher neutral beschrieben und somit liegt es am Leser selbst, wie er all das bewertet oder auffasst und das machte das alles zu einem besonderen Leseerlebnis.

Die Handlung wird aus der Sicht des Todes erzählt, der an manchen Stellen wirklich sehr überraschend reagiert. Beim Lesen hatte ich wie oft vergessen, dass der Tod das alles erzählt und dementsprechend verwirrt war ich auch, wenn der Tod eben seiner Arbeit nachging(Seelen einsammeln). Und oft hat er auch einige Sachen einfach vorweg angekündigt, damit man am Ende nicht so geschockt ist. Das ist wahrscheinlich auch etwas der Zielgruppe geschuldet. Es ist auf jeden Fall mal eine etwas andere Art der Erzählung und man muss sich definitiv darauf einlassen, also es ist keine Lektüre für zwischendurch oder zum Abschalten.

In der englischen Originalfassung werden viele deutsche Sätze verwendet, was ich auch ziemlich ungewöhnlich fand. Deshalb würde ich jedem auch zum Lesen dieser raten, denn dadurch entstehen oft lustige Situationen.

Ein weiterer Pluspunkt ist definitiv die Buchdicke, denn hier kann man richtig in die Handlung eintauchen. Der II. Weltkrieg wird zwar thematisiert, aber im Vordergrund steht das Leben von Liesel und wie ihr Alltag so aussah. Sie war im Bund der Mädchen und somit erfährt man auch einiges über die Hitler Jugend.

Was ich nicht ganz verstanden habe ist, warum bei der "Bildgeschichte" englische Texte übermalt wurden. Rein theoretisch müsste Max doch die deutsche Ausgabe vom "Mein Kampf" haben und das nimmt dem Ganzen etwas die Authentizität. Schließlich werden ja auch immer wieder deutsche Sätze verwendet, also hätte man auch hier die deutsche Ausgabe nehmen können.

Um ehrlich zu sein fällt bzw. fiel es mir sehr schwer diese Rezension zu verfassen und nicht weil ich das Buch schlecht fand, sondern einfach weil keine Worte das geschriebene wirklich widerspiegeln können. Es ist ein ungewöhnliches Buch, was mich als ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte, sehr gefesselt hatte. Ich hatte es innerhalb von zwei Tagen durch gelesen und war danach einfach sprachlos. Das Buch sticht definitiv aus der Masse hervor und es ist sehr lebensbejahend, auch wenn der Tod der Erzähler ist. Aufgrund der Zielgruppe ist es auch irgendwie klar, dass viele Themen wie die Bücherverbrennung oder die Judenmärsche nur angeschnitten werden. Und man muss auch immer daran denken, dass Liesel zu Beginn der Handlung erst 9 Jahre alt war und dementsprechend wird auch die Handlung dargestellt. Dadurch erscheinen auch einige Geschehnisse weniger grausam als sie sind, was in anderen Büchern besser umgesetzt wurde, was wahrscheinlich auch an der Zielgruppe liegt. Das heißt jetzt nicht, dass es irgendwie kindisch dargestellt wurde. Es wurde halt nur vieles weg gelassen oder eben nicht thematisiert.

Alles in allem möchte ich dem Buch 4 von 5 Sternen geben. Es ist auf jeden Fall ein Leseerlebnis und mal etwas anderes.



20th Century Fox Home Entertainment, Spieldauer: 127 Minuten, unter anderem mit Sophie Nélisse, Geoffrey Rush, Emily Watson, Ben Schnetzer und Nico Liersch

Um das alles besser einschätzen zu können und damit ich mich nicht ständig über die Synchronisation aufrege, habe ich den Film kurzerhand auf Englisch geschaut. Was ich diesbezüglich nicht ganz verstanden habe ist das Englisch, denn anstatt irgendeinen schweren Dialekt zu nehmen klang es oft als würden die Schauspieler gerade erst Englisch lernen. Auch sonst ist mir oft aufgefallen, dass an viele Details schlichtweg nicht gedacht wurde. Auf dem Friedhof wird deutsch gesprochen und dann ist der Rest natürlich auf Englisch, was irgendwie ganz komisch ist. Die Bücher sind auf Englisch und die Worte an der Wand auch, wobei die Ladenschilder wieder auf Deutsch sind. Und im Buch handelt es sich ja stets um deutsche Bücher und ich finde das nimmt dem Ganzen die Authentizität. Der Film wurde in den Filmstudios Babelsberg gedreht, also warum ist ihnen da so ein großer Fehler unterlaufen?

Oft musste ich an die ganzen Märchenfilme denken, die ja auch einen Erzähler mit ähnlicher Stimme haben und der einen durch die Story begleitet. Auch sonst passen viele Szenen zu dieser Kulisse und ich fand es wirklich schwer das alles auszuhalten. Ich habe schon einige Filme über diese Zeit gesehen und da waren auch einige schlechte dabei. Aber keiner von denen hat es geschafft das alles so schrecklich harmonisch darzustellen. Im Film selbst wird auch erwähnt, dass die Familie kaum genug Geld hat um sich selbst zu ernähren und trotzdem nehmen sie noch eine Person auf. Aber genau das sieht man nicht: Die Familie wirkt durchgehend wohl ernährt und selbst in Szenen wo die Personen dreckig sein sollen, wirken sie nicht so. Und auch sonst wird scheinbar oft vergessen, dass zum Beispiel eine Person bettlägrig war/ist oder anderes und das nur um bestimmte Momente künstliche generieren zu können.

Auch sonst hat mich der Film einfach nicht berührt und das beklemmende Gefühl, was man sonst bei Filmen mit dieser Thematik hat bleibt komplett aus. Es fehlt der rote Faden und ich fand es auch schade, dass einiges so kurz nur angeschnitten wurde. Im Buch gab es wenigstens noch kurze Erklärungen, aber im Film blieben diese meist komplett aus. Dadurch machen einige Szenen einfach absolut keinen Sinn und ohne das Hintergrundwissen wüsste ich auch nichts mit diesen anzufangen. Liesels Liebe zu Büchern fehlt im Film nahezu komplett und die erklärt ja auch, warum sie überhaupt Bücherdiebin genannt wird.

Der Film ist in Deutschland ab 6 Jahren freigegeben, aber ich würde dem niemals einem Kind unter 12 oder 13 Jahren zeigen. Auch wenn alles kitschig dargestellt wird ist es definitiv kein Film für Kinder!

Wenn ich jetzt all die Kritikpunkte in betracht ziehe und den Film als Buchverfilmung betrachte komme ich zu dem Schluss, dass ich all dem nicht mehr als 1 von 5 Sternen geben kann. Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir dem Film sparen können, dabei war ich wirklich sehr gespannt darauf. Schließlich wurde der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von allen Seiten in den Himmel gelobt und er gewann auch einige Auszeichnungen.

Hat einer von euch schon das Buch gelesen oder den Film gesehen? Was ist eure Meinung dazu? 
Gerne verlinke ich hier eure Rezensionen. 

LG

Freitag, 17. Januar 2020

#273 Bücherregal - The Child of Auschwitz




Titel(Englisch)The Child of Auschwitz
AutorLily Graham
VerlagBookouture
GenreHistorischer Roman
Seiten255 Seiten
Meine Bewertung
3,5/5

 Inhalt

Im Jahr 1942 denkt die Jüdin Eva Adami im Zug auf dem Weg nach Auschwitz nur an ihren Ehemann Michal, der 6 Monate zuvor dorthin geschickt wurde. Vor Ort muss sie feststellen, dass sie sich das alles ganz anders vorgestellt hatte. Im Lager selbst lernt sie Sofie kennen, die auch die selbe Entscheidung getroffen hatte um ihren Sohn Tomas wieder zu finden. Um wertvolle Informationen über den Aufenthaltsort ihrer Liebsten zu erhalten müssen sie sich mit dem Feind anfreunden. Trotz der lebensfeindlichen Umstände wird Eva schwanger und obwohl sie weiß, dass das für sie das Todesurteil bedeuten könnte entschließt sie sich dazu das Kind zur Welt zu bringen.

Review

Positiv hervor heben möchte ich die durchaus realistischen Beschreibungen von Auschwitz-Birkenau. Hier wird nichts geschönt und es wird mehrfach darauf eingegangen was Mangelernährung und allgemein die Lebensumstände mit den Menschen dort gemacht haben.

Es gibt mehr oder weniger zwei Zeitebenen(1938 und 1942), das heißt man erfährt sowohl wie das Leben für Evas als auch für Sofie war bevor sie sich dazu entschieden ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zu gehen. Als Leser ist das alles kaum oder eher gar nicht nachvollziehbar, schließlich haben sich die beiden jüdischen Frauen mehr oder weniger freiwillig dazu entschieden. Jedoch muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass damals gar nicht so viel über das Lager bekannt war und die wenigsten wussten was dort konkret alles ablief. Und die beiden Frauen konnten auch nicht erahne was für eine folgenschwere Entscheidung sie getroffen hatten.

Zu jeder Zeit stehen die Protagonisten Eva und Sofie im Vordergrund, weshalb die Handlung meist in den Hintergrund rückt. Und ich denke das war auch die beste Wahl, die die Autorin treffen konnte. Denn ich glaube sobald die Handlung bei solchen Romanen in den Vordergrund stellt wird man den Opfern als auch den Überlebenden solcher Lager nicht gerecht. Man erfährt ziemlich viel über die beiden Frauen und man merkt auch schnell, dass sie bereit sind im Grunde alles zu tun nur um ihr Ziel zu erreichen. Genau das baut Spannung auf, denn man hofft insgeheim immer das die beiden damit durch kommen.

Ein ganz großer Kritikpunkt für mich ist das Ende, denn mir war es einfach zu viel des Guten. Ich möchte hier nicht spoilern, deshalb kann ich nur so viel verraten: Ein bisschen mehr Realismus hätte dem ganzen ein würdiges Ende gegeben.

Leider fehlt es dem Ganzen auch etwas an Tiefe, denn es passiert einfach zu viel auf noch nicht einmal 250 Seiten. Natürlich kann man einige Szenen für sich sprechen lassen und muss diese nicht in all ihrer Grausamkeit erzählen, jedoch hätte es den Personen mehr Leben eingehaucht wenn wenigstens auf die Auswirkungen eingegangen wäre. So fühlt es sich einfach an als würde man die Zusammenfassung eines Films, der im Schnelldurchlauf lief, lesen und das ist einfach nur schade.

Fazit

Alles in allem möchte ich dem Buch trotz der Kritikpunkte 3,5 Sterne geben, denn es erzählt eine durchaus realistische Geschichte. Beim Lesen ist mir auf alle Fälle aufgefallen, dass sich die Handlung auf Berichte von Überlebenden bezieht(unter anderem auch auf den von Vera Bein). Es gibt viele historische Romane, aber auch Augenzeugenberichte über das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und wer etwas mit mehr Details und Tiefe sucht, sollte sich besser diese angucken. Man bekommt halt das was man bei einem so dünnen Buch erwarten kann und das ist eine relativ oberflächliche Handlung, der es an vielen Stellen an Tiefe fehlt.Es ist ein Buch über Mut, Hoffnung und die bedingungslose Liebe einer Mutter und eine grenzenlose Freundschaft. Immer wieder riskieren sowohl Eva als auch Sofie das Leben füreinander und sie geben die Hoffnung nie auf es doch noch lebend heraus zu schaffen.

Sonntag, 29. Dezember 2019

#268 Bücherregal - Mapping the Bones(Kurzrezension)




Titel(Englisch)Mapping the Bones
AutorJane Yolen
VerlagPenguin Books
GenreJugendbuch/Youngadult
Seiten432 Seiten
Meine Bewertung
3,5/5

 Inhalt

Das Leben der jüdischen Zwillinge Chaim und Gittel ändert sich von Grund auf, als sie 1942 ins Ghetto zwangsumgesiedelt werden. Und es dauert auch nicht lange ehe sie die Benachrichtigung bekommen, dass sie für den nächsten Zug vorgesehen sind. Ihre Eltern setzen alles daran die Zwillinge in Sicherheit zu bringen und übergeben diese deshalb Widerstandskämpfern, die sich zu der Zeit im Wald in der Nähe des Ghettos aufhalten. Doch es dauert nicht lange ehe diese gefangen genommen und umgebracht werden, während die Kinder in ein Arbeitslager gebracht werden um dort Munition für den Führer herzustellen. Dort begegnen sie auch einem Arzt, der ein besonderes Interesse für sie entwickelt.

Review

Erst einmal vorweg möchte ich anmerken, dass es sich hierbei um einen historischen Roman für junge Erwachsene/Jugendliche handelt und genau das bekommt man auch geliefert. Wer also wegen dem Klappentext einen Roman, der all die Schrecken des Holocausts beschreibt erwartet wird hier nicht fündig werden. Einige Stellen sind zwar bildhaft beschrieben, was man sich aber bei dem Klappentext auch denken kann.

Die Handlung wird abwechselnd von Chaim und Gittel erzählt, wobei Gittel das alles rückblickend erzählt. Wenn man sich dran gewöhnt hat ist das eigentlich eine gute Idee. Mir hat vor allem der Schreibstil gefallen, denn es lässt sich alles angenehm flüssig lesen.

Der Anfang des Buches war wirklich gut, jedoch wurde es im Verlauf immer schlechter. Vor allem ein Ereignis nimmt die ganze Spannung und man merkt dann auch schnell, dass der Klappentext tatsächlich die gesamte Handlung zusammenfasst.

Was mich wirklich gestört hatte war dann das rosarote Hollywood würdige Ende. Es ist teilweise realistisch und eigentlich passt es auch zum Verlauf der Handlung. Aber es ist alles so plötzlich,  fast schon vollkommen absurd und ganz so als wäre dem Autor die Lust daran vergangen dem Buch noch ein paar Seiten hinzuzufügen. Leider hatte ich diesen Eindruck an einigen Stellen im Buch, denn manche Geschehnisse verändern die Protagonisten und genau das wird einfach übergangen. Und auch wenn die Zielgruppe Young Adult/Jugendliche kann man das doch ruhig thematisieren. Dann würden die Charaktere auch menschlicher wirken, denn wen lassen solche Geschehnisse schon kalt? Und alles auf Gewohnheit und Abstumpfung zu schieben klappt einfach nicht.

Manche Szenen hätte man hingegen einfach weglassen können oder sie wurden unnötig in die Länge gezogen, was mich stellenweise richtig gestört hatte beim Lesen. Hier hätte man sich besser auf wenige Ereignisse konzentrieren sollen.


Fazit

Bisher habe ich einige historische Romane gelesen, die in diesem Zeitraum spielen. Die wenigsten thematisieren die Versuche von Dr. Mengele und in dem Buch geht es vor allem gegen Ende darum. Wenn man es Teenagern zum Lesen gibt, dann sollte man auf alle Fälle mit ihnen darüber reden. Einige Szenen vor allem gegen Ende sind nicht ganz ohne und auch wenn sie für die Zielgruppe geeignet beschrieben wurden, ist es nicht zu unterschätzen.

Trotz der Kritikpunkte gebe ich dem Buch 3,5 von 5 Sternen. Es ist halt ein Buch für Jugendliche bzw. junge Erwachsene und genau das bekommt man auch geliefert. Es ist nicht melodramatisch und es wird ein genaues Bild des Holocausts gezeichnet. Mich hat es jetzt nicht so überzeugen können und ich denke wenn das Ende um einiges besser gewesen wäre, dann würde ich auch das Buch im Gesamten nicht so kritisch beurteilen. Es kommt halt letztendlich doch sehr viel auf die Klimax/den Höhepunkt einer Geschichte an und genau die Stelle fand ich einfach zu absurd.

Freitag, 23. August 2019

#231 Bücherregal - Träume aus Silber


TitelTräume aus Silber
AutorMina Baites
VerlagTinte und Feder
GenreHistorischer Roman
Seiten301 Seiten
Meine Bewertung
3,5/5

 Inhalt

Erst 1963 findet Lilian Morrison ihren Vater in Kapstadt endlich wieder. Dieser hatte sie und ihre Schwester während dem II. Weltkrieg nach England geschickt, jedoch war es ihm nicht möglich nachzureisen oder den Kontakt aufrecht zu erhalten. Zusammen mit ihm macht sie sich auf die Suche nach ihrer angeblich verstorbenen Schwester Emma. Ihre Großmutter Lotte flüchtete damals auch nach Südafrika. Während ihr Sohn und Lilian nach Europa reisen setzt sich Lotte für die Rechte von Dede(POC) ein und begibt sich somit samt ihrer Familie in Lebensgefahr. Denn Dede setzt sich ganz klar gegen die Apartheid ein und trotzdem nimmt Lotte sie bei sich auf und stellt sie obendrein noch bei sich ein.

Review

Hier in dem Buch geht es hauptsächlich um die Zeit nach den II. Weltkrieg, aber trotzdem wird noch einmal explizit darauf eingegangen warum die Familie Blumenthal fliehen musste und wie sie versuchte sich der Judenverfolgung durch das Naziregime zu entziehen. Unter anderem nahm sie neue Identitäten an und schickte ihre Kinder nach England(Kinderverschickung). Dort wurden die beiden Schwestern getrennt und laut den Akten starb eine von ihnen bei einem Bombenangriff auf London. Doch Lilli glaubt nicht daran und macht sich zusammen mit ihrem Vater auf die Suche nach ihrer Schwester.

Ein anderer Handlungsstrang dreht sich rund um die Apartheid in Südafrika. Hier hatte ich mir ein wenig mehr Informationen erhofft. Wobei man der Autorin definitiv auch zu Gute halten muss, dass der Handlungsstrang an sich zum Buch passt und zeigt wie viele Parallelen es zu Nazi-Deutschland gab. Man erfährt unter anderem wie konsequent die Rassentrennung durchgezogen wurde und es spezielle Ärzte und Krankenhäuser für POC gab. Für Lotte ist es unvorstellbar und sie setzt sich für Dede(POC) ein, obwohl es sie selbst in Gefahr bringt. Es ist wirklich ein beklemmendes Gefühl etwas darüber zu lesen wie mit den Menschen umgegangen wurde zu der Zeit. Und ich finde es gut, dass die Autorin das aufgegriffen hat immerhin spielen Teile des Romans in Südafrika.

Was mich gestört hat war der Epilog bzw. das Ende. Es gibt einen Zeitsprung in die 90er Jahre und es wird ganz kurz erzählt wie das Leben der Kinder weiterging. Für mich wirkte das alles sehr lieblos und hätte ruhig weggelassen werden können.

Ein weiterer Handlungsstrang dreht sich rund um die junge Frau Ceara. Auch den hätte man weglassen können, denn  genau diese Kapitel waren oft eher langatmig und waren wenig spannend. Zudem tauchen deshalb noch mehr Namen auf, die einen leider zusätzlich verwirren. Es hätte wahrscheinlich gereicht wenn Ceara das alles in wenigen Sätzen erklärt hätte und nicht ganze Kapitel aus ihrer Sicht einem ihren Standpunkt nahe gelegt hätten. Hier hätte man sich besser wirklich nur Lilli und Lotte konzentriert, auch wenn Ceara an sich eine wichtige Rolle spielt. Diese ständigen Ortswechsel die dadurch zustande kamen waren doch recht verwirrend und auch störend.
Zudem wirkt es beim Lesen wie eine doch recht aktuelle Geschichte, denn der Schreibstil legt genau das Nahe.

Fazit

Ich habe jetzt nur den 2. Teil gelesen und bin mir noch unschlüssig darüber, ob ich den 1. Teil lesen soll. Mir fehlt bei dem Buch einfach das gewisse etwas und die emotionale Bindung zu den Charakteren. Zudem war der Schreibstil eher nüchtern und es las sich stellenweise wie eine Biographie. In der Beschreibung stand, dass man beide Bücher unabhängig voneinander lesen soll und dem stimme ich auch zu. Man findet sich auch ohne Vorwissen in der Handlung zurecht.

Mir war das alles zu vorhersehbar und hatte zu wenige Wendungen. Für zwischendurch eignet es sich aber definitiv, denn man hat es mit seinen 300 Seiten schnell durch gelesen und der Schreibstil ist auch recht einfach gehalten.

Freitag, 16. August 2019

#229 Bücherregal - Am Ende dieses Jahres


TitelAm Ende dieses Jahres
AutorAnja May
Verlagtredition/Biografien&Erinnerungen
Genrehistorischer Roman
Seiten364 Seiten
Meine Bewertung
4/5

 Inhalt

Anton ist 15 Jahre alt, Uhrmacherlehrling und lebt 1945 mit seiner Familie in Schlesien. Dadurch dass die rote Armee langsam zu Schlesien vorrückt wird er wie viele andere in seinem Alter als Wehrmachtshelfer eingezogen um Schützengräben auszuheben. Er wird zusätzlich auch in kürzester Zeit an der Waffe ausgebildet und soll kurz darauf an der Front eingesetzt werden. Dabei war bekannt wie aussichtslos  die Lage dort war und die Soldaten nur zum Sterben hingeschickt wurden. Aus dem Grund beschließt Anton zusammen mit seinem besten Freund Gerhard zu fliehen, denn beide möchten leben.

Review

Die Handlung wird ausschließlich aus der Sicht von Anton erzählt.
Der Schreibstil ist ungewohnt nüchtern und dennoch detailliert, aber trotzdem löst er in einem allerhand Emotionen aus. Einige Szenen sind sehr mitreißend und man möchte einfach, dass sie enden und das am Besten mit einem guten Ende. Auch wenn das noch so abwegig ist zu der Zeit hofft man auf das gute im Menschen.

Es wurde möglichst neutral und wertefrei geschrieben um einem den Wahnsinn dieser Zeit nahezu bringen. Genau das bewundere ich, denn es geht um die Geschichte von ihrem Großvater und wie er als Wehrmachtshelfer und später mit 16 in den Krieg ziehen musste. Und da fällt es ja doch recht schwer das alles so neutral zu erzählen. Wobei das Geschehene für sich spricht und die Taten so grausam sind, dass man sie nicht auch noch mit solchen Adjektiven umschreiben muss.

Auch der Gewissenskonflikt von Anton wird gut dargestellt. Er glaubte nicht an den Endsieg, aber genau diese Meinung durfte er nicht vertreten. Am liebsten würde er bei seiner Familie bleiben um diese vor den Russen zu beschützen. Er wird jedoch als Wehrmachtshelfer eingezogen und muss diese Aufgabe seinen jüngeren Brüdern überlassen. Immer mehr fliehen vor den Russen und als auch seine Familie flieht, hofft er einfach nur noch darauf sie eines Tages lebend in Leipzig anzutreffen.
Der Fokus der Handlung liegt nicht allein auf dem II. Weltkrieg und so bekommt man nicht nur von den Bombenabwürfen oder Panzerangriffen erzählt, sondern auch von Geschichten über Freundschaften und wie so ein Erlebnis Anton und die anderen verändert. Und wie es ist in so einer aussichtslosen Zeit nicht aufzugeben und immer wieder für seine eigenen Werte einzustehen, auch wenn von einem anderes verlangt wird.

Vor allem die Hauptprotagonisten sind mit vielen Details ausgestattet und man lernt sie relativ gut kennen.
Durch die vielen Beschreibungen kann man sich die Umgebung gut vorstellen.


Fazit

Gegen Ende des Krieges wurden auch Kinder bzw. 16 jährige Jungs an die Front geschickt. Oft waren es aussichtlose Schlachten und auch das war sehr vielen bewusst. Wer Fahnenflucht begann wurde gnadenlos erschossen.
Wirklich erschreckend war zudem Antons Begegnung mit den KZ-Häftlingen. Davon hat man schon viel gehört, gesehen und auch gelesen und trotzdem erschreckt es einen immer wieder. Und man muss immer bedenken, dass Anton zu dem Zeitpunkt 15 war, als er mit dieser Grausamkeit konfrontiert wurde.

Hierbei handelt es sich um einen Jugendroman, weshalb viele Szenen alles andere als bildhaft beschrieben sind. Aber ich denke der Roman ist nicht nur etwas für Jugendliche, sondern auch für die Erwachsenen. Es erzählt das alles aus der Sicht eines Jugendlichen und zeigt, dass man das alles nicht vergessen darf. Auch damals gab es kritische Stimme, welche oft mit Gewalt zum Schweigen gebracht wurden.

Beim Lesen hatte ich ganz vergessen, dass es sich hierbei um einen Debütroman handelt.

Freitag, 17. Mai 2019

#203 Bücherregal - Hannah und ihre Brüder








Titel(Deutsch)Hannah und ihre Brüder
Titel(Englisch)Once we were brothers
AutorRonald H. Balson
VerlagAufbau Digital
GenreHistorischer Roman
Seiten476 Seiten
Meine Bewertung
4/5


Ich bedanke mich hiermit recht herzlichst bei Netgalley.de für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares.


 Inhalt

Auf einer Spendengala in Chicago hält Ben Solomon dem für seine Spenden für wohltätige Zwecke bekannte Elliot Rosenzweig eine Waffe an den Kopf. Er beschuldigt diesen als hochrangigen SS-Offizier, der in Polen als "Schlächter von Zamość" bekannt war. Da der Beschuldigte jedoch all das abstreitet wendet sich an eine Anwältin, welche mit ihm zusammen Elliots wahre Identität beweisen soll. Denn dieser war scheinbar einst das deutsche Ziehkind von Bens Vater und hatte sich dann im Laufe des Krieges gegen seine Familie gewandt. Liegt Ben mit dieser Vermutung überhaupt richtig?


Review

Der Handlungsort ist in Polen und wird auch gut beschrieben. Die Hauptprotagonisten sind Juden und man lernt im Laufe des Buches viel über den Holocaust und die Restriktionen, die die Juden betrafen. Es werden auch viele heutzutage mitunter nicht mehr so bekannte Fakten erwähnt, wie die Endlösung der Judenfrage für die Heydrich beauftragt wurde und wie die speziell aussah. Und an vielen Stellen macht es einen wirklich fassungslos beim Lesen was diese Endlösung betraf, denn so etwas scheint heute unvorstellbar.

Allein die Kombination der Hauptprotagonisten bietet jede Menge überraschendes Konfliktpotential. Allein weil Otto ja von Juden quasi groß gezogen wurde stellt sich einem immer wieder die Frage, wie dieser so ein hochtragender SS-Offizier werden konnte.

Die ganze Zeit stellt sich zudem die Frage, ob Elliot wirklich Otto ist oder ob es sich um einen Irrtum handelt. Und wie man so etwas beweisen kann, denn bei einem so reichen und hoch angesehenen Mann braucht man schon wirklich sehr gute Beweise. Und die Suche danach wird wirklich gut und vor allem spannend dargestellt.

Beide Geschichten laufen parallel ab und dem einen gefällt so etwas und dem anderen nicht. Ich fand es an manchen Stellen störend, aber auch eher weil ich unbedingt wissen wollte wie es weiter ging und nicht erst wieder was aus der Gegenwart lesen wollte. Das stört dann auch den Lesefluss, auch wenn es zeitgleich die Spannung aufrecht erhält. Es ist ja doch beides sehr wichtig, also die Gründe für Ben seine Klage und ob er letztendlich damit durchkommt, schließlich sind es keine kleinen Vorwürfe.

Mich hat die Romanze etwas gestört, aber da es wohl eine fortlaufende Serie ist macht sie durchaus Sinn. Sie dient wohl unter anderem als Hintergrundstory, die einen durch die Bände webt. Ich werde das jetzt mal nicht negativ anwerten, da sie sich auch nicht in den Vordergrund drängt und man sie gut ignorieren kann.


Fazit

Bisher habe ich nur Bücher in dem Genre gelesen, bei denen allerhöchstens der Prolog oder Epilog in der Gegenwart spielten. Hier ist es aber so, dass oft ein kleiner Teil vom Kapitel in der Gegenwart spielt und der Rest in Form von Rückblenden beschrieben wird. So lernt man während dem Lesen viel über die amerikanische Justiz. Die Gegenwart wird aus Sicht eines personalen Erzählers wider gegeben und die Vergangenheit aus der Sicht von Ben, so dass man auch viel über seine Gedanken zu der Zeit erfährt. Dieser Teil aus Bens Sicht ist immer mit Zeit- und Ortsangabe versehen, damit die beiden Teile leicht unterscheiden kann.

Der englische Titel "Once we were brothers" passt auf jeden Fall besser zur Lektüre, da Hannah quasi nur eine Randfigur spielt und kaum auftaucht. Im Vordergrund steht auf jeden Fall das Verhältnis Ben zu Otto, denn die ganze Zeit stellt sich die Frage warum Otto so handelte. Hierbei handelt es sich um den Debütroman des Autors und das merkt man leider auch an einigen Stellen. Jedoch hebt sich der Roman definitiv von anderen in diesem Genre ab und mir fiel es zeitweise wirklich schwer ihn aus der Hand zu legen. Zudem zeigt er einem, dass man den Holocaust nie vergessen sollte.

Mittwoch, 15. Mai 2019

#24 Booktalk - Solange die Hoffnung uns gehört

Hallo,

Im Januar hatte ich den historischen Roman "Solange die Hoffnung uns gehört" von Linda Winterberg gelesen. Das Buch hatte mich sehr nachdenklich gestimmt, deshalb habe ich diesen Booktalk verfasst.





Anni arbeitete als Sängerin in der Oper in Frankfurt. Aufgrund ihrer jüdischen Abstammung wurde ihr 1938 kurz vor der Premiere fristlos gekündigt. Auch wegen der vielen neuen Gesetze war es ihr kaum noch möglich für ihre Tochter und sich zu sorgen. Sie erfuhr über eine Bekannte von den Kindertransporten und konnte so wenigstens ihrer Tochter ein sicheres Leben in England ermöglichen. Doch für sie schien es nahezu unmöglich das Land zu verlassen und bald darauf begann der II. Weltkrieg und die Juden wurden verfolgt und deportiert. Und trotzdem versuchte Anni an der Hoffnung festzuhalten, dass sie Ruth nach England folgen kann und alles wieder gut wird.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig zu lesen und man kann mit den Figuren mitfühlen. Alles scheint authentisch  beschrieben und man hat nicht das Gefühl als würde alles aufgebauscht.
Die Gefühle fahren ziemlich Achterbahn, da es neben all den sehr grausamen Momenten auch sehr herzliche und schöne Ereignisse gibt. Die Charaktere sind alle liebevoll gezeichnet und ausgeschmückt wurden. Man fühlt richtig mit ihnen mit und die detaillierten Beschreibungen ermöglichen einem auch sich die Umgebung vorzustellen.
Mir fiel es ziemlich schwer das Buch aus der Hand zu legen beim Lesen, da ich einfach wissen wollte wie das alles ausgeht. Es ist einfach unheimlich spannend und man will die Hauptprotagonisten einfach in Sicherheit wissen. Die Lage spitzt sich halt im Laufe des Buches immer weiter zu und man hofft einfach, dass alles gut ausgeht.
Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Anni und deren Tochter Ruth erzählt. Das heißt man erfährt einiges aus dem Leben von Anni, die in Deutschland geblieben ist und von Ruth, die per Kinderverschickung nach England kam. Beide Handlungsstränge sind gut ausgearbeitet und spannend geschrieben.

Es gibt einige Längen, was aber auch am Thema an sich liegt. Die Handlung spielt im Zeitraum von mehreren Jahren und deshalb fand ich das auch mit den Längen nicht so schlimm.

Hauptsächlich geht es in dem Buch um eine jüdische Mutter, die aufgrund des II. Weltkrieges ihre Tochter nach England verschickt um sie in Sicherheit zu bringen. Solche Schicksale gab es wie am Ende des Buches erwähnt häufiger und nicht immer konnten die Eltern ihren Kindern folgen. Die Ängste die dadurch entstehen sind nachvollziehbar beschrieben und wie schlimm es gewesen sein muss den Krieg als untergetauchte Jüdin zu erleben. Diese Ungewissheit was auf einen bei der Verhaftung zukommt und wie man es eventuell dem eigenen Kind mitteilt, dass die Mutter eben nicht mehr wiederkommt. Vor allem da das Kind zwar durch die Kinderverschickung vermutlich in Sicherheit war, aber da ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch 25 Wörter lange Briefe als Kommunikationsmittel zulässig waren, konnte man ja dem Kind kaum noch etwas mitteilen. Zudem wurden die Briefe zensiert und es wurde genau darauf geachtet was darin stand. Zusätzlich zu diesen Themen wird auch der Umgang mit Transvestiten beschrieben, da auch diese zu der Zeit verfolgt
wurden.

Die Autorin hat sich hierbei von der Lebensgeschichte einiger aus dieser Zeit inspirieren lassen. Dadurch macht auch das Ende durchaus Sinn und ich finde es auch gut, dass genau so eins gewählt wurde, da die Realität zu der Zeit nun einmal sehr grausam war. Ich fand es wurde wirklich gut recherchiert und das Thema wurde auch gut aufgearbeitet. Es ist nicht reißerisch oder unrealistisch dargestellt wurden nur um noch mehr Emotionen beim Leser zu erzeugen, was ich bei anderen Romanen immer störend finde. Manche Themen sind an sich schon grausam genug, da muss man nicht noch eins drauf setzen nur um alles noch schlimmer darstellen zu können.
Das Buch ist wahrlich nichts für Menschen mit schwachen Nerven, da es hier um die Judenverfolgung während des II. Weltkrieges geht und die Kinderverschickung.
Mich hat das Buch definitiv nachdenklich gestimmt vor allem was das Thema Freundschaft und Mutterliebe betrifft. Es ist wirklich bewundernswert wie viel Annis Freunde aufs Spiel setzen nur um ihr zu helfen. Und der Titel des Buches zieht sich durch die komplette Handlung, denn die Hoffnung auf Besserung ist permanent anwesend.

Viele Grüße

Mittwoch, 24. April 2019

#23 Booktalk - Wie Gräser im Wind

Hallo,

Im Januar hatte ich den historischen Roman "Wie Gräser im Wind" von Ella Zeiss gelesen. Das Buch hatte mich sehr nachdenklich gestimmt, deshalb habe ich diesen Booktalk verfasst.





Um die Russlanddeutsche gefügig zu machen werden dieser zur Zeit der Sowjetunion um 1930 enteignet. Da sich Wilhelm Scholz weigert seinen Bauernhof an auf der Krim, also seinen hart erarbeiteten Besitz dem Staat zu überlassen, wird seine ganze Familie in den Norden umgesiedelt und dort muss er mit anderen zusammen Bäume fällen. Dort werden sie mit der Härte des Regimes konfrontiert, denn als Russlanddeutscher ist man für sie nur eine billige Arbeitskraft und viel weniger wert als ein Russe.
Zu ungefähr der gleichen Zeit gerät Samuel Pfeiffer als Lehrer ins Visier des Regimes. Als Russlanddeutscher darf er eine so einflussreiche Position nicht haben und deshalb wird er denunziert. Um seine Familie zu schützen flüchtet er von der Krim und findet selbst an seinem neuen Wohnort keine Frieden.

Es gibt zwei Handlungsstränge, die uns einerseits am Leben der Familie Scholz an der Krim und an dem von Familie Pfeiffer im Nordkaukasus teilhaben lassen.
Ab der Hälfte des Buches wird alles noch hoffnungsloser, denn Russlanddeutsche werden nach Kriegsbeginn als Feinde angesehen. Folglich ist es für sie noch schwerer als ohnehin schon eine Arbeitsstelle zu finden und ihre Familien zu ernähren. Man hofft die ganze Zeit, dass es nicht noch schlimmer wird und mit ein wenig Hintergrundwissen in Sachen Geschichte kann man erahnen in welche Richtung die Handlung gehen wird. Das nimmt dem Ganzen aber nicht die Spannung und ich wollte einfach nur wissen wie das alles weiter geht, weshalb ich auch kaum Pausen beim Lesen gemacht hatte.

Die Autorin nutzt hier die Biografie ihrer Großeltern als Grundlage und der Prolog zeigt einem auch einen kleinen Blick in die Zukunft. Denn der Hauptteil des Buches spielt zwischen 1930 und 1941.
Der Schreibstil ist angenehm flüssig zu lesen und durch die bildhaften Beschreibungen kann man sich alles gut vorstellen.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und vor allem die Hauptprotagonisten sind sympathisch und liebevoll gezeichnet. Mir ist das Schicksal einiger Protagonisten wirklich nahe gegangen und das obwohl das Buch alles andere als einen emotionalen bzw. ausladenden Schreibstil hat. Wahrscheinlich hätte so ein Schreibstil das Buch doppelt so dick gemacht, denn oft bleibt der Schreibstil der Autorin doch sehr nüchtern. Aber trotzdem schafft es die Autorin mit ihren Worten die Hoffnungslosigkeit und Grausamkeit hervorzuheben.

Am meisten hat mich die Liebesszene mittendrin gestört und das die Protagonisten alles so schnell akzeptieren. Nach den ganzen Vorfällen ist es klar, dass sie vieles einfach hinnehmen. Aber anfangs erscheint es mir dann doch etwas absurd die schnelle Akzeptanz und die fehlende Resignation.

Hier in diesem Buch geht es um die Unterdrückung der Russlanddeutschen unter Stalin. Während dieser Zeit wurden diese verfolgt, enteignet und oft auch umgesiedelt, um für die Regierung für wenig Geld zu arbeiten. Einige werden als Regimekritiker einfach hingerichtet. Spitzelnde Nachbarn sind etwas vollkommen normales und es wird alles mögliche getan um die Menschen gefügig zu machen. Denunzierungen sind an der Tagesordnung und sei es nur um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Arbeitslager in Siberien und anderen Teilen der Sowjetunion werden genutzt um Störenfriede aus dem Weg zu schaffen. Zeitgleich kommt in Deutschland Hitler an die Macht, was aber erst in der 2. Hälfte des Buches eine Rolle spielt.

Das Buch ist allein aufgrund des Themas nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Trotzdem ist es für mich eine klare Leseempfehlung, denn es gibt nicht so viele historische Romane über diese Zeit und ich finde es ist wichtig darüber Bescheid zu wissen. Das Thema regt zum Nachdenken an und macht klar, dass so etwas wie unter Stalin nicht  mehr passieren sollte und materielle Sachen kaum Wert im Leben haben. Die Protagonisten behalten trotz der Schicksalsschläge ihre Hoffnung und kämpfen für ihre Familie und das finde ich wirklich bewundernswert.

Hoffentlich werden die offenen Fragen in Band 2 der Dilogie beantwortet.

Habt ihr schon den Roman gelesen?

Viele Grüße

Mittwoch, 20. Juni 2018

#03 Booktalk - Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada

Hallo,


Vor kurzem habe ich den Klassiker "Jeder stirbt für sich allein" von Hans Fallada gelesen und aufgrund der Thematik habe ich dazu einen Booktalk verfasst.




Der Roman wurde 1946 verfasst und basiert auf den Gestapoakten zu dem Ehepaar Otto und Elise Hampel. Diese haben von 1940 bis 1942 in Form von Postkarten/Flugblättern zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen. Beide wurde 1942 verhaftet und 1943 zum Tode verurteilt. Der Tod vom einzigen Sohn vom Ehepaar an der Front war Auslöser für den Widerstand.
Der Autor Hans Fallada hat diesen Roman innerhalb von 4 Wochen verfasst und er wurde 1947 veröffentlicht. Kurz darauf verstarb der Autor.
Im Anhang befinden sich Fotos, biographische Daten zum Autor, Hinweise zur Entstehung des Romans und einige Begriffe werden erklärt.

Die Handlung ist in 4 Teile gegliedert. Der 1. Teil dient als Einleitung und beschreibt die Gesellschaft der 40er Jahre. Wer ist das Ehepaar Quangel? Warum schreiben die beiden die Postkarten? Wie leben sie? Und die erste Postkarte wird abgelegt.
Im 2. Teil nimmt ein Kommissar die Ermittlungen auf, das heißt die Gestapo setzt alles daran den Verfasser der Postkarten ausfindig zu machen.
Im 3. Teil wird das Ehepaar geschnappt. Die Szenen sind ergreifend, traurig und vor allem zeigt es wie grausam der NS war. Und es wird deutlich wie einsam und hoffnungslos der Kampf gegen das Regime war. Auch der Titel wird hier erklärt, denn wenn man stirbt ist niemand mehr da, der einem beisteht.
Im letzten Teil geht es um das Warten auf die Hinrichtung. Das Ehepaar ist getrennt voneinander in einem Gefängnis und hat genügend Zeit um über all das was geschehen ist nachzudenken und zu reflektieren. Und sie realisieren was für Auswirkungen ihre Taten hatten. Der Teil zeigt noch einmal sehr deutlich wie leicht bzw. einfach es war als Mittäter abgestempelt zu werden, nur weil man etwas nicht gemeldet hat und dass das Regime so etwas nicht geduldet hatte.

Stellenweise liest sich der Text nicht flüssig, was entweder am Schreibstil selbst liegt oder an der kurzen Zeit, die der Autor zur Verfügung hatte. Man merkt halt einfach, dass es sich um das Originalmanuskript handelt. Die Geschichte wird eher sachlich und nüchtern erzählt und es herrscht durchgehend eine bedrückende, kalte und beängstigende Grundstimmung.

Die Geschehnisse wurden gut aufgearbeitet. Aber auch das Schicksal von anderen Personen bzw. Charakteren wird beleuchtet. Es gibt viele grundverschiedene Charaktere und diese zeigen ungefähr wie die Gesellschaft der 40er Jahre war. Es gibt verschiedene Handlungsstränge, welche alle miteinander verknüpft sind und diese werden durchgehend spannend erzählt.
Die Existenzängste der einzelnen Personen führen dazu, dass Moral nichts mehr wert ist und jeder sich selbst der nächste ist. Jedes Wort oder auch jeder Gedanke konnte einen zum Verhängnis werden.
Immer wieder merkt man, dass die Postkartenfinder Angst/Panik davor haben als Mittäter beschuldigt zu werden. Dafür könnten sie zum Tode bestraft werden und auch Familienmitglieder könnten dann ins Visier der Gestapo geraten. Es reichte allein schon aus etwas wie die Postkarte zu spät zu melden und schon war man verdächtig. Das NS-Regime hatte keine Gnade und hat versucht jeden Widerstand im Keim zu ersticken. Jeder hat quasi jeden bespitzelt, man wurde ohne Vorankündigung verhaftet, auf Essensentzug gesetzt und dann stundenlang befragt, bis die Person irgendetwas zugab. Und genau das spiegelt der Roman wieder: Es gab kein Entrinnen, sobald man in den Augen der Gestapo Täter war.


Dieser Roman ist auf alle Fälle lesenswert und ich empfehle ihn jedem der Interesse an dem Thema hat. Hauptsächlich geht es um den Widerstand der kleinen Leute und warum das alles nicht so wirklich geklappt hat.



Und wie ist eure Meinung zu dem Buch?


viele Grüße

Mittwoch, 16. Mai 2018

#02 Booktalk - Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne

Guten Tag :)

Heute ist es wieder einmal Zeit für eine ausführliche Buchbesprechung. Hierfür habe ich mir den Klassiker "Der Junge im gestreiften Pyjama" von John Boyne ausgesucht. Ich selbst habe die englische Originalfassung(The Boy in the Striped Pyamas) gelesen nachdem ich den Film gesehen hatte. Mich beschäftigt das Thema immer noch und aus dem Grund möchte ich das Buch auch nicht nur mit einer kurzen Rezension bewerten.




An sich ist das Buch einfach nur eine Geschichte über zwei 9 jährige Jungs, die sich während dem II. Weltkrieg kennen lernen und sich anfreunden. Jedoch verhindert ein Zaun, dass sie zusammen spielen und Spaß haben können. 

Die Handlung wird aus der Sicht von Bruno erzählt, der das alles was um ihm herum geschieht nicht ganz versteht und auch nicht weiß warum die Menschen auf der anderen Seite des Zaunes gestreifte Schlafanzüge tragen. Er weiß auch nicht was sein Vater in dem Camp überhaupt macht und was die ganzen Soldaten bei ihm zu Hause für einen Sinn machen. Auch der Junge auf der anderen Seite des Zaunes kann Bruno nicht erklären, warum er so blass ist oder auf der anderen Seite des Zaunes lebt. 

Auf der einen Seite ist es eine wirklich wundervolle Geschichte über Freundschaft, wenn man alles ausblendet was einem das eigene Wissen über eben jene Zeit unaufhörlich vor Augen hält. Der Autor selbst geht darauf immer wieder nur beiläufig ein, da Bruno eben gar nicht so viel weiß und das finde ich macht das ganze noch tragischer und bewegender. Vor allem wenn man weiß wer "The Fury"(Der Führer) und "Out-With"(Auschwitz) ist, dann läuft es einem kalt den Rücken runter.  


Man merkt halt Bruno seine Unschuld und seine 9 Jahre an. Er ist halt noch sehr naiv und das sollte man sich auch beim Lesen immer wieder vor Augen halten. Er hat halt tatsächlich keinen Schimmer, was auf der anderen Seite des Zaunes passiert.
Wobei ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wie ein deutscher Junge so unwissend sein kann? Es wurde den Kindern doch zu der Zeit schon sehr früh beigebracht, dass Juden nichts wert sind und man keine Zeit mit ihnen verbringen sollte. 

Zuerst hatte ich die wirklich tolle Verfilmung gesehen, aber es lohnt sich trotzdem das Buch zu kaufen und auch zu lesen. Ich musste es tatsächlich ein paar Mal auf Seite legen, da mich die Emotionen so überrollt hatten. Obwohl der Schreibstil wirklich detailliert ist was zum Beispiel die Beschreibung vom Haus betrifft schafft es der Autor mit relativ wenigen Worten eine sehr beklemmende Grundstimmung zu vermitteln. Diese für Bruno verwirrende Situation spiegelt sich auch in der trostlosen Stimmung wieder: Er hat nicht eine wirkliche Chance Licht ins Dunkel zu bringen. Er kann halt mit seinen 9 Jahren noch nicht begreifen, was da alles um ihn herum passiert.
Vor allem als Leser weiß man halt was im KZ Auschwitz bzw. Auschwitz-Birkenau ungefähr vor sich ging und das macht es nur noch herzzerreißender. Das Ende fand ich besonders beängstigend und ergreifend und mich hatte es richtig traurig gestimmt. Wahrscheinlich muss man aber das Wissen haben, dass ein Teil des KZ in Auschwitz das Vernichtungslager Auschwitz Birkenau war und das nahezu ausschließlich zu der systematischen Vernichtung der Menschen in dem Lager vorgesehen war. 
Man weiß einfach das all das kein gutes Ende nehmen kann. Bruno ist der Sohn von einem Lagerkommandant vom KZ Auschwitz freundet sich mit einem jüdischen Jungen  aus dem KZ an. Aber trotzdem nimmt einen das Ende mit und ich hatte wirklich die ganze Zeit gehofft, dass es nicht so weit kommt. 
Das Ende führt einfach vieles vor Augen was überhaupt erst zu der Handlung geführt hatte. Zum Beispiel wurden Menschen ohne jegliche Vorwarnung inhaftiert und in diese Lager gebracht. Und es zeigt einfach, dass einen niemand auf so etwas vorbereiten kann. Der Tod kommt halt immer dann, wenn man am wenigsten damit rechnet.

Das Buch hat sehr gut gezeigt, dass man zwar als Außenstehender hier in Form von Bruno zwar sehen kann was passiert, aber trotzdem wie viele andere tatenlos zu sieht. Vor allem da ihm durchgehend gesagt wird, dass das alles seine Richtigkeit hat und es ihn auch nichts angeht was alles auf der anderen Seite des Zaunes passiert. Es zeigt aber auch vor allem, dass das was im KZ selbst passiert ist tatsächlich nur die Betroffenen nachvollziehen bzw. nachempfinden können. Der jüdische Junge erzählt kaum etwas über sein Leben und ich fand es gut, dass sich der Autor nicht daran versucht hat auch seine Geschichte zu beschreiben. 
Vor allem soll es aber zeigen, dass es nie mehr soweit kommen darf. Aber auch während der Handlung und das Ende zeigen, dass es keinen äußerlichen Unterschied zwischen den beiden Jungen gibt. 

An sich ist  es ein relativ dünnes Buch mit um die 230 Seiten. Dadurch hat man es relativ schnell durch gelesen, jedoch ist es aufgrund der Thematik alles andere als eine leichte Lektüre. 

Und was ist eure Meinung zu dem Buch?


Vor längerem hatte ich ein Buch zum Thema Holocaust rezensiert in dem es um die systematische Vernichtung von Juden geht:

viele Grüße